Ballstädt und andere Thüringer Orte Razzia und Festnahmen wegen des Kirmes-Überfalls

Sechs Tage nach dem brutalen Überfall von Rechtsextremen auf eine Kirmesfeier in Ballstädt im Kreis Gotha sind vier Männer festgenommen worden. Oberstaatsanwältin Anette Schmitt-ter Hell von der Staatsanwaltschaft Erfurt sagte am Sonnabend, die Verdächtigen seien 1975 oder später geboren. Ob gegen sie Haftbefehl beantragt werde, prüfe die Staatsanwaltschaft jetzt. Eine Entscheidung darüber sei nicht vor Sonntag zu erwarten.

Razzia begann am frühen Sonnabendmorgen

Zuvor hatte die Polizei Häuser und Wohnungen mutmaßlicher Täter durchsucht. Beamte der Bereitschaftspolizei und des Landeskriminalamts (LKA) betraten am frühen Sonnabendmorgen das "Gelbe Haus" in Ballstädt selbst, das von Neonazis gekauft worden war. Außerdem durchsuchten Ermittler vier Privatwohnungen. Oberstaatsanwältin Schmitt-ter Hell wollte keine Angaben machen, wo sich diese vier Wohnungen befinden. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN liegen sie in Südthüringen und im Raum Bad Langensalza. Bei der Razzia in Ballstädt waren Sprengstoff- und Drogensuchhunde im Einsatz. Ermittler trugen über Stunden Säcke aus dem Haus, selbst der Müll wurde auf der Suche nach Spuren durchwühlt.

Vermummte verprügelten Feiernde

Bei dem Überfall auf die Ballstädter Kirmesgesellschaft in der Nacht zum vergangenen Sonntag waren zehn Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Rund 15 Vermummte waren nach Mitternacht in den Gemeindesaal eingedrungen und hatten die Feiernden angegriffen. Die Täter wurden vom Thüringer Innenminister Jörg Geibert schon am Tag danach als Rechtsextreme bezeichnet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch und Raubes. Minister Geibert hatte am Freitag erklärt, es gebe vier Hauptverdächtige im Alter zwischen 25 und 33 Jahren. Unter ihnen seien eine Frau und ein vorbestrafter Rechtsextremist. Alle würden die Tat aber bestreiten. Ob einer oder mehrere dieser Verdächtigen unter den jetzt Festgenommenen sind, war zunächst nicht zu erfahren.

Woher hatten die Rechtsextremen das Geld für das "Gelbe Haus"?

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollte die aktuelle Razzia auch Hinweise für ein Verfahren gegen die gesamte Neonaziszene im Raum Gotha liefern. Seit knapp einem Jahr versucht das LKA Beweise zu sammeln, um ein Verfahren wegen der Bildung einer kriminellen oder terroristischen Vereinigung gegen die Szene in Gang zu bringen.

2012 hatten Rechtsextremisten die "Alte Bäckerei" in Ballstädt gekauft, die auch als "Gelbes Haus" bekannt ist. Bis heute konnte das LKA nicht klären, woher die Gruppe die finanziellen Mittel für den Kauf hatte. Zuvor hatten die Neonazis versucht, ein Haus in Crawinkel (Kreis Gotha) zu kaufen. Allerdings wurde die Kaufsumme von 110.000 Euro nie überwiesen. Die Immobilie in Crawinkel, wo zwei Jahre lang eine "Hausgemeinschaft Jonastal" lebte, steht seit einigen Wochen leer. Zwei ehemalige Bewohner des Gebäudes, die auch zur Ballstädter Gruppe gehören, haben seit Jahren Kontakte zur österreichischen Neonazikameradschaft "Objekt 21". Nach Razzien im Sommer 2013 in Crawinkel und Ballstädt wurden die zwei Rechtsextremisten an die österreichischen Behörden ausgeliefert. "Objekt 21" gilt als eine der gefährlichsten rechtsextremistischen Organisationen in Europa.

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2014, 21:22 Uhr

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12 Kommentare

16.02.2014 11:39 Die Verharmloser schleichen als Blumenfreunde daher. 12

Blumenfreunds scheinbar harmlos daherkommende Verleugnungen sind von A - Z nicht glaubwürdig. In einem Primitiv-Mlieu von vorsätzlichen Wegguckern konnte sich auch der NSU und der Th.Heimatschmutz entwickeln. Blumenfreund sollte sich von diesen Gewalttäter distanzieren, sonst muss jeder die NPD als geistige Brandstiftern und heimlichen Mittätern verurteilen. Tut er nicht, deshalb ist solches Zeug nich wählbar.

15.02.2014 19:35 Blumenfreund 11

Wieso sollten Rechtextremisten eine Kirmesfeier überfallen? Solche Brauchtumsfeste sind doch eher ein Hassobjekt der Linken.
Außerdem waren alle Täter vermummt. Trotzdem ist schon am nächsten Tag für Thüringens Innenminister Jörg Geibert der Fall klar. Er will Stimmung gegen Rechts machen. Es drängt sich schon stark der Verdacht auf, das das zurecht konstruiert ist. Den Nationalen schiebt man es wieder nur in die Schuhe.

15.02.2014 18:37 Dawa Zangpo 10

: Charlie, bin in den 60ern hier zur Schule gegangen. Mit Abschluss. Am Thema vorbei. Leider persönlich und frei von Toleranz.
Martin F. , ist bekannt. Ändert aber nichts an denFakten.
:Reiner Arndt, habe das Zitat ewig nicht mehr gehört. Manche Dinge ändern sich wohl zu langsam oder nie.

15.02.2014 16:51 Reiner Arndt 9

@1. DawaZangpo: Vor vielen Jahren las ich mal in einer Gerihctsreportage: "Geht es um die Verfolgung von Naziverbrechen, dann gleicht die bundesdeutsche Justiz einem Jagdhund, den man zur Jagd tragen muss." - Da scheint sich nicht viel geändert zu haben!

15.02.2014 16:09 Leipziger 8

"Die Täter wurden vom Thüringer Innenminister Jörg Geibert schon am Tag danach als Rechtsextreme bezeichnet. "
Die Täter waren vermummt und werden dennoch von Geibert als Rechtsextreme bezeichnet !
Komisch ist auch die Formulierung im MDR Videotext , wo von mutmaßlichen Rechtsextremen geschrieben wird !
Ein kleiner aber feiner Unterschied , der diesen zu verurteilenden Überfall zwar nicht besser macht aber dennoch sollte man doch nicht sofort los krakeelen ! Genaue Hintergründe des Auslösers , dieses Überfalls , lese ich jedenfalls noch nicht aus dem Bericht heraus !

15.02.2014 15:34 Wer Waffen hat, will auch schießen. 7

Wer Waffen kauft, legal oder illegal wie z.B. die Neo-Nazis, der will auch schießen. Wir brauchen keine rechtsradikalen Vorbereitungen zu einem Bürgerkrieg. Uns reichen schon die Untaten, die deutsche Nazis von 1933 - 1945 anrichteten, zur Genüge. Deutschland darf nicht nochmals in den braunen Schmutz gezogen werden. Der rechtsextreme Terror durch die NSU muss uns eine Lehre sein.

15.02.2014 14:48 normalo 6

Alles nur Vermutungen, vielleicht, mutmaßlich usw. bringt endlich Beweise. Was ist daran verboten, ein Haus zu kaufen, es zu beschmieren ist eine Straftat, genau so wie jemanden zu verprügeln, aber!! egal ob rechts oder links. Vor dem Gesetz sind alle gleich, das muss die einseitige Thüringer Presse noch lernen.

15.02.2014 13:33 Heinz Hoffmann 5

Mich interessiert, was das für Schmierereien an dem "braunen" Haus sind. Vor allem ist es interessant zu erfahren, wer diese Schmierereien angebracht hat.

15.02.2014 12:55 Martin F 4

@dawazangpo
In einem Rechtsstaat braucht man einen Beschluss des Gerichtes. Die Polizei kann nicht einfach so mal Wohnungen durchsuchen.

Erst denken, dann posten.

15.02.2014 12:36 Die Nazis unterstützen "Wolle" - einen der NSU-Verbrecher 3

Einer der Nutzer des Gelben Hauses ist der ehemalige NPD-Landtagskandidat Steffen R., ein enger Vertrauter des mutmaßlichen NSU-Unterstützers Ralf Wohlleben. Steffen R. gilt als Strippenzieher für die Solidaritätsarbeit der Thüringer Szene für ihren in München inhaftierten Kameraden.
Seit Jahren sind Neonazis in der Region auffällig - und sie gründen nicht nur in Ballstädt Treffpunkte. Manche bezogen bereits Ende 2011 ein Haus im knapp 30 km entfernten Dorf Crawinkel, dort firmieren sie als Hausgemeinschaft Jonastal. Die Namenswahl mag kein Zufall sein: HJ ist die Abkürzung - wie Hitlerjugend.
Ende August vergangenen Jahres durchsuchten Fahnder des Landeskriminalamts drei Objekte in Thüringen, darunter auch die Häuser in Ballstädt und Crawinkel. Sie beschlagnahmten mehrere Waffen, darunter ein Sturmgewehr und zwei Maschinenpistolen sowie geringfügige Mengen Drogen.