Nach Bahnunfall in Zeulenroda-Triebes Ermittlungen in "alle Richtungen"

Nach dem Bahnunglück am Mittwochabend in Zeulenroda-Triebes ermitteln Polizei und Eisenbahn-Bundesamt "in alle Richtungen". Wie Marleen Wedel von der Landespolizeiinspektion Gera MDR THÜRINGEN sagte, werden dabei auch die Technik wie Schrankenanlage und der Fahrtenschreiber des Triebwagens untersucht.

Bahnunfall in Zeulenroda
Rettungskräfte an der Unfallstelle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei dem Unfall war am Mittwoch ein Kleinwagen an einem Bahnübergang von einer Regionalbahn erfasst und über 100 Meter mitgeschleift worden. Die beiden Insassen, eine 67-jährige Frau und ein zwölfjähriges Mädchen, wurden getötet. Die betroffene Bahnstrecke befindet sich in einem Wohngebiet.

Die Erfurter Bahn betreibt die Zugverbindung auf der Strecke. Nach ihren Angaben war der Zug zum Zeitpunkt des Unglücks mit 31 Reisenden besetzt. Verletzt worden sei niemand. Lokführer und Servicemitarbeiter gehe es "den Umständen entsprechend". Die beiden Mitarbeiter würden psychologisch betreut. Triebwagen und Fahrtenschreiber seien für die Untersuchungen dem Eisenbahn-Bundesamt überlassen worden.

Nach MDR-Informationen ist der Bahnübergang am Unglücksort mit einer so genannten Zug-gesteuerten Halbschranke abgesichert. Die Schranke wird automatisch durch ein Signal ausgelöst, wenn sich der Zug bis auf mehrere hundert Meter dem Bahnübergang nähert. Ob die Sicherung erfolgt ist, wird dem Lokführer mindestens einen Kilometer vor dem Übergang mit einem Streckensignal angezeigt. Bleibt das Signal aus, kann der Zug rechtzeitig abgebremst werden. Die Erfurter Bahn geht nach eigenen Angaben nach jetzigem Stand davon aus, dass die Schrankenanlage voll funktionstüchtig war.

Zehn Tote in zwei Jahren

In den vergangenen zwei Jahren gab es in Thüringen insgesamt elf Unfälle an beschrankten Bahnübergängen. Dabei kamen zehn Menschen zu Tode, sechs weitere wurden schwer verletzt. Allein im vergangenen Jahr gab es vier Tote.

  • 18.04.2017: Ein 19-Jähriger umfährt in Lohma im Kreis Altenburger Land eine Halbschranke, das Auto kollidiert mit einem Güterzug, es sterben der 19-Jährige sowie eine 17-Jährige und eine 49-Jährige Frau.
  • 11.01.2017: In Schmiedefeld kollidiert ein Auto mit der Rennsteigbahn - keine Verletzen.
  • 10.11.2016: An einem unbeschranktem Bahnübergang in Schmalkalden kollidiert ein Auto mit der Südthüringenbahn, die Fahrerin und ihre Kind werden leicht verletzt.
  • 21.10.2016: Unfall auf Bahnübergang in Ulla bei Weimar. Ein Pkw kollidiert mit der Berkaer Bahn, der 25-Jährige Fahrer musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
  • 26.08.2016: In Könitz bei Unterwellenborn fahren vier Jugendliche auf der gesperrter B281 an einer geschlossenen Halbschranke vorbei auf einen Bahnübergang. Der Wagen ollidiert mit der Erfurter Bahn, ein 18- und ein 19-Jähriger sterben, zwei Jugendliche im Alter von 16 und 19 Jahren überleben schwer verletzt.
  • 20.07.2016: Am Bahnübergang Bollstedt im Unstrut-Hainich-Kreis fährt eine 51-Jährige Frau frontal auf eine geschlossene Schranke zu und stößt mit einem Triebwagen der Deutschen Bahn zusammen. Die Frau und ihr fünfjähriger Sohn sterben, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben, dass die Frau vermutlich von der Sonne geblendet wurde und deshalb die Schranke nicht gesehen hatte.
  • 26.05.2016: Am unbeschrankten Bahnübergang in Steinach in Südthüringen stößt ein Pkw mit einem Shuttle der Südthüringenbahn zusammen, der 31-jährige Fahrer wird leicht verletzt und erleidet einen Schock, strittig ist, ob die Signalanlage funktioniert hat.
  • 15.04.2016: Im Suhler Ortsteil Struth wird ein 86-Jähriger Mann bei geschlossener Schranke von einem Zug erfasst und stirbt.
  • 18.11.2015: Im Landkreis Sömmerda kollidiert im Bereich des Bahnhofs Großrudestedt ein Lastwagen mit einem Güterzug. Der Ladearm des Lkw hatte sich in der Oberleitung verfangen. Der Fahrer blieb unverletzt, weil er rechtzeitig aus dem Fahrzeug gesprungen war.
  • 29.05.2015: Ein Bauzug erfasst ein Auto an einem Bahnübergang in Nordhausen. Der Autofahrer wird schwer verletzt, weil an dem Bahnübergang zu dem Zeitpunkt die Schranke außer Betrieb war. Ein Sicherungsposten hätte die Straße absperren müssen, das war aber nicht geschehen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 18.05.2017 | Fazit | 18:10 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2017, 20:05 Uhr

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3 Kommentare

20.05.2017 15:07 Klaus 3

Für die MDR-Redaktion... weil ich ortsansässig bin, die Gegebenheiten kenne und vielleicht sogar mehr Ahnung von der Bahn habe als Sie; sonst würden Sie ihre Fehlinformation auch eingestehen und nicht komisch nachfragen :/ - Ein- und Ausschaltpunkte bzw. Signalgeber, welche durchfahren werden sind an der Strecke erkennbar. Um weitere Fakten sollte sich aber die Polizei und die Eisenbahnuntersuchungsbehörde kümmern und diesen tragischen Unfall aufklären.

20.05.2017 13:45 Klaus 2

Die MDR-Informationen sind fast richtig. Durch den Zug wird das Signal für den BÜ ausgelöst - richtig. Dieser Einschaltpunkt für den BÜ befindet sich mehrere hundert Meter vor dem BÜ (in diesem Fall ca. 750m) - richtig. Ob die Sicherung erfolgt ist wird durch ein Signal mind. einen Kilometer vorher angezeigt - kann ja nicht funktionieren, wenn der Einschaltpunkt in diesem Fall unter einem Kilometer ist. Also falsch.
Lieber MDR... Bitte genauer recherchieren und keine Halbwahrheiten verbreiten. Danke.
[Anm.d.Red.: Hm, woher wissen Sie denn die Entfernung zwischen Einschaltpunkt und Bahnübergang?]

19.05.2017 08:56 Beton 1

"Betreiber der Strecke ist die Erfurter Bahn." - das ist falsch! Daher ist für die Funktionsfähigkeit der Schranke auch die DB Netz AG zuständig. (Die Erfurter Bahn befährt diese Strecke. So wie auch die Straßen auf denen wir fahren, dem Bund, dem Landkreis, der Kommune oder einem privaten Eigentümer gehören können.)