Reaktionen auf Bundestagswahl Die Thüringer AfD feiert ihren Sieg

Die AfD ist bei der Bundestagswahl in Thüringen zweitstärkste Kraft geworden und kann mehrere Bundestagsabgeordnete nach Berlin schicken. Entsprechend euphorisch fällt die Reaktion der AfD-Vertreter aus.

Die Thüringer AfD jubelt über das Abschneiden der Partei bei der Bundestagswahl. Der Thüringer Spitzenkandidat Stephan Brandner sagte bei einer Wahlparty in Erfurt, der Kampf habe sich gelohnt. Ab Dienstag werde es allen "Altparteien" politisch an den Kragen gehen. Schwere Vorwürfe erhob Brandner gegenüber den Medien. Er nannte ihre Rolle im Vorfeld der Wahl "erbärmlich". Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge kommt die AfD bundesweit auf 12,6 Prozent der Stimmen. In Thüringen ist sie zweitstärkste Kraft hinter der CDU mit einem Ergebnis von 22,7 Prozent.

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sprach von einem historischen Tag und einem Riesenerfolg für die AfD. Erstmals ziehe eine wirkliche bürgerlich-patriotische Opposition ein. Dieser Erfolg zeige, dass die AfD das Vertrauen breiter bürgerlicher Schichten genieße. Im Osten sei die AfD bereits Volkspartei, so Höcke. Er bedankte sich außerdem bei der Pegida-Bewegung für deren Unterstützung im Wahlkampf. Und er kündigte an, dass die AfD bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen stärkste Kraft werden will.

Bundestagswahl Zwischen Katzenjammer und Sekt: Wahlpartys in Bildern

Betretene Mienen bei SPD und CDU, Freude über das "Doch-nicht-so-schlimm"-Abschneiden bei den Grünen und Sekttrinken bei der AfD: Momente bei den Wahlpartys der Parteien in Thüringen nach der Bundestagswahl.

Wahlparty der AfD in Erfurt mit den Landtagsangeordneten Stephan Brandner (links), Corinna Herold und Björn Höcke.
Die AfD-Landtagsabgeordneten Stephan Brandner (links), Corinna Herold und Björn Höcke stoßen in Erfurt mit Sekt auf das Bundestagswahlergebnis an. Der Landesverband kann mit mehreren Mandaten im Bundestag rechnen. Sicher drin ist Brandner, der auf Platz 1 der Landesliste steht. Bildrechte: MDR/Sascha Richter
Wahlparty der AfD in Erfurt mit den Landtagsangeordneten Stephan Brandner (links), Corinna Herold und Björn Höcke.
Die AfD-Landtagsabgeordneten Stephan Brandner (links), Corinna Herold und Björn Höcke stoßen in Erfurt mit Sekt auf das Bundestagswahlergebnis an. Der Landesverband kann mit mehreren Mandaten im Bundestag rechnen. Sicher drin ist Brandner, der auf Platz 1 der Landesliste steht. Bildrechte: MDR/Sascha Richter
CDU-Spitzenkandidat Manfred Grund bei einer Wahlparty in Nordhausen
Dem Eichsfelder CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Grund steht die Enttäuschung über die Verluste der Union ins Gesicht geschrieben. Das Foto entstand bei einer Wahlparty in Nordhausen. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
SPD-Wahlparty in Erfurt
Gedrückte Stimmung bei der SPD-Wahlparty in Erfurt. In der Mitte Carsten Schneider (mit verschränkten Armen), der seine Partei schon bisher im Bundestag vertrat. Bildrechte: MDR/Stefanie Magiera
Bei der Wahlparty der Grünen in Erfurt.
Die Grünen - hier bei der Wahlparty in Erfurt - freuen sich über das bundesweite Abschneiden der Partei, die mit knapp zehn Prozent rechnen kann. Allerdings schneidet die Partei in Thüringen deutlich schlechter ab. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann
Thomas L. Kemmerich und Katja Grosch
FDP-Wahlparty in Erfurt mit den Bundestagskandidaten Katja Grosch (im grauen Kleid) und Thomas Kemmerich. Letzterer dürfte die Thüringer Liberalen künftig im Bundestag vertreten. Bildrechte: MDR/Sina Reeder
Wahlparty der Partei Die Linke mit der Bundestagsabgeoirdneten Martina Renner (unten rechts).
Wahlparty der Partei Die Linke mit der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (unten rechts): Die Partei kann ihr bundesweites Ergebnis von 2013 vermutlich halten. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa
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SPD sagt Nein zu einer neuen Koalition mit der Union

Thüringer Sozialdemokraten stehen hinter dem Nein der Bundesspitze zu neuerlichen Koalitionsverhandlungen mit der Union nach der Bundestagswahl. Landeschef Andreas Bausewein nannte das Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl "niederschmetternd". Die SPD sei in den letzten Wochen nicht glaubwürdig gewesen. Den angekündigten Gang in die Opposition begrüßte Bausewein deshalb. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sagte bei MDR Aktuell: "Ganz strikt: Es sollte keine Koalitionsverhandlungen geben." Die SPD sollte allenfalls einen Kaffee mit CDU-Chefin Angela Merkel trinken und klären, was in den vergangenen vier Jahren schiefgelaufen ist. Auch die Erfurter SPD erklärte, wer mit dem Anspruch auftrete, den Kanzler zu stellen, könne sich nach der Wahl nicht zum Steigbügelhalter der Union machen.

Ramelow: Habe mit einem solchen Ausgang gerechnet

Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken sagte, er habe mit einem solchen Wahlergebnis gerechnet. Nun müsse man damit umgehen, dass sieben Parteien im Bundestag vertreten sind. Ramelow meint CDU und CSU, die SPD, die Grünen, die Linken, die AfD und die FDP. Den starken Zuwachs der AfD bezeichnete Ramelow als besorgniserregend.

CDU sieht Auftrag zur Regierungsbildung

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Grund aus dem Eichsfeld sagte MDR THÜRINGEN, es sei das "erwartbar schwierige Ergebnis." Die Regierungsparteien hätten deutlich Federn gelassen. Der Protest, der spürbar gewesen sei beim Straßenwahlkampf und bei Veranstaltungen, habe mit der AfD auch eine Plattform gefunden im Bundestag. Prozente sagten aber noch nichts über die Sitzverteilung. Die Union habe jedenfalls einen Auftrag zur Regierungsbildung. Auch Thüringens CDU-Chef Mike Mohring sprach von einem "deutlichen Regierungsauftrag" für seine Partei.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, die aus Thüringen stammt, sagte im ZDF zu Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition mit SPD und FDP: "Das werden schwierige Gespräche und wir sind kein einfacher Partner." Grünen-Landeschef Rainer Wernicke zeigte sich "erschrocken und erleichtert" über den Wahlausgang. Das Abschneiden der AfD halte er für eine "Katastrophe". Alle demokratischen Parteien müssten nun klare Kante gegen die AfD zeigen. Mit dem Ergebnis der eigenen Partei zeigte sich Wernicke zufrieden.

Thüringens FDP-Spitzenkandidat Thomas Kemmerich zeigte sich zufrieden mit dem Wiedereinzug der Liberalen in den Bundestag und mit dem Abschneiden der Partei in Thüringen. Das Ergebnis habe seine Erwartungen übertroffen. Eine Koalition im Bund mit Union und Grünen könne er sich jedoch nur schwer vorstellen. "Mir fehlt dazu heute Abend tatsächlich die Fantasie." Kemmerich, der vermutlich in den Bundestag einzieht, kündigte an, nächstes großes Ziel seiner Partei sei es, das "rot-rot-grüne Experiment in Thüringen zu beenden."

Wahlbeteiligung in Thüringer Wahlkreisen

Altenburger Land77 Altenburger LandZweitstimmeStand: 117 von 117 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 72,1 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige28,916,112,327,52,37,65,3Greiz76 GreizZweitstimmeStand: 182 von 182 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 76,0 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige30,215,711,325,62,88,65,8Saale-Orla-Kreis75 Saale-Orla-KreisZweitstimmeStand: 172 von 172 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 75,2 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige28,516,512,226,52,77,26,3Saale-Holzland-Kreis74 Saale-Holzland-KreisZweitstimmeStand: 173 von 173 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 76,9 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige30,016,911,723,53,38,56,2Saalfeld-Rudolstadt73 Saalfeld-RudolstadtZweitstimmeStand: 169 von 169 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 73,5 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige26,416,412,227,03,17,67,4Sonneberg72 SonnebergZweitstimmeStand: 92 von 92 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 70,8 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige29,716,113,325,62,86,65,8Weimarer Land71 Weimarer LandZweitstimmeStand: 156 von 156 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 76,4 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige31,314,411,623,73,68,56,9Ilm-Kreis70 Ilm-KreisZweitstimmeStand: 137 von 137 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 76,1 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige26,815,913,425,04,17,87,0Hildburghausen69 HildburghausenZweitstimmeStand: 116 von 116 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 73,6 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige30,116,113,125,22,96,36,3Sömmerda68 SömmerdaZweitstimmeStand: 113 von 113 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 73,5 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige29,816,311,924,22,97,77,1Gotha67 GothaZweitstimmeStand: 161 von 161 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 73,5 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige28,715,514,523,23,47,67,1Schmalkalden-Meiningen66 Schmalkalden-MeiningenZweitstimmeStand: 171 von 171 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 73,1 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige32,015,914,021,63,66,86,1Kyffhäuserkreis65 KyffhäuserkreisZweitstimmeStand: 122 von 122 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 71,7 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige26,018,614,625,02,47,26,2Unstrut-Hainich-Kreis64 Unstrut-Hainich-KreisZweitstimmeStand: 129 von 129 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 71,7 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige30,614,914,423,23,27,85,8Wartburgkreis63 WartburgkreisZweitstimmeStand: 184 von 184 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 74,8 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige31,115,414,322,53,36,66,9Nordhausen62 NordhausenZweitstimmeStand: 118 von 118 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 70,0 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige28,017,516,521,13,57,16,2Eichsfeld61 EichsfeldZweitstimmeStand: 154 von 154 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 76,8 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige43,99,211,318,23,38,55,7Eisenach56 EisenachZweitstimmeStand: 48 von 48 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 73,0 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige25,318,115,019,04,87,610,2Weimar55 WeimarZweitstimmeStand: 71 von 71 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 75,9 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige25,719,313,816,19,98,56,8Suhl54 SuhlZweitstimmeStand: 34 von 34 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 71,7 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige25,723,313,219,93,77,66,5Jena53 JenaZweitstimmeStand: 102 von 102 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 79,9 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige23,022,813,514,410,29,56,7Gera52 GeraZweitstimmeStand: 88 von 88 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 72,1 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige22,620,710,528,53,08,36,3Erfurt51 ErfurtZweitstimmeStand: 181 von 181 WahlbezirkenWahlbeteiligung: 75,6 %in %CDUDIE LINKESPDAfDGRÜNEFDPsonstige25,219,614,418,57,08,66,7unter 72 %72 % bis unter 74 %74 % bis unter 76 %76 % und mehr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 16:18 Uhr

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24 Kommentare

27.09.2017 11:31 Rademacher 24

Dass die AfD sich in Anbetracht ihrer widerlichen Parolen und ständigen Beschimpfungen als "bürgerlich" bezeichnet, ist der Witz des Monats. Die AfD ist auch nicht patriotisch, sondern sie gibt sich dem puren Nationalismus hin.

26.09.2017 15:47 Andi 23

@andre

Umso bemerkenswerter ist es dann doch das eine linke Thüringer Regierung das nicht hinbekommt, stattdessen beschäftigt man sich mit einer Gebietsreform... die man dann auch noch auf teufel komm raus in dieser Legislaturperiode durchboxen will
Ist wahnsinnig wichtig!

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