Drei Wahplakate von CDU, FDP und Bündnis90/Die Grünen nebeneinander auf einer Wiese.
Finden die drei Parteien zusammen? Bildrechte: Rüdiger Wölk

Koalitionen nach der Bundestagswahl Thüringer CDU, FDP und Grüne sehen "Jamaika" skeptisch

Nach der Wahl zum Bundestag sind rechnerisch nur zwei Konstellationen möglich: Da die SPD nicht wieder in eine große Koalition gehen will, bleibt nur Jamaika. Doch die betroffenen Parteien können sich dafür wenig begeistern.

Drei Wahplakate von CDU, FDP und Bündnis90/Die Grünen nebeneinander auf einer Wiese.
Finden die drei Parteien zusammen? Bildrechte: Rüdiger Wölk

Eine sogenannte Jamaika-Koalition stößt bei CDU, FDP und Grünen in Thüringen einen Tag nach der Wahl auf wenig Gegenliebe. Justizminister Dieter Lauinger von den Grünen sagte, "mit einer CDU mit Frau Merkel wäre man zusammengekommen". Aber mit der CSU werde es sehr schwierig. Ähnlich äußerten sich Fraktionschef Dirk Adams und Umweltministerin Anja Siegesmund. Gegen eine Koalition mit CDU/CSU und FDP gebe es in der Partei viele Vorbehalte, sagte Siegesmund. "Es prallen Welten aufeinander."

Grüne wollen zeitnah beraten

Astrid Rothe-Beinlich
Astrid Rothe-Beinlich kritisiert die SPD für ihre schnelle Koalitionsabsage. Bildrechte: MDR/Holger John

Auf einem kleinen Parteitag wollen sich die Grünen im Bund am kommenden Wochenende damit befassen, ob und unter welchen Voraussetzungen Sondierungsgespräche mit Union und FDP möglich sind. Die Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling hält "Jamaika" zwar für möglich, wenn auch für nicht sehr wahrscheinlich. Die Grünen-Abgeordnete und Geschäftsführerin ihrer Fraktion, Astrid Rothe-Beinlich, will in der Koalitionsfrage die SPD nicht so leicht aus der Verantwortung stehlen lassen. "Ein bisschen Verantwortungsgefühl gehört bei allen Demokraten zum guten Stil", sagte sie mit Blick auf die Ankündigung der Sozialdemokraten, in die Opposition gehen zu wollen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider bekräftigte am Montag die Absage an eine Große Koalition. Auch bei einem Scheitern von Verhandlungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen gebe es keinen Weg für ein schwarz-rotes Bündnis, so Schneider.

Mohring zweifelt

Nicht gerade begeistert ist auch Thüringens CDU-Vorsitzender Mike Mohring. "Ich zweifle, ob 'Jamaika' die richtige Antwort auf die Frage gibt, die die Menschen gerade umtreibt", sagte er. Am Ende komme es aber auf die staatspolitische Verantwortung an. Angesichts der schwachen Ergebnisse der SPD könne er außerdem nachvollziehen, dass sich die Sozialdemokraten lieber aus der Verantwortung stehlen und Opposition machen wollten. Sollte Jamaika mit CDU, CSU, FDP und Grünen nicht funktionieren, werde die SPD an den Verhandlungstisch zurückkehren müssen. Eine mögliche Neuwahl des Bundestags bezeichnete Mohring als "verantwortungslos für alle Parteien in Deutschland".

Die Thüringer FDP feierte am Samstag den Wiedereinzug der Liberalen in den Berliner Bundestag. Der Landesvorsitzende Thomas Kemmerich sagte, das Ergebnis habe seine Erwartungen übertroffen. Eine Koalition im Bund mit Union und Grünen könne er sich jedoch nur schwer vorstellen. "Mir fehlt dazu tatsächlich die Fantasie."

Bundestagswahl 2017 Was die Thüringer zum Wahlergebnis sagen

CDU und AfD sind in Thüringen die stärksten Parteien bei der Bundestagswahl 2017. Was sagen die Thüringer zum Wahlergebnis? Wir haben in Eisenach und Weimar nachgefragt.

Ottmar Schäfer
Für Ottmar Schäfer ist es eine Katastrophe, dass die AfD mit so einer Deutlichkeit in den Bundestag kommt. "Damit haben die alteingesessenen Parteien die Aufgabe, die Demokratie hoch zu halten. Es ist bezeichnend für die SPD, dass sie sich auch der Verantwortung stiehlt. Es ist bedenklich, dass die CSU dermaßen abgestraft wurde von den eigenen Leuten. Das ist mehr als ein Fingerzeig an den Vorsitzenden. Der CSU-Chef sollte mal die Jüngeren machen lassen." Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Ottmar Schäfer
Für Ottmar Schäfer ist es eine Katastrophe, dass die AfD mit so einer Deutlichkeit in den Bundestag kommt. "Damit haben die alteingesessenen Parteien die Aufgabe, die Demokratie hoch zu halten. Es ist bezeichnend für die SPD, dass sie sich auch der Verantwortung stiehlt. Es ist bedenklich, dass die CSU dermaßen abgestraft wurde von den eigenen Leuten. Das ist mehr als ein Fingerzeig an den Vorsitzenden. Der CSU-Chef sollte mal die Jüngeren machen lassen." Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Brigitte und Christian Hentschel
Brigitte und Christian Hentschel sagen: "Wir sind geschockt über das AfD-Ergebnis. Man darf gar nicht sagen, dass man aus Thüringen ist. Es ist beschämend." Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Heiko Kleff
Heiko Kleff findet es übertrieben, die AfD so hochgejubelt wird. "Der CDU fällt ihre Politik auf die Füße. Man muss aber auch daran denken, dass 87 Prozent der Wähler demokratisch gewählt haben." Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
eine Frau in einer blauen Jacke steht vor einem Plattenbau und lächelt
Eine Einwohnerin aus Gera-Lusan sagt: “Ich bin sehr zwiegespalten, was das Ergebnis angeht. Wir müssen jetzt einfach mal abwarten. In Sachen Rente müsste sich schon Einiges tun….ich bin schon überrascht, wie die Wahl ausgegangen ist - aber es war auch abzusehen, dass die CDU so verliert. Weil da in der Vergangenheit viele Sachen gelaufen sind, die nicht hätten sein dürfen.” Bildrechte: MDR/Anne Eichhorn/Julia Gröbel
Basheer Al-Ali
Basheer Al-Ali (23) kommt aus Syrien und ist seit zwei Jahren in Deutschland. Wichtiger als das Wahlergebnis ist ihm, bald eine Arbeit als anästhesietechnischer Assistent zu finden und weiter Deutsch zu lernen. Er betont, dass es zu Problemen führt, wenn sich Menschen nicht integrieren.

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Brigitte Backhaus
Brigitte Backhaus (65) ist Rentnerin und hat auf den Sieg der CDU/CSU getippt. Sie freut sich, dass Frau Merkel im schon so lange durchhält und auch künftig im Amt bleibt: "Das Ergebnis ist sehr gut für mich." Bildrechte: MDR/Florian Engelmann
Darius Riemann
Für Darius Riemann (16) war klar, dass die CDU gewinnt. Der Stimmverlust der großen Parteien macht deutlich, dass "die Leute mit der Politik nicht zufrieden sind." Er hätte selbst gerne auch schon gewählt. Bildrechte: MDR/Florian Engelmann
Jörg Kindermann
Jörg Kindermann (43) findet das Wahlergebnis "furchtbar" und "wirklich erschreckend". Der Berufsschullehrer aus Jena macht für das Abschneiden der AfD "vorgeschobene Ängste" verantwortlich, die für ihn nicht nachvollziehbar sind. Bildrechte: MDR/Florian Engelmann
Susanne Mörstedt
Susanne Mörstedt (48) ist "leider nicht überrascht" über das Wahlergebnis. Das Abschneiden der AfD findet sie "bitter" und ordnet sie als Protestwahl ein. Das Bestreben der SPD in die Opposition zu gehen bezeichnet sie als "feige" und "Verrat am Wähler". Bildrechte: MDR/Florian Engelmann
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Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 20:05 Uhr

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10 Kommentare

26.09.2017 15:42 Steuerzahler 10

@6: Sie irren. Natürlich kann jeder Minister jederzeit vom Kanzler entlassen werden. Gucken Sie mal ins Grundgesetz und nicht ins Wahlprogramm der SPD. Herr Schulz hat am Abend der Wahl die Zusamnenarbeit sofort für beendet erklärt und jetzt wird nicht Wort gehalten. Diese SPD hat weniger als 10% verdient - daran können auch Sie mit ihren falschen Erklärungsversuchen nichts ändern.

26.09.2017 15:35 Steuerzahler 9

@7: Klar - und wenn jetzt noch die FDP und DIE GRÜNEN und die CDU dem tollen Beispiel der SPD folgen ist das Land unregierbar. Sie haben ihr Statement wirklich sauber durchdacht. Hätten Sie wenigstens vorgeschlagen das die SPD an R2GF arbeiten sollte hätte ich ihren Ansatz nachvollzogen - so ist ihre Äußerung nur als NEIN-Äusserung eines AfD-Wählers zu verstehen.

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