Serie | MDR THÜRINGEN | 03.-07.09.2012 : Private Baudenkmale - aus Holz
Am 9. September ist "Tag des offenen Denkmals". Dann können Sie sich auch wieder private Baudenkmale ansehen, die sonst nicht geöffnet haben. MDR THÜRINGEN macht Sie etwas neugierig auf den Tag, der in diesem Jahr thematisch dem Holz als Baustoff gewidmet ist. Reporter Andreas Reinhardt war in Thüringen unterwegs und hat einige Beispiele entdeckt.
Montag, 03.09.2012: Ehemaliges Forsthaus in Dörrberg
Andreas Reinhardt war zum Beispiel zu Gast in einem historischen Fachwerkanwesen in Dörrberg. Dort wacht eine Holzfigur - halb Mensch, halb Fisch - im Gebälk des Fachwerks als guter Hausgeist über den Vierseitenhof am Berghang oberhalb der Wilden Gera. In früherer Zeit war der herzogliche Erbförster Gundermann dort zu Hause. Später war das Gebäude auch Amtssitz des Dorfschulzen.
Vor zwei Jahrzehnten waren Haus und Hof jedoch verfallen. Baufachleute rieten zum Abriss. Aber für Norbert Dagg war es Liebe auf den ersten Blick. Er kauft das 300 Jahre alte Haus und saniert. Sohn Christian hat inzwischen weitere Pläne: Er will eines Tages eine Waldgaststätte im historischen Forst- und Schulzenhaus betreiben.
Dienstag, 04.09.2012: Sägewerk in Suhl-Dietzhausen
Das Sägewerk in Suhl-Dietzhausen befindet sich in Familienbesitz und sägt seit seiner Gründung mit derselben Technik Holz. Annemarie Weißbrodt ist die gute Seele im Büro für Tischlerei und Sägewerk. Eckhard Weißbrodt hat den Betrieb nach der Wende wieder privatisiert. Sein Vater Berthold rettete ihn durch die Wirren des DDR-Volkseigentums. Großvater Gustav Weißbrodt hatte das Sägewerk 1923 gegründet. Als Fachwerkgebäude wurde es komplett aus Holz errichtet.
Firmengründer Gustav Weißbrodt bevorzugte zunächst einen Dieselmotor zum Antrieb des Sägegatters, der aber schlecht im Winter arbeitete. Deshalb kam im Jahr 1927 eine Trafostation für einen Elektromotor hinzu, der das Gatter über Flachriemen antreibt. Inzwischen ist wiederum Eckhard Weißbrodts Sohn Diethard, in vierter Generation der Sägemüller vom Dienst. Am Tag des offenen Denkmals werden zur Schau Baumstämme in Bretter zersägt. Eine kleine Ausstellung dokumentiert die Geschichte des Sägewerks mit seiner Technik von 1923.
Mittwoch, 05.09.2012: Dreiseitenhof in Haussömmern
Auch die Eigentümer des Dreiseitenhofs in Haussömmern im Unstrut-Hainich-Kreis öffnen die Türen ihres Hofes. Haus und Hof sind liebevoll saniert. Weinreben ranken sich quer über die Hoffläche, denn als Weintrinker versucht sich Kurt Winter auch als Hobbywinzer - und so lädt er zum Tag des offenen Denkmals unter dem Motto ein: Kunst und Wein im Dreiseitenhof in Haussömmern.
Donnerstag, 06.09.2012: Fachwerkhaus in Trebra
Die Kunsthandwerker Silke Kegeler und Ullrich Handwerg lieben gewachsene Dinge der Natur, wie das Holz für ihre selbstgebauten Spielzeugfiguren. Für das Leben mit dem Holz suchten sie ein historisches Gebäude und fanden den ehemaligen Vierseitenhof in Trebra im Kyffhäuserkreis.
Eingezogen sind sie in ein ungedämmtes Haus, mit einer verbretterten Treppe und alten Öfen. Inzwischen bietet das aus dem 16. Jahrhundert stammende Wohngebäude mittelalterliches Wohlfühl-Ambiente mit Zentralheizung. Im Rahmen der Sanierung musste viel ausgewechselt werden: alte Balken, Stützwände und Lehmputz. Die neue Treppe stammt aus der alten Ziegelei in Hohenebra, die hölzerne Haustür vom Misthaufen des Nachbarn. Der inzwischen sanierte Gewölbekeller, stammt vermutlich sogar aus dem 11. Jahrhundert.
Freitag, 07.09.2012: Holzkirche Neuhaus am Rennweg
Die Holzkirche in Neuhaus am Rennweg wurde 1892 ganz aus Holz gebaut. Davon gab es in den fürstlichen Wäldern mehr als genug und war deshalb der billigste Baustoff. Der herzogliche Baurat Rudolf Brecht hatte die Kirche entworfen. Die englische Gotik, den sogenannten Tudor-Stil, erkennt man an den abgeschnittenen Fensterspitzen in der unteren Fensterreihe. Im Inneren verfügt die Kirche über viele Holzornamente in Form von Weintrauben, Weinblättern und Weinreben.
In den vergangenen 20 Jahren wurde die Kirche aufwändig saniert - auch dank zahlreicher Spenden. Im Winter muss jetzt niemand mehr frieren, dafür sorgt eine moderne Bankheizung. Als Nächstes müsste noch der Fußboden im Kirchenschiff saniert werden, denn der wellt sich. Außerdem fehlt noch ein letzter Kerzenkronleuchter.


