Tüten mit Katalögen und Image-Broschüren des Freistaates Thüringen, die mit asiatischen Schriftzeichen bedruckt sind, stehen nebeneinander
Thüringen soll bekannter werden, daher reisen immer wieder Delegationen aus dem Freistaat in ferne Länder wie Japan. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Wirtschaftsförderung Reise stärkt Thüringer Kontakte nach Japan

Am Samstag vor einer Woche starteten 40 Vertreter aus der Thüringer Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nach Tokio. Ziel der Reise: die eingeschlafenen Wirtschaftsbeziehungen zu Japan neu zu beleben. Nutzer von MDR THÜRINGEN kritisierten das Vorhaben, sprachen von "schönen Tagen auf Steuerzahlerkosten" sowie von einer "Vergnügungsreise, versehen mit einer Ausrede". Am Samstag kehrte die Delegation zurück. Zeit für eine Bilanz.

von Alexander Reißland

Tüten mit Katalögen und Image-Broschüren des Freistaates Thüringen, die mit asiatischen Schriftzeichen bedruckt sind, stehen nebeneinander
Thüringen soll bekannter werden, daher reisen immer wieder Delegationen aus dem Freistaat in ferne Länder wie Japan. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Einen neuen Millionen-Vertrag hat keiner der Unternehmer in der Tasche, als sie wieder auf deutschem Boden landen. Dennoch sind sich ausnahmslos alle Teilnehmer einig, dass diese Reise ein Erfolg war. Es galt Land und Leute kennen zu lernen, die Kultur besser zu verstehen - und vielleicht neue Geschäftspartner zu finden. Das ist gelungen.

Persönlicher Kontakt wichtig für japanische Geschäftspartner

Die Firma Layertec aus Mellingen beispielweise entwickelt und baut optische Komponenten für die Lasertechnik. Seit Jahren wächst das Unternehmen. Die Produkte werden weltweit verkauft. Doch während der Export in EU-Länder kontinuierlich um bis zu 15 Prozent jährlich wächst, bleibt das Japangeschäft hinter den Erwartungen zurück. Frank Wunderlich, Vertriebsleiter bei Layertec, wollte wissen, woran das liegt. Sein Fazit: Grund sei die unterschiedliche Wirtschaftskultur. Gerne kauften die Japaner ein gutes Produkt, wichtiger aber sei ihnen ein gut gepflegter, persönlicher Kontakt.

Das weiß auch Peggy Bärenklau, Geschäftsführerin der Heracle GmbH. Die Firma aus Jena produziert Glasfasern für die Medizin und die Industrie. Etwa zweimal im Jahr fährt sie nach Japan, um ihre Kundenkontakte zu pflegen. Die Wirtschaftsreise war da eine gute Gelegenheit, zumal sie so auch mit anderen Unternehmern aus Thüringen ins Gespräch kommen konnte.

Gefördert vom Freistaat

Eine Frau macht ein Foto von einer fast lebensgroßen Playmobil-Figur von Goethe vor der Deutschen Botschaft in Tokio
Hingucker: Ein Playmobil-Goethe begrüßte die Besucher in der deutschen Botschaft in Tokio. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Kostenfrei allerdings ist die von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) organisierte Reise nicht. Den Großteil der Reisekosten muss jeder Teilnehmer selbst tragen.

Der Rest, wie die Feier in der deutschen Botschaft zum Tag der Deutschen Einheit, kommt von der Außenwirtschaftsabteilung "Thüringen International" (TI) bei der LEG.  Deren Aktivitäten finanziert das Land jährlich mit rund zwei Millionen Euro. Dabei handelt es sich jeweils zur Hälfte um EU- und um Landesmittel. Ein verhältnismäßig kleiner Etat - bei einem Thüringer Haushaltsvolumen von insgesamt knapp zehn Milliarden Euro.

Außenwirtschaftsförderung wichtig.

Die Delegationsreisen sind zudem nur ein Teil der Außenwirtschaftsförderung. Aber ein wichtiger, denn rund 99 Prozent der hiesigen Unternehmen sind klein und mittelständig, so das Thüringer Wirtschaftsministerium. Meist haben diese Firmen weder die personellen noch finanziellen Möglichkeiten, ausländischer Märkte nachhaltig zu bearbeiten.

Ein Teil der Delegation des Freistaates Thüringen posiert nach der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der TU Ilmenau und der Denki Universität Tokio während einer Japan-Reise für ein Foto
Für's Album: Vertreter der TU Ilmenau und der Denki Universität Tokio haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Begleitet werden die Unternehmer zudem von Vertretern Thüringer Hochschulen. So auch in Japan. Von der Fachhochschule Schmalkalden bis zur Friedrich-Schiller-Universität Jena waren sechs Hochschulen dabei. So unterschrieb die TU Ilmenau Kooperationsverträge mit zwei Universitäten aus Tokio. Dabei ging es um einen Ausbau der Zusammenarbeit zum Beispiel im Bereich des Studentenaustauschs.

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena besuchte die japanische Raumfahrtbehörde JAXA. Seit Jahren besteht hier bereits eine gute Zusammenarbeit. Für die Japaner untersucht die FSU Jena Gesteinsproben aus dem All. Das machen die Jenaer Wissenschaftler so gut, dass diese Zusammenarbeit auch in Zukunft bestehen bleiben soll. Auch das wurde schriftlich in einer Kooperationsvereinbarung festgehalten.

Der Erfolg der Außenwirtschaftsstrategie lässt sich am kontinuierlichen Anstieg des Thüringer Exportvolumens ablesen, so das Wirtschaftsministerium. In der Industrie sei der Export inzwischen sogar Umsatztreiber.

Keine Reise zum Vergnügen

Bei insgesamt weit über 50 Terminen, die die Delegation in Japan absolvierte, kann kaum die Rede von einer "Vergnügungsreise" sein. Vielmehr ging es darum, Thüringen in der Ferne bekannter zu machen. Denn denken Japaner bislang an Deutschland, so fallen ihnen vor allem Weißwurst und Dirndl ein. Vielleicht denken sie beim nächsten Mal ja auch an Bratwurst und Klöße.

Gäste einer Feier in der Deutschen Botschaft in Tokio während einer Japan-Reise einer Thüringer Delegation
Gespräche im Garten der deutschen Botschaft sollen das Kennenlernen und die persönlichen Kontakte fördern - wie hier zum Tag der Deutschen Einheit. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2017, 16:23 Uhr

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7 Kommentare

09.10.2017 19:10 bunter Rheinländer 7

Das stimmt natürlich, dass Thüringen gegenwärtig die "linkeste Landesregierung in Deutschland" hat, ist sicher ein Problem. Für Thüringen.
In Düsseldorf freut man sich sicher.
Hoch lebe die linkeste Landesregierung der Republik!
Nordkorea brechen ja auch gerade die Handelspartner weg, vielleicht ein adäquater Partner?

P.S.: Wir haben aber auch die längste Theke der Welt - olalalala.... und den winzigsten Dom. LoL

09.10.2017 14:48 Rainer Knauf 6

Der Minister wir oben stehend dafür kritisiert, dass er diese Mission vorzeitig verließ. Hätte er das nicht getan, hätte man ihm sicher vorgeworfen, ihm seien die 178 Arbeitsplätze in Weimar nicht wichtig. So etwas nennt man Dilemma: Was auch immer er tut, es gibt immer Leute, die ihn dafür kritisieren.

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