AfD-Wahlparty in Erfurt
AfD-Anhänger feiern das Ergebnis der Prognose kurz nach 18 Uhr. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Thüringer AfD feiert Wahlergebnis "Den Altparteien wird der Marsch geblasen"

Die AfD zieht als drittstärkste Kraft in den deutschen Bundestag ein. In Thüringen ist sie sogar auf Platz zwei hinter der CDU. Der Landesverband feierte in Erfurt - und schickte eigene Beobachter in die Wahllokale.

AfD-Wahlparty in Erfurt
AfD-Anhänger feiern das Ergebnis der Prognose kurz nach 18 Uhr. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Das Eintreffen von Björn Höcke und Stefan Möller unterbricht zum ersten Mal die gesetzte Atmosphäre im Saal des "DasDie Brettl". Einige der AfD-Anhänger klatschen Beifall, als die beiden Landessprecher der Alternative den Saal betreten. Ansonsten ist es recht überschaubar eine halbe Stunde vor dem 18-Uhr-Gong, wenn traditionell die Prognose zur Bundestagswahl bekanntgegeben wird. Corinna Herold, Landtagsabgeordnete der AfD und Rednerin des Abends, hat dafür eine Erklärung: Viele AfD-Mitglieder seien thüringenweit als Beobachter in den Wahllokalen unterwegs. Damit auch alles seinen rechtmäßigen Gang geht.

Motto des Abends: "Wind of Change"

AfD-Wahlparty in Erfurt
Der Saal während der AfD-Party: Viele Mitglieder waren als "Wahlbeobachter" im Einsatz. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Die bloße Anwesenheit der Wahlbeobachter, so Herold, löse Nervosität aus. "So muss es sein", sagt die Rednerin, und schiebt nach: "Wir haben aus der Landtagswahl gelernt", und "wir Ossis kennen das alle noch". Dann erklingt das selbstgewählte AfD-Motto des Abends: "Wind of Change" - und das legendäre Ohrwurm-Pfeifen der "Scorpions" erklingt im Saal des "DasDie", während Landeschef Björn Höcke vorne auf der Bühne leicht mitswingt. Höcke sagt später, er habe nie behauptet, dass es eine gesteuerte Manipulation gegen die AfD gegeben habe, wohl aber der Versuch in dem einen oder anderen Wahllokal. Deshalb die Wahlbeobachter.

Dann richtet Spitzenkandidat Stephan Brandner noch ein paar Worte an die Gäste, ehe es zur Prognose erstmals laut im Saal wird. Hämisches Gelächter, als die Balken für die CDU und später für die SPD aufploppen. Tosender Beifall, als das AfD-Ergebnis erscheint: deutlich über 13 Prozent, wobei sich Brandner zuvor ("wir nähern uns 15 Prozent") und vielleicht auch der ein oder andere AfD-Anhänger noch ein paar Prozentpunkte mehr erhofft hatte. Der trunkenen Glückseligkeit tut das erst einmal keinen Abbruch. Nur einmal gibt es laute Buh-Rufe, als Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow auf der TV-Leinwand während eines Interviews auftaucht.

Kein Mucks bei Petry

Später erscheint auch noch Frauke Petry auf der Videoleinwand - die Parteivorsitzende der AfD und dem gemäßigter auftretenden Lager innerhalb der Partei zuzurechnen. Im Machtkampf um die Parteispitze steht sie bekanntermaßen dem völkisch-nationalen Flügel gegenüber, zu dem auch ein Großteil des Thüringer Landesverbands um deren Chef Björn Höcke zählt. Im Saal des "DasDie" regt sich kein Mucks. Weder Beifall noch Ablehnung - Gleichgültigkeit gegenüber der AfD-Chefin.

AfD-Wahlparty in Erfurt
Höcke und Brandner kurz vor der Prognose. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Dann dürfen Spitzenkandidat Brandner und Jürgen Pohl, der Zweite auf der Landesliste, nach vorne ans Mikro. Pohl erklärt, dass bei Wahlfeiern der AfD keine Deutschlandfahnen von der Bühne getragen würden, wie einst bei Merkel. Außerdem sei nicht die AfD Wahlgewinner, sondern das deutsche Volk, das sich ein Stück Deutschland wiedergeholt habe. Brandner spricht von Hass und Hetze, die der AfD im Wahlkampf entgegengetreten seien - von den Altparteien, den "Antifanten" und vor allem den Medien: "Es war zum Kotzen, was die Presse und die Öffentlichkeit, gerade das Staatsfernsehen, mit uns getrieben haben", raunt Brandner. Mehrmals fällt das Wort "erbärmlich". Einen Ausblick auf die Oppositionsarbeit der AfD im Bundestag gibt er gleich mit: "Ab Dienstag wird der Fuchtel im Kanzleramt und den Altparteien so richtig der Marsch geblasen". Und: Den Altparteien werde es an den Kragen gehen und sie würden von der AfD hergetrieben werden - so wie das in Thüringen seit drei Jahren der Fall sei.

Höcke dankt "Pegida"

Zum Schluss steht noch einmal der AfD-Landeschef auf der Bühne. "Was für ein Abend", sagt Höcke. Er spricht von der nationalen Souveränität innerhalb der EU, den EU-Finanzhilfen und der Flüchtlingskrise, die die AfD von anderen Parteien unterscheide. Und er lobt die zivilgesellschaftlichen Kräfte, vor allem in Sachsen, für deren Unterstützung. "Einen herzlichen Dank an 'Pegida' Dresden." - "Der Geist ist aus der Flasche" - "der gute Geist", sagt Höcke. Dann erklingt "We are the Champions".

Derweil sind die ersten AfD-Wahlbeobachter auf der Party eingetroffen, verkündet Rednerin Herold. Einer im Saal heißt Bernd. "Ob alles gut ist?", fragt Herold. "Alles bestens", sagt Bernd.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 06:16 Uhr

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14 Kommentare

25.09.2017 22:45 Plautzebumm (2) 14

... Aber was kommt nun stattdessen? Es werden sich völlig dämliche, blödsinnige Namen für irgendwelche Koalitionen ausgedacht, um das Volk zu bespaßen und um von den eigentlichen Problemen abzulenken! Jamaika-Koalition! Was soll das sein??? Sind dann alle bekifft und saufen nur noch Rum??? Wenn das so ist, dann hatten wir vor der Wahl auch schon eine Jamaika-Koalition!!!

25.09.2017 22:40 Plautzebumm (1) 13

Tja, nun ist es leider vorbei mit der ruhigen Gemütlichkeit und der trauten Einheitlichheit im Bundestag!!! Ich hoffe, dass jetzt endlich mal etwas Bewegung in diesen lahmarschigen Zirkus kommt. Da nützt es jetzt auch nichts, wenn der ehemalige Einheitsparteienbrei mit großen Krokodilstränen rumflennt, wie es nur dazu kommen konnte, dass die AfD in den Bundestag einzieht. War ja nun wirklich nicht vorauszusehen, oder? So, nun sind sie aber da! Und wenn die etablierten Parteien überhaupt noch irgendein Interesse haben, das Vertrauen des Volkes zurückzugewinnen und zu zeigen, dass sie vielleicht doch noch etwas für das Volk machen können oder vielleicht sogar auch möchten(!?), dann müssen sie endlich ihren Ar... bewegen! Kein leeres Politikergequatsche mehr! Und vor allem möglichst zeitnah eine ordentlich arbeitende Regierung zusammenstellen! Und nicht wieder dieses ewige Postengeschacher! ...

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