Eine weiße Blume vor einer Straße
Eine Margerite wächst an der A71. Bildrechte: Sascha Mönch/MDR

Autobahn 71 Naturschützer kritisieren Naturschutzprojekte nach A71-Bau

Mit dem Bau der A71 wurde stark in die Landschaft eingegriffen. Durch Naturschutzprojekte sollte die Auswirkung gemildert werden. Während die meisten dieser Projekte fast abgeschlossen sind, üben Naturschützer scharfe Kritik: Die Arbeiten hätten so lange gedauert, dass einige Tier- und Pflanzenarten womöglich längst verschwunden seien.

 Eine weiße Blume vor einer Straße
Eine Margerite wächst an der A71. Bildrechte: Sascha Mönch/MDR

Thüringer Umweltschützer kritisieren die im Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn A71 realisierten Naturschutzprojekte scharf. So seien sie gar nicht geeignet, um die massiven Eingriffe in die Lebensräume auszugleichen, sagte der BUND-Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel MDR THÜRINGEN. Vielfach seien die Projekte zu spät umgesetzt worden oder noch immer nicht abgeschlossen, so dass bestimmte Tiere und Pflanzen möglicherweise bereits verschwunden sind. Rechtlich sei das gar nicht zulässig, denn Ersatzlebensräume müssten "zeitnah nach dem Eingriff" geschaffen werden und nicht erst nach Bauende.

Viele Ausgleichsflächen seien auch nicht unter Naturschutzaspekten ausgewählt worden, sondern seien lediglich "gerade verfügbar gewesen". Neu gepflanzte Gehölze in Fahrbahnnähe hält Vogel für "ökologische Fallen". Geschlüpfte Jungvögel landeten dort oft auf der Straße und würden überfahren. Auch die Grünbrücke bei Meiningen kritisierte er: "Sie war zu steil und musste asphaltiert werden." Brücken müssten jedoch möglichst naturnah sein, damit sie vom Wild angenommen werden. Es gehe auch nicht, dass landwirtschaftlicher Verkehr und Wildtiere dieselben Grünbrücken nutzen sollen.

BUND: Ausgleich zu gering

Luftaufnahme einer Autobahn
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Genießen Sie einen Flug über der Autobahn 71 in Thüringen und entdecken Sie die Landschaft drumherum.

MDR FERNSEHEN Di 11.07.2017 20:45Uhr 02:28 min

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Aus BUND-Sicht sei auch der Umfang der Ausgleichsmaßnahmen deutlich zu gering. Angestrebt würden zehn Prozent der Baukosten, sagte Vogel. Demnach wären im Fall der A71 für die zugehörigen Naturschutzprojekte in Thüringen rechnerisch etwa 200 Millionen Euro anzusetzen. Tatsächlich seien sechs Millionen Euro geflossen, teilte das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft MDR THÜRINGEN auf Anfrage mit. Projekte auf rund 2.700 Hektar seien damit realisiert worden.

Die Renaturierung wurde nötig, weil mit dem Bau massiv in Natur und Landschaft eingegriffen wurde. Das natürliche Gleichgewicht soll durch sogenannte Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen wieder hergestellt werden. Einige Arbeiten seien noch offen, auf den Streckenabschnitten von Berkach an der bayerischen Landesgrenze bis südlich von Sömmerda seien noch Restarbeiten zu erledigen. Dazu gehörten Nachpflanzungen, Vermessungs- und Mäharbeiten, sagte ein Sprecher.

Autobahn bleibt Eingriff in die Landschaft

Im Bereich der Anschlussstelle Sömmerda bis zur Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt sollen noch Ackerflächen und Waldparzellen stillgelegt werden. Nach Angaben der Behörde müssen noch rund 180 Hektar Wald mit Laubbäumen, Wildobstgehölzen und Weißtannen aufgeforstet, Hecken gepflanzt und Nisthilfen für Schwarzstorch, Fledermäuse und Singvögel errichtet werden. Alle Ausgleichsvorhaben seien plangemäß erfüllt worden, sagte Roland Müller, Umweltdezernent im Landratsamt Hildburghausen MDR THÜRINGEN. Allerdings bliebe der Autobahnbau ein gewaltiger Eingriff in die Landschaft, der sie aber nicht verschandelt habe. Ein Sprecher der Landesforstanstalt schätzte ein, dass die Eingriffe in die Waldgebiete in ausreichendem Maße kompensiert worden sind.

Nach Angaben der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH (DEGES) sind rund um die A71 neue Biotope und Grünflächen entstanden. Auf den Mittelstreifen der Autobahn wüchsen beispielsweise Feldahorn, Silber-Ölweide oder Goldjohannisbeere. Entlang der Fahrbahn seien Streuobstwiesen mit Apfel-, Pflaumen-, Birnen- und Kirschbäumen entstanden.

Die Landesforstanstalt spricht sich für weitere Grünbrücken über Thüringens Autobahnen aus. So könnte Rot-, Reh- und Schwarzwild, aber auch Fuchs und Hase besser in andere Waldgebiete wandern und sich vermehren. Die Eingriffe in Waldgebiete durch den Bau der Autobahn 71 seien in ausreichendem Maße kompensiert worden, so ein Sprecher von Thüringen Forst.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 11.07.2017 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2017, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

11.07.2017 09:57 dixen 2

Nun frag ich mich,wer hat denn die ganzen herrlichen Alleen gepflanzt ??
Wie war das denn, als Pferdegespann, später dann Traktoren auf den Feldern
und Wegen unterwegs waren ??

11.07.2017 09:30 Howard 1

Egal wie viele Ausgleichsmaßnahmen man vorsieht und umsetzt. Diese Schneise durch eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands zu schlagen war ökologischer Amoklauf. Hier wurde, wegen 50km Umweg, ein einmaliges Landschaftskulturelles und biologisches Gebiet zerstört. Und es geht weiter. Erinnert sei hier an den weiteren Ausbau der A14. Wann haben wir genug Beton?

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