Sechs Männer lehnen am Auto
Seit 31 Jahren covert die Band ROSA rockige Klassiker. Bildrechte: Jana Münkel/MDR

ROSA Coverband-Urgesteine

Die Jenaer Band ROSA rockt: Sie covert schon seit 31 Jahren was das Zeug hält und gehört damit zu den ältesten Coverbands in Thüringen. Inzwischen schickt so manche Oma, einst Fan der ersten Stunde, ihre Enkel zu ROSA-Konzerten. Die sechs Musiker sind in Thüringen zu Hause, treten aber in ganz Europa auf. MDR THÜRINGEN hat ROSA bei einer Probe im selbstgebauten Kellerstudio besucht.

von Jana Münkel

Sechs Männer lehnen am Auto
Seit 31 Jahren covert die Band ROSA rockige Klassiker. Bildrechte: Jana Münkel/MDR

Der erste eigene Bandbus war ein alter DDR-LO. Da, wo andere Autos hinten Fenster haben, hatten die Jenaer Musiker in riesigen weißen Lettern den Bandnamen auf das ehemalige Bäckerfahrzeug gepinselt: ROSA. Das war 1986, und die Freunde waren froh, überhaupt ein Transportmittel zu ergattern. Wenn die Band auf Tour ging, war Puzzeln angesagt: Technik, Instrumente und Musiker, alles musste mit in den Bus. Der Gitarrist Benno Singer erzählt schmunzelnd, wie das aussah: "Vorne haben ein paar von uns gesessen. Hinten war zwischen Decke und Technik vielleicht ein Meter Platz und da haben wir Musiker dann draufgelegen. So sind wir zur Mugge gefahren."

Bandbusse von Rosa - früher und heute

Früher ging es mit dem alten LO auf Tour, heute ist ROSA mit dem Mercedes-Bandbus unterwegs. Das Kennzeichen steht für die Gründung im August '86. Den Cursor nach rechts und links ziehen!

Ein alter DDR-Bus mit der Aufschrift ROSA
Mit diesem alten LO ging es vor 31 Jahren auf Tour. Bildrechte: Peter Lindner/MDR
Ein alter DDR-Bus mit der Aufschrift ROSA
Mit diesem alten LO ging es vor 31 Jahren auf Tour. Bildrechte: Peter Lindner/MDR
Sechs Männer lehnen am Auto
Einige Bandbusse später lehnen die Musiker lässig an ihrem Mercedes. Das Kennzeichen steht für den Bandnamen ROSA und die Gründung im August 1986. Bildrechte: Jana Münkel/MDR
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Mit "Muggen", also Auftritten, verdienen die sechs Musiker der Coverband ROSA mittlerweile seit 31 Jahren ihre Brötchen. Heute, mindestens fünf Bandbusse später (die Musiker haben inzwischen mit dem Zählen aufgehört), steht ein schwarzer Kleinbus in einer Einfahrt im Jenaer Osten. Auf dem Kühler prangt das Markenzeichen der Band: Der ROSA-Schriftzug in grellem Pink. Heute muss niemand mehr bäuchlings auf der Technik mitfahren. "Im Bandbus sitzen die Musiker, für die Technik haben wir einen LKW", erzählt Keyboarder Peter Lindner.

"Wir sind nicht alt, wir sind Klassiker"

ROSA covert vor allem rockige Musik, am liebsten Titel von den Stones oder Jimi Hendrix. Mit denen sind sie schließlich groß geworden, sagt Gitarrist Benno: "Das Zeug haben wir eingeatmet, das liegt uns im Blut." Doch auch Songs aus den Charts stehen auf dem Programm, denn das Publikum erwartet von einer Coverband auch aktuelle Musik. Jedes Wochenende tritt ROSA woanders auf. Dabei reizt die Band die Vielfalt: Ob Stadtfest, Kongress oder Privatparty – die Musiker sind eingespielt und haben für jedes Konzert das richtige Gespür. Die Stimmung bei den Proben ist familiär. Kein Wunder: Die Bandmitglieder kennen sich aus Jugendtagen und rufen sich gegenseitig nur bei ihren Spitznamen. Der gitarrenverrückte Benno lernte den Bassisten Thomas, den alle Hubaz nennen, mit 15 beim illegalen Bildchen-Verkaufen in Jena kennen. Der Keyboarder Peter Lindner hatte zu dieser Zeit eine Lockenmähne bis zum Po und heißt deshalb bis heute nur "Hexe".

Fünf junge Männer sitzen auf einer Bank im Bach
ROSA vor mehreren Jahrzehnten. Noch heute dabei sind der Bassist Thomas "Hubaz" Zippe (links), der Keyboarder Peter "Hexe" Lindner (2.v.r.) und der Gitarrist Benno Singer (rechts). Bildrechte: Peter Lindner/MDR

Sie alle spielten in verschiedenen Bands, Hexe studierte sogar klassische Trompete in Weimar und war drauf und dran, eine Orchesterkarriere zu starten. Aber das abenteuerliche Tourleben der Tanzmusiker lockte ihn mehr und 1986 gründeten Benno, Hubaz und er mit zwei weiteren Freunden ROSA. Ursprünglich war ROSA nur für zwei oder drei Jahre angedacht – doch die Musiker harmonierten so gut, dass sie bis heute gemeinsam abrocken. "Das ist eine Chemie, die sofort erkennbar war", erzählt "Hexe". Heute sind sie zu sechst und kennen sich so gut, dass sie sich in der Probe pausenlos gegenseitig auf den Arm nehmen.
ROSA ist eine der dienstältesten Coverbands in Thüringen. Erst letztens kam nach dem Konzert ein junges Mädchen zur Bühne und erzählte, dass ihre Großmutter ROSA-Fan der ersten Stunde war. Gitarrist Benno freut sich dann, betont aber gleich darauf mit einem verschmitzten Lächeln: "Wir sind übrigens nicht alt, wir sind Klassiker!"

ROSA, das heißt "Ruhig – Ordentlich – Solide – Anständig“

Wenn man die Musiker nach dem Bandnamen fragt, dann schallt es wie aus einem Munde: "Ruhig – ordentlich – solide – anständig." Und anschließend brechen alle in schallendes Gelächter aus, weil sie wissen, dass man ihnen das nicht abnimmt. Das wird spätestens während der Bandprobe klar: Die Musiker gehen ab, wie sie vor 30 Jahren schon abgegangen sind. Sie mögen es rockig, drei der Freunde tragen noch immer langes Haar – und schütteln das ordentlich mit. Der Name ROSA für eine Männerband ist bewusst so gewählt, dass er mit Klischees bricht. "Außerdem war die Farbe zu DDR-Zeiten gerade in. Und wir sind gerne schräg!", grinst der Keyboarder Hexe.

Seit mehr als 20 Jahren probt die Band in ihrem Reich: in einem winzigen, versteckten Proberaum ganz hinten in einem Jenaer Keller. Wer dort hingelangen möchte, muss erst eine enge, gewundene Treppe hinuntersteigen. "Den Raum haben wir Mitte der 90er komplett selbst ausgebaut", erzählt Hexe. Das Studio ist so gut gedämmt, dass die Band zu jeder Tages- und Nachtzeit  proben kann, ohne die Mieter oben zu stören. Das gedimmte Licht kommt von einer einzigen Funzel, die Kabel der Mikrofone sind in einer abenteuerlichen Konstruktion an der Decke befestigt – und die Musiker fühlen sich hier zu Hause. Sie brauchen keinen Luxus, ihnen geht es um die Musik. Für die Probe drängen sie sich im Halbkreis in den kleinen Raum. Als es zu warm wird, geht es für die Raucherpause lässig in den Heizungskeller nebenan.

Rückschläge schweißen zusammen

Nicht immer in der über 30-jährigen Bandgeschichte lief es bei ROSA so gut wie heute. 2003 verstarb der langjährige Schlagzeuger Frank unerwartet an einem Herzinfarkt. Dieser Trauerfall schweißte die Band zusammen. "Hexe" bestätigt das: "Das haben wir gemeinsam bewältigt. So schnell wirft uns jetzt nichts mehr aus der Bahn."

Zu DDR-Zeiten war die Band gut im Geschäft, Auftritte führten sie bis nach Polen, Ungarn und in die Sowjetunion. Doch nach dem Mauerfall brach die Kulturszene in der DDR zusammen, ROSA schien niemand mehr zu brauchen. Weil kein Publikum da war, musste die Band ihre Konzerte mehrmals spontan abblasen. "Da stellt man sich Existenzfragen“, erzählt Hexe. "Und es war schwierig, den drei einzigen Zuschauern das Eintrittsgeld zurückzugeben und anzuerkennen, dass das floppt und wir einfach wieder heimfahren müssen." Doch die Freunde bissen sich durch, wollten unbedingt Berufsmusiker bleiben – einen Bürojob hätten sie sich beim besten Willen nicht vorstellen können. Also setzten sie vermehrt auf beliebte Covertitel. Nach und nach trudelten wieder Anfragen ein.

"Tourlaub" in Frankreich mit Kind und Kegel

Gerade sind die ROSA-Musiker braungebrannt von ihrem alljährlichen "Tourlaub" an der Côte d’Azur zurückgekehrt – Tour und Urlaub in einem. Seit neun Jahren treten sie im Sommer für zwei Wochen in Südfrankreich auf. Früher packten sie ihre Familien mitsamt Kindern mit in den Bandbus. Seit die Kinder aus dem Haus sind, kommen nur noch die Frauen mit, "als Dankeschön, dass die es so lange mit uns ausgehalten haben, obwohl wir am Wochenende nie da sind", sagt Benno.

Dieses Jahr hatten sie bei einem Konzert direkt am Mittelmeer ein besonderes Erlebnis: Ganz hinten im Publikum wehte plötzlich eine Thüringer Flagge in der französischen Brise. Zufällig hatte eine Familie aus Dorndorf bei Jena im Urlaub das ROSA-Konzertplakat entdeckt. Die Familie war so begeistert, dass sie ROSA spontan für ein paar Konzerte in Südfrankreich hinterherreiste. Echte Thüringer Groupies sozusagen. Und ein Stück Thüringer Heimat für ROSA, selbst in ihrem "Tourlaub".

Rauchende Männer im Heizungskeller
Wenn es im kleinen Proberaum zu heiß wird, machen die ROSA-Musiker eine Raucherpause im dunklen Heizungskeller nebenan. Bildrechte: Jana Münkel/MDR

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 23.08.2017 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2017, 17:15 Uhr

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