Zwei rote Triebwagen unter blauem Himmel mit einer tiefdunklen Wolke
Bildrechte: MarkusWetterauer/MDR

Die Pläne der Bahn AG ICE bringt nicht nur Vorteile

Die Vertreter von Deutscher Bahn und Land Thüringen schwelgen in Superlativen. Von einem "gewaltigen Mobilitätssprung" und der "größten Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn" ist die Rede. Es geht um den neuen Fahrplan, der ab 10. Dezember 2017 gilt. Dann geht die neue ICE-Trasse zwischen Erfurt und München in Betrieb. Doch die Erfolgsmeldungen werden getrübt: Nicht alle Thüringer profitieren von dem Milliarden-Projekt.

von Markus Wetterauer

Zwei rote Triebwagen unter blauem Himmel mit einer tiefdunklen Wolke
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Auf der einen Seite gibt es für viele Bahn-Reisende in Thüringen ab Dezember mehr Züge, neue direkte Verbindungen und kürzere Reisezeiten. Vor allem die Anschlüsse in Erfurt an die ICE-Züge nach Berlin, München, Frankfurt und Dresden werden besser. Der Erfurter Hauptbahnhof wird zum Drehkreuz – wenn der Fahrplan eingehalten wird. Denn zurzeit ist bei der Deutschen Bahn jeder fünfte ICE verspätet. Auch auf den Regionalstrecken im Land gibt es Vor- und Nachteile.   

Erfurt – Weimar – Jena – Gera

Etwa alle 15 Minuten rollt ab Dezember ein Regionalzug zwischen Erfurt und Weimar. Öfter fährt nur noch die Straßenbahn. Damit wird das Angebot auf der „Brot-und-Butter-Linie“ noch einmal etwas ausgebaut. Zurzeit fahren drei bis vier Züge pro Stunde zwischen beiden Städten. Auch die Fahrzeit ist mit 12 bis 15 Minuten konkurrenzlos schnell. Fällt mal ein Zug aus, ist das kein Beinbruch, weil bald der nächste kommt.

Allerdings erreicht die Strecke mit dem dichten Takt ihre Kapazitätsgrenze. Das gilt umso mehr für den Abschnitt zwischen Weimar, Jena und Gera. Er ist immer noch nicht durchgehend zweigleisig ausgebaut. Fährt hier ein Zug verspätet, dann bringt das den ganzen schönen Fahrplan durcheinander. Auch die beschlossene Elektrifizierung zwischen Weimar und Gera wird noch Jahre dauern.

Ilmenau – Erfurt

Zwar verkürzen drei neue Expresszug-Paare am Tag die Reisezeit zwischen beiden Städten. Allerdings brauchen die Regionalzüge künftig deutlich länger als bisher. Die Strecke wird von vielen Studenten genutzt. Wie wäre es mit WLAN im Zug, USB-Buchsen zum Handy-aufladen und Steckdosen für den Klapprechner?

Meiningen – Suhl – Erfurt

Mehr Tempo versprechen die Fahrplan-Macher zwischen dem Süden des Freistaats und der Landeshauptstadt. Allerdings geht das unter anderem auf Kosten von Oberhof. Der Bahnhof wird ab Dezember dicht gemacht, Züge halten nicht mehr: gerade für Wanderer ein Manko.

Saalfeld – Erfurt

Hier gibt es deutlich mehr durchgehende Verbindungen. Bisher mussten die Reisenden alle zwei Stunden in Arnstadt umsteigen. Bei Verspätungen war das manchmal schwierig, besonders, wenn zwei Bahngesellschaften beteiligt sind, deren Züge nicht immer aufeinander warten.

Sonneberg – Nürnberg

Ab Dezember gibt es hier einen Quantensprung. Der Landkreis Sonneberg profitiert deutlich von der neuen ICE-Trasse. Weil die Regionalzüge alle zwei Stunden ab Coburg auf der neu gebauten Strecke nach Nürnberg rasen, sind die Reisenden in rund anderthalb Stunden dort. Bisher brauchen sie zwei Stunden. Damit kann der Regionalzug mit dem Auto mithalten.

Eisenach – Gotha – Erfurt – Apolda – Halle

Nicht alle Strecken profitieren von den neuen Angeboten. Im besten Fall bleibt das bisherige Angebot bestehen. Manchmal ergeben sich auch Nachteile. So müssen immer öfter Regionalzüge warten, um schnelle ICE vorbeibrausen zu lassen. Das gilt zum Beispiel zwischen Eisenach, Gotha und Apolda.

Sömmerda – Großheringen

Abgehängt: für den Streckenabschnitt von Buttstädt nach Großheringen stehen ab Dezember die Signale endgültig auf rot. Aus vielen ländlichen Regionen in Thüringen ziehen die Menschen seit Jahren weg. Wer bleibt, erwartet gute Straßen und Zugverbindungen. Hier geschieht das Gegenteil – scheibchenweise. Das Geld fließt in die gut genutzten Strecken – für kleine Linien bleibt nichts mehr übrig. Zwar haben die Verantwortlichen die Strecke vor einigen Jahren saniert und rationalisiert. Allerdings wurden der Abschnitt Straußfurt – Sömmerda für den Personenverkehr stillgelegt und die durchgehenden Züge nach Naumburg gestrichen. Dabei könnten mit Zügen über Großheringen hinaus, zum Beispiel nach Jena, durchaus neue Pendler auf die Schiene gelockt werden.

Leinefelde – Bad Langensalza – Erfurt/ Nordhausen – Erfurt

Auch Nordthüringen soll in Erfurt besser an die ICE-Züge angeschlossen werden. Um kürzere Fahrzeiten zu erreichen, halten die Züge aber nicht mehr so oft. Bewohner kleinerer Orte haben oft das Nachsehen.

Bad Lobenstein – Saalfeld

Die Strecke durch Südostthüringen ist landschaftlich wunderschön – aber langsam. Sie profitiert auch nicht von der neuen ICE-Trasse und dem neuen Fahrplan. Allerdings könnte sie für Thüringen-Touristen besser vermarktet werden. Der Städtetourismus boomt. Und von Weimar und Erfurt sind Urlauber mit dem Zug schnell in Saalfeld und können von hier eine der schönsten Thüringer Bahnlinien genießen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11.09.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 17:16 Uhr

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4 Kommentare

12.09.2017 14:14 Thüringer 4

@#2: MDR steht für *Mitteldeutscher* Rundfunk, übrigens mit Stammsitz in Leipzig. Da sollte die Welt nicht nördlich Camburg zu Ende sein. Der Autor hat die Strecke vermutlich schlicht nicht auf dem Radar gehabt, sitzt wohl in Erfurt. Das mit den Ministerialbeamten ist richtig und die gehören auch genannt, aber trotzdem ist Frau Keller deren Vorgsetzte. Es ist ihre Aufgabe, ihr Personal zu kontrollieren und anzuleiten. Dass Jena - Leipzig keine Nebenstrecke ist, die mit einer zweistündlichen Bummelbahn und ein paar weiteren Umsteigeverbindungen gut bedient ist und mal eben um eine knappe halbe Stunde langsamer werden kann, dürfte ihr ohne Weiteres klar gewesen sein. Trotzdem hat sie ihre Leute drei Jahre lang machen lassen, hat weder eingegeriffen noch das Thema zur Chefsache erklärt. Damit ist sie verantwortlich. Also, liebe Redaktion: zwei ostdeutsche Leuchttürme, 100.000 und 600.000 Einwohner, bald 20 Minuten langsamer und nur noch alle 2h direkt verbunden - ist das berichtenswert?

11.09.2017 21:57 Martin Truckenbrodt 3

Für Sonneberg fallen allerdings die täglichen neun ICE-Verbindungen über Lichtenfels, Saalfeld und Jena in Richtung Norden weg. Erst nach Nürnberg zu fahren um dann nach Erfurt oder Berlin fahren zu können, kann man nicht als Verbesserung schönreden. Die täglichen drei ICE-Halte Coburg in Richtung Norden reißen das nicht raus.

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