Die Stasi und der Rechtsterror Thüringer Rechtsextreme in der Bundesrepublik

Für sie interessierte sich die Staatssicherheit ganz besonders: Im Westen aktive Rechtsextreme mit Wurzeln in der DDR. Sie waren über Flucht oder Abschiebung in die Bundesrepublik gekommen. Karl-Heinz Hoffmann und seine Wehrsportgruppe stehen exemplarisch für diese Verbindung. Die Stasi sammelte massenhaft Material über die Gruppe. Heute sind diese Akten eine schier unüberschaubare Quelle von Informationen über Neonazis der damaligen Zeit in West und Ost.

von Rainer Erices

Vor 40 Jahren, im Dezember 1976, warb der Hochschulring Tübinger Studenten, kurz HTS, öffentlich um Söldner. Die Veranstaltung trug den Namen "Aggression der Kommunisten im südlichen Afrika". Die Söldner sollten im damaligen Südrhodesien das rassistische Regime unterstützen. Als Hauptredner war Karl-Heinz Hoffmann geplant. Er war mit Mitgliedern der von ihm geführten "Wehrsportgruppe" angereist, die gleichzeitig den "Saalschutz" für die Veranstaltung übernahmen. An der Universität Tübingen herrschte allgemein ein eher linker Geist. Ungefähr 200 Menschen demonstrierten gegen das Auftreten der Rechtsextremen und die Inhalte der Veranstaltung. Plötzlich schlugen die HTS-Mitglieder auf die Demonstranten ein. Sieben Demonstranten wurden schwer verletzt und mussten ins Krankenhaus. Der Vorfall reihte sich ein in eine Anzahl von gewalttätigen Ausschreitungen militanter Rechtsextremer in der Bundesrepublik. Interessanterweise hatten einige der Hauptakteure etwas gemeinsam - sie kamen ursprünglich aus der DDR.

Karl-Heinz Hoffmann steht im Berliner Verwaltungsgericht
Karl-Heinz Hoffmann im Februar 2016 Bildrechte: dpa

Ein knappes Jahr später strahlte das DDR-Fernsehen eine Sendung aus, die sich mit Neonazis in der Bundesrepublik beschäftigte. Die Dokumentation zeigte Aufnahmen mit den beteiligten Schlägern von Tübingen vor Gericht. Karl-Heinz Hoffmann lächelte in die Kamera. Wenige Tage nach der Ausstrahlung meldete sich die Bezirksverwaltung der Staatssicherheit aus Gera mit einem Telex bei den Genossen in Ost-Berlin. Die Sendung habe für Aufregung in Kahla gesorgt. Man habe Hoffmann erkannt. Noch vor zwei Jahren habe er sich in Kahla aufgehalten. Die Genossen des Porzellanwerks seien empört und hätten gefordert, dass dieser Hoffmann nicht noch einmal in die DDR reisen dürfe.

Karl-Heinz Hoffmann und seine Wehrsportgruppe stehen exemplarisch für die Verbindungen der DDR zum Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik. Außer Hoffmann stammten noch einige weitere Mitglieder aus dem Osten. Sie waren über Flucht oder Abschiebung in die Bundesrepublik gekommen. Auch in und nach ihrer aktiven Zeit für die rechtsextreme Wehrsportgruppe rissen ihre Kontakte in die DDR nicht ab. Die Staatssicherheit interessierte sich zunehmend für sie, für ihre Familien und Bekannten, sie sammelte massenhaft Material. Heute stellen diese Akten eine schier unüberschaubare Quelle von Informationen über Neonazis der damaligen Zeit in West und Ost dar.

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24 Kommentare

31.12.2016 15:58 Geheimnistraeger 24

Ob die Staaatssicherheit alles wusste?? Mitläufer Behrendt aus Pößneck ist doch ziemlich obskur. War er wirklich der Doppelmörder vom jüdischen Rabbi in Erlangen?? Die Polizei fand damals Sachen von Herrn Hoffmann oder seiner Frau vor Ort, wurde erzählt. Dann hat ausgerechnet er sich selbst erschossen in Hoffmanns Wohnung im Nahen Osten? Lebt die Familie von Behrendt noch in Pößneck? Was sagen die denn, wurden die von Stasi auch observiert. Fragen über Fragen. Wäre doch ein schöner Auftrag an MDR:

31.12.2016 15:37 Maxe 23

Mich würde IM Kaufmann mehr interessieren!
DDR-Haft, im Westen bei den Nazis versackt, am Ende wieder Osten, Frauen und Anwerbung. WIe hat die Stasi ihn rumgekriegt???
MEHR DAVON