Diskussion Keine Diesel-Fahrverbote in mitteldeutschen Städten geplant

Die acht größten Städte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt planen derzeit kein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Das hat eine Umfrage von MDR THÜRINGEN ergeben. Übereinstimmend verweisen die Städte darauf, dass die Luftverschmutzung nicht vergleichbar sei mit Städten wie München und Stuttgart. Dort werden entsprechende Fahrverbote derzeit vorbereitet. Befragt wurden Erfurt, Jena und Gera in Thüringen; Leipzig, Dresden und Chemnitz in Sachsen sowie Halle, Magdeburg und Dessau-Rosslau in Sachsen-Anhalt. Dessau-Rosslau hat die Anfrage von MDR THÜRINGEN nicht beantwortet.

Auf einer Verkehrstafel sind die Informationen zur Erfurter Umweltzone zu lesen
Erfurt setzt auf Umweltzone. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurde in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr an vier der 20 verkehrsnahen Messstationen der Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel nicht eingehalten. Betroffen waren zwei Stationen in Leipzig, eine in Dresden und eine in Halle. In Thüringen konnte überall der Grenzwert eingehalten werden. Bundesweit wurde dagegen an mehr als jeder zweiten verkehrsnahen Messstation der Grenzwert überschritten. Dieselfahrzeuge gelten laut Umweltbundesamt dabei als eine Hauptursache für erhöhte Stickstoffoxidwerte.

Mit "Luftreinhalteplänen" gegen Abgase

Jenseits von Fahrverboten versuchen die Städte mit Hilfe von Luftreinhalteplänen den Ausstoß schädlicher Verkehrsabgase weiter zu senken. Erfurt setzt dabei nach eigenen Angaben zum Beispiel auf die bereits eingeführte Umweltzone und eine umweltorientierte Verkehrssteuerung, die gerade vorbereitet werde. Gera will unter anderem die Ampelanlagen optimieren, für eine bessere "Grüne Welle". Chemnitz erklärte, künftig im Öffentlichen Personennahverkehr weniger Stickstoffdioxid-ausstoßende Busse und mehr Stadtbahnen einzusetzen. Auch Leipzig und Halle verweisen auf Luftreinhaltepläne, die nach Angaben der Städte derzeit weiter entwickelt werden.

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos mit Dieselmotor.
Dieselfahrzeuge gelten als "Stinker" Bildrechte: dpa

Das "Nein" zu Fahrverboten für ältere Dieselfahrzeuge begründen Leipzig und Dresden auch mit der aktuellen Debatte um manipulierte Abgaswerte. "Selbst neuere EURO 6-Fahrzeuge halten die gültigen Grenzwerte mit Billigung der Politik der Bundesregierung nicht ein", heißt es aus Dresden. "Würden die europäischen Abgasnormen durch die Autohersteller wirklich eingehalten, müsste Dresden keinen neuen Luftreinhalteplan aufstellen", sagte Pressesprecher Karl Schuricht MDR THÜRINGEN. Leipzig fordert deshalb, dass zunächst seitens der Industrie und der Politik sichergestellt werden müsse, dass mit einer höheren Euro-Norm auch in der Praxis weniger Luftschadstoffe verbunden sind. Vom VW-Abgasskandal sind nach Angaben des Unternehmens in Thüringen rund 40.000 verkaufte Fahrzeuge betroffen. Alle Käufer seien informiert, sagte VW-Sprecher Nicolai Laude MDR THÜRINGEN. Etwa 33.000 Fahrzeuge seien inzwischen in den Thüringer Werkstätten nachgerüstet worden.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18.06.2017 | 19:00 Uhr
MDR FERNSEHEN | Fakt ist | 19.06.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 17:08 Uhr

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25 Kommentare

21.06.2017 11:25 der_Silvio 25

@24 Bingo; also geht es ihnen doch nur darum, Profit aus dieser Sache zu schlagen...
Es ist für sie wahrscheinlich zusammenhanglos, weil sie extrem kurzsichtig denken - für sie geht es ausschließlich um ihre - ungerechtfertigte - Schadenersatzforderung (wie bereits geschrieben; durch Nachbesserung gibt es faktisch keine Wertminderung).
Daß andere durch Fahrverbote in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, interessiert sie nicht im geringsten! Traurig.
Es sind sehr viel mehr Faktoren an der Verschmutzung der Luft beteiligt, aber die Politik geht gerne den Weg des geringsten Wiederstandes. Frei nach fem Motto; was wollt ihr denn, wir haben doch was gemacht...

21.06.2017 10:12 Bingo 24

an @ der Silvio: Was Sie schreiben und was Sie damit sagen wollen, ist für mich zusammenhangloser wirrwarr. Schreiben sie und machen Sie doch was sie wollen. Einen schönen Tag noch. Mit dem kriminellen(Bossen) stimme ich Ihnen allerdings zu, deshalb fordere ich auch Schadensersatz von VW. Nicht mehr und nicht weniger.

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