Regionalbahn steht bei Sonnenuntergang am Bahnhof
Regionalbahn am Erfurter Bahnhof Bildrechte: MDR/Markus Wetterauer

Entwurf für neuen Thüringer Bahn-Fahrplan Schnellere Züge und stillgelegte Strecke

Deutliche Verbesserungen verspricht das Land Thüringen beim Eisenbahnverkehr ab Dezember. So soll der neue Jahresfahrplan 2018 im Regionalverkehr vor allem für Ost- und Südthüringen mehr und schnellere Züge bringen. Bei genauerem Hinsehen gibt es aber auch einige Wermutstropfen.

von Markus Wetterauer

Regionalbahn steht bei Sonnenuntergang am Bahnhof
Regionalbahn am Erfurter Bahnhof Bildrechte: MDR/Markus Wetterauer

Die Bilanz fällt gemischt aus. Wenn die Züge ab Dezember so rollen, wie der Entwurf für den Fahrplan es vorsieht, dann können sich viele Fahrgäste durchaus freuen. So versprechen die Fahrplan-Macher der landeseigenen Nahverkehrsservicegesellschaft NVS künftig vier Züge pro Stunde zwischen Weimar und Erfurt. Bisher sind es nur drei. Auch zwischen Gera, Jena und Erfurt gibt es dann mehr durchgehende Züge.

Überhaupt wird der Erfurter Hauptbahnhof immer mehr zum Knoten im Thüringer Bahnverkehr. Schließlich kreuzen sich hier ab Dezember mehrere ICE-Linien, wenn die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Erfurt durch den Thüringen Wald nach Nürnberg und München in Betrieb geht. Erklärtes Ziel des Landes ist es, die anderen Thüringer Regionen dann öfter und schneller an Erfurt anzubinden. Damit sollen möglichst viele Reisende von den neuen Schnellzügen profitieren können.

Änderungen auf Bahnlinien 2018 vorgestellt von den Nahverkehrsservicegesellschaften Thüringens
Änderungen auf Bahnlinien 2018: Grün = tendenzielle Verbesserung; Rot = tendenzielle Verschlechterung Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Mehr Express-Züge unterwegs

 ICE fährt in Bahnhof Jena-Paradies ein, Regionalexpress fährt aus dem Bahnhof aus.
Bahnhof Jena-Paradies Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Bernd Lammel

So fahren zum Beispiel künftig zwischen Wernshausen, Schmalkalden und Erfurt drei neue Express-Züge täglich, zwischen Erfurt und Ilmenau sind es sogar vier. Allerdings sieht der Fahrgast-Verband Pro Bahn das zusätzliche Angebot durchaus kritisch. Der Thüringer Landesvorsitzende Bernd Schlosser sagte MDR THÜRINGEN, das Geld für die zusätzlichen Züge könnte anderswo besser eingesetzt werden. Schließlich gebe es auf den beiden Strecken schon bisher ein gutes Angebot. Weiterer Nachteil: die Regionalzüge zwischen Ilmenau und Erfurt sind im neuen Fahrplan etwa acht Minuten länger unterwegs als bisher.

Neue Express-Züge verbinden ab Dezember auch Saalfeld und Jena mit Halle und Leipzig. Sie sollen für die beiden Städte den ICE durchs Saaletal ersetzen, der dann wegfällt. Wermutstropfen: von Februar bis November nächstes Jahr wird auf den Strecken gebaut. Das bedeutet auf vielen Verbindungen längere Fahrzeiten.

Einige Fahrzeiten verlängern sich

MDR THÜRINGEN-Bahnexperte Markus Wetterauer
MDR THÜRINGEN-Bahnexperte Markus Wetterauer Bildrechte: MDR/Markus Wetterauer

Länger sind auch die Fahrgäste zwischen Eisenach und Erfurt unterwegs, wenn die Strecke weiter für Tempo 200 ausgebaut wird. Außerdem halten die Regionalbahnen künftig in Erfurt fast zehn Minuten. Damit verlängern sich die Fahrzeiten zum Beispiel zwischen Gotha und Weimar deutlich. Positiv: künftig fährt ein neuer Regionalexpress von Erfurt bis nach Halle.

Bequemer wird es für Fahrten zwischen Saalfeld und Erfurt. Die Reisenden müssen hier nicht mehr in Arnstadt umsteigen. Stattdessen können sie jede Stunde durchfahren. Flotter geht es auch in Südthüringen vorwärts, weil zum Beispiel Anschlüsse in Sonneberg nach Nürnberg und in Grimmenthal in Richtung Erfurt besser werden. Auch die Regionalbahnen zwischen Meiningen und Erfurt fahren künftig deutlich schneller. 

Rennsteig-Shuttle auf der Kippe

Doch die zusätzlichen Züge auf den Hauptstrecken haben ihren Preis. Weil die Zuschüsse des Bundes für den regionalen Bahnverkehr in Thüringen nicht so stark steigen wie erwartet, muss an anderer Stelle gekürzt werden. Unklar ist beispielsweise die Zukunft des Rennsteig-Shuttles. Der Triebwagen der Erfurter Bahn verbindet samstags und sonntags Ilmenau mit dem Bahnhof Rennsteig auf 747 Metern Höhe und wird von Urlaubern und Ausflüglern gerne genutzt. Land und Bahn-Gesellschaft verhandeln zurzeit noch, ob die Zuschüsse dafür weiter fließen und es das Angebot damit auch künftig gibt.

Fest steht dagegen schon: die Signale für einen Teil der "Pfefferminzbahn" stehen auf rot. Die Bahn verband bisher Sömmerda, Kölleda und Buttstädt mit Bad Sulza und Großheringen. Etwa die Hälfte der gut vierzig Kilometer langen Strecke wird stillgelegt. Die Züge fahren ab Dezember nur noch zwischen Sömmerda und Buttstädt. Dabei wurde die Strecke erst vor rund zehn Jahren saniert und für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut.

Bahnhof Oberhof verschwindet

Und auch der Bahnhof Oberhof verschwindet nach 133 Jahren aus dem Fahrplan. Hier halten ab Dezember keine Züge mehr. Für Bernd Schlosser von Pro Bahn ist der geplante Ersatz mit Bussen zwischen Zella-Mehlis und Oberhof nicht ausreichend. "Ich halte es für fragwürdig, den Halt im Sinn des Tourismus ganz aufzugeben", sagt er. Denn: "Es gibt immer wieder Wanderer, die zum Beispiel von Oberhof zur Schmücke wandern. Die verliert man dann."

Bis zum 26. Februar können Fahrgäste Verbesserungs-Vorschläge dazu machen. Die Nahverkehrsservicegesellschaft versucht, zumindest einen Teil davon umzusetzen.

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2017, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

10.02.2017 11:08 der_grenzgänger 5

Naja, solange keine Verbesserungen für die Nebenstrecken erfolgt, sind wieder einmal die Menschen in den ländlicheren Gegenden abgehängt, während sich für die Stadtbewohner wieder einmal alles verbessert. Ungerecht! Wie lange warten wir schon auf eine schnelle! Verbindung zwischen Eisenach und Coburg? Oder Ortsumfahrungen? Es braucht ein deutschlandweiten "Infrakstrukturssoli" für die ländlichen Gebiete. 5 Minuten schneller zwischen Ilmenau und Erfurt, na Prost Mahlzeit.

10.02.2017 10:40 Fahrplan Fernverkehr für Erfurt Hbf. 4

Die Linien sind lt. der Website ice-treff.de zumindest für Erfurt, den ab Ende 2017 entscheidenden Bahnknoten in Thüringen, von dem aus die Abfahrten und Ankünfte in Gotha, Eisenach, Halle, Leipzig, Berlin usf. ableitbar sind, bekannt. Erreichbar ist die Seite mit den Zeiten für Erfurt unter: http://www.ice-treff.de/index.php?id=465273 Interessant ist die direkte Erreichbarkeit vieler neuer Ziele ab Thüringen, insbesondere Stuttgart, Ulm und - direkt ab Erfurt - Bamberg, Erlangen, Nürnberg, Ingolstadt und München. Bedingt durch die zeitlichen Vorteile durch den neuen Knoten in Erfurt - auch von Ostthüringen - durchweg ein Gewinn. Ganz zu schweigen für die Relationen von West- und Nordthüringen in Richtung Süden oder von Berlin, Halle, Leipzig in Richtung München mit Fahrzeitgewinnen von über 2 Stunden.

10.02.2017 10:26 Ilmenauer 3

Die neue Expressverbindung von Ilmenau nach Erfurt und in entgegenesetzte Richtung hat den Namen "Express" leider Absolut nicht verdient. Aus den angekündigten 30 Min Fahrzeitverkürzung (Thüringer Allgemeine, 07.04.2017, Zitat Michael Hecht, Geschäftsführer STB) sind nun 10 Min (Ilmenau-Erfurt) bzw. 14 Min gegenüber den zukünftigen Normalverbindungen geworden. Gegenüber dem aktuellen Fahrplan bleiben noch ganze 4 Minuten bzw. 6 Minuten zugewinn. Mir ist nich wirklich klar, warum die Fahrzeit trotz der vielen weggelassenen Halte nur in solch geringem Maß sinkt, bzw. wie die vorher versprochenen 30 Minuten geplant wurden. Ich hoffe dass sich hier noch etwas ändert, oder der Fahrplan zumindest in den nächsten Jahren verbessert wird. So bleibt das Auto leider immer noch eine attraktive Alternative um Erfurt zu erreichen.
Gerade mit der neuen ICE Strecke wäre eine schnelle Anbindung an den Knoten in Erfurt wünschenswert.

10.02.2017 10:18 Jena und Weimar über Bedarf abgedeckt - 2

Regelmäßig fahren die Regionalbahnen schlecht gefüllt zwischen Weimar und Jena, teils auch Erfurt und Weimar. Ausschließlich die Züge des RE1 (Göttingen - Glauchau) sind gut gefüllt. Und ob der wegfallende ICE der Linie 28 (München - Saaletal - Berlin - Hamburg/Binz) derart kompensiert werden muss, wie die Landesregierung versprochen hat, bezweifele ich, da in Jena/Saalfeld die Zu-/Aussteigerzahlen gering sind. Leider wird hier mehr als nötig gefördert, während der Verkehr zwischen Buttstädt - Großheringen komplett eingestellt wird. Daneben ist die fragliche Weiterförderung des Betriebs südlich von Ilmenau schon jetzt Gift. Denn wenn für manche unklar ist, ob bereits jetzt der Zugverkehr schon nicht mehr verkehrt, leert das die am Wochenende an sich gut gefüllten Züge bereits vor dem neuen Fahrplan. Seltsame Förderung von Verkehr und Umwelt einer rot-rot-grünen (?) Landesregierung.

10.02.2017 07:50 Amadäus 1

Wie will man den Fahrplan bewerten, wenn man den Fernverkehrsfahrplan nicht kennt. Ohne Kenntnis der Ankunftszeiten der Fernverkehrszūge ist es schlicht nicht möglich. Oder plante das Amt ins Blaue hinein. Transparenz geht anders.