Bosch-Logo und -Schriftzug an der Fassade der Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH
Seit 25 Jahren betreibt der Bosch-Konzern ein Werk am Wartenberg in Eisenach. Bildrechte: dpa

Jubiläum Bosch-Werk in Eisenach: Teamgeist und hohe Motivation

Die Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH feiert an diesem Wochenende das 25-jährige Bestehen des Werks auf dem Wartenberg - und damit eine Erfolgsgeschichte: Als verlängerte Werkbank mit 750 Mitarbeitern hatte Bosch 1992 in Eisenach begonnen. Mittlerweile hat es sich zu einem Sensorspezialisten mit weltweiter Leitwerkfunktion und knapp 2.000 Beschäftigten entwickelt.

von Ruth Breer

Bosch-Logo und -Schriftzug an der Fassade der Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH
Seit 25 Jahren betreibt der Bosch-Konzern ein Werk am Wartenberg in Eisenach. Bildrechte: dpa

Die Mitarbeiter des Bosch-Werks für Fahrzeugelektrik in Eisenach blicken optimistisch in die Zukunft Die besondere Kompetenz des Standorts in der Sensorfertigung sei auch bei Elektrofahrzeugen gefragt, sagte Geschäftsführer Andreas Fischer MDR THÜRINGEN. Der Autozulieferer feiert am Freitag das 25-jährige Bestehen des Werks, in dem knapp 2.000 Beschäftigte arbeiten.

Chance bei Bosch genutzt

Viele davon sind bereits von Anfang an dabei. Ein Sprung ins kalte Wasser sei es gewesen, eine emotional sehr spannende Zeit, erinnert sich Catrin Saft an ihren Start bei Bosch. Wie die meisten anderen hatte sie zuvor beim VEB Fahrzeugelektrik Ruhla (FER) gearbeitet, mit dem Bosch bereits im Sommer 1990 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet hatte.

Männer und Frauen, die bei Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach arbeiten, posieren anlässlich des Jubiläums zum 25-jährigen Bestehens des Werks für ein Foto.
Mitarbeiter der ersten Stunde: Sie sind von Anfang an dabei, haben beim Aufbau des Eisenacher Standortes mitgeholfen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Sie war 24 Jahre alt, Werkzeugmacherin mit Abitur, hatte Maschinenbau studiert und bei FER als Fertigungsplanerin gearbeitet. Ihre kleine Tochter war gerade ein Jahr alt. Da wurde sie am Freitag gefragt, ob sie ab Montag für mehrere Wochen zur Einarbeitung an den baden-württembergischen Bosch-Standort Bühl gehen würde - abgeordnet, wie das damals hieß. Ihre Aufgabe war, sich gemeinsam mit 20 anderen Frauen einzuarbeiten - und dann die Produktion nach Eisenach zu holen und im neuen Werk aufzubauen. Als Teamführerin. Catrin Saft hat zusagt und in der Ferne verpasst, wie ihre Tochter laufen lernte. Auch wenn sie als Studierte erstmal in die Produktion musste: Das war für sie "die Chance schlechthin". Sie habe große Erwartungen gehabt, und die hätten sich zum Glück erfüllt. Heute ist Saft Projektleiterin im Eisenacher Werk.

Abordnungen trafen auch andere. Olaf Hinkelthein, gelernter Werkzeugmacher, ging im Mai 1992 nach Feuerbach bei Stuttgart und erinnert sich, dass der Umgang mit den Kollegen dort "gewöhnungsbedürftig" war - die ostdeutschen Kollegen stießen auf Vorurteile. Nach einem halben Jahr kehrte er zurück in das neue Werk, mit dem Produkt, einem Leerlaufsteller. In der Produktion gab es an sich wenig Unterschiede, sagt er. Nur die neue Rolle als Teamleiter, das sei eine Herausforderung gewesen. Feuerbach, Bühl, Homburg, Ansbach - von diesen Bosch-Standorten wurden Erzeugnisse und Produktionslinien nach Eisenach abgegeben.

Von der Werkbank zum Leitwerk

Innerhalb von 25 Jahren entwickelte sich der Standort von der verlängerten Werkbank zum Sensorspezialisten. Für zwölf Standorte weltweit von Brasilien bis China hat Eisenach die Funktion eines Leitwerks: Auf dem Wartenberg werden einheitliche Qualitäts- und Fertigungsstandards gesetzt. Die Interessen der Bosch-Mitarbeiter vertritt bereits seit mehr als 25 Jahren Ralf Helbig. Auch er kam aus dem FER-Werkzeugbau.

Am Anfang sei "alles Neuland" gewesen, sagt Helbig. Es galt, sich in viele gesetzliche Regelungen einzuarbeiten, Betriebsvereinbarungen abzuschließen und, auch das musste gelernt werden, mit der Werksleitung auf Augenhöhe zu verhandeln. Die Erwartungen der Belegschaft waren hoch, erinnert sich Helbig. Immer wieder wurde die rasche Angleichung des Lohnniveaus an den Westen gefordert. Doch bald stand fest: So schnell wird das nicht gehen.

Im modernen Werk auf dem Wartenberg waren die Arbeitsbedingungen deutlich besser als zuvor, sagt Helbig. Aber es sei auch gleich ein anderer Leistungsdruck da gewesen. Heute genieße Bosch in der Region einen sehr guten Ruf, was Einkommen, Sozial- und Arbeitsbedingungen angeht, stellt der Betriebsratschef zufrieden fest.

Hohe Motivation und Teamgeist

Boschler zu sein - das gilt etwas in Eisenach. "Bosch ist eine Konstante", sagt Jürgen Lohfink, der vor 25 Jahren als einer der ersten Azubis im neuen Werk anfing und heute als Assistent der Werkleitung arbeitet. Als typisch für ihr Unternehmen nennen die langjährigen Mitarbeiter die hohe Motivation und den Teamgeist. Gerade in der Anfangszeit sei es allen darum gegangen, etwas Neues zu bewältigen und technisch einen Schritt vorwärts zu tun, sagt Dieter Scheuch von der Werkerhaltung. Montiererin Kerstin Rohrbach schätzt die Zuverlässigkeit der Kollegen: "Das Miteinander-Arbeiten ist top!".

Und auch um die Zukunft ist den Boschlern nicht bange. Sensoren werden auch in Elektrofahrzeugen gebraucht. Maschinenführer Carsten Möckel verweist auf die 48-Volt-Batterie, die im Musterbau in Eisenach entwickelt wird. Er ist nach eigenen Worten optimistisch, dass es gelingt, in Zukunft weiter mitzuspielen in der großen Liga der Elektromobilität.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19.05.2017 | 09:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 19.05.2017 | ab 18:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19.05.2017 | ab 1):00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 20:26 Uhr

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