Kein Trend zum Benziner Diesel-Abgasskandal lässt Käufer kalt

von Gerd Nettelroth

Der Thüringer Automarkt zeigt sich vom Diesel-Abgasskandal und drohenden Fahrverboten für Diesel-PKW weitgehend unbeeindruckt. Der Geschäftsführer des Thüringer Landesverbandes des KFZ-Gewerbes, Dietmar Hoffmann, sagte MDR THÜRINGEN, es gebe keinen deutlichen Trend hin zum Benziner. Das Thema sei zwar in den Köpfen der Leute präsent, das Kaufverhalten habe sich aber nicht geändert. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass in den kommenden Monaten und Jahren die Verunsicherung der Autofahrer angesichts der Diskussion über Diesel-Fahrverbote zunehmen und den Absatz dämpfen werde.

Autohäuser berichten von gelassener Kundschaft

Ähnlich äußerte sich die Autohaus Peter Gruppe. Geschäftsführer und Firmengründer Helmut Peter sagte MDR THÜRINGEN, der Absatz von Diesel-PKW sei nicht eingebrochen.

Ein Autoschlüssel wird von einer Hand in eine andere übergeben
Alles wie immer beim Autokauf sagen die Autohändler. Bildrechte: colourbox

Auch der Verkauf gebrauchter Diesel-Autos, die nicht die neueste Abgasnorm Euro-6 erfüllten, sei stabil. Die Autohaus-Peter-Gruppe betreibt mit 700 Mitarbeitern in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen 24 Autohäuser mit sieben Marken im Vertrieb und sechs Fabrikaten im Service.

Auch das Autohaus Schinner verzeichnet keinen Umsatzrückgang bei Dieselfahrzeugen. Geschäftsführer Mathias Schinner sagte MDR THÜRINGEN, die Kunden reagierten gelassen und würden sich durch negative Medienberichte zum Thema Dieselmotor nicht verunsichern lassen. Auch der Absatz und die Preise für Diesel-Gebrauchtwagen seien stabil. Das könne man auch der sogenannten Schwacke-Liste entnehmen, die den Restwert eines jeden PKW aufzeigt. Schinner betreibt in Thüringen drei Autohäuser mit 78 Mitarbeitern.

Die Autohaus Glinicke Gruppe beurteilt die Lage auf dem Thüringer Automarkt ähnlich. Der Vertriebsleiter am Erfurter Standort, Andre Tretschock, sagte MDR THÜRINGEN, obwohl Glinicke mit den Marken, VW, Audi und Skoda im Fokus des Dieselskandals stehe, seien die Verkaufszahlen zwar zurückgegangen, aber nicht eingebrochen. Zahlen nannte Tretschock nicht. Kunden würden zudem viele kritische Fragen stellen und erst einmal abwarten, wie es in der Abgas-Affäre weitergehe. Glinicke betreibt mit 1.100 Mitarbeitern 19 Autohäuser in ganz Deutschland und vertreibt 10 Automarken.

Weniger Diesel-Neuzulassungen

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im Februar dieses Jahres in Thüringen 1.714 Diesel-PKW neu zugelassen. Das sind 8,5 Prozent weniger als im Februar 2016. Benziner legten um 3,8 Prozent auf 2.944 zu. Wesentlich deutlicher fiel das Plus bei Hybrid-Fahrzeugen aus, wenn auch die Gesamtzahl der Neuzulassungen gering blieb. Im Februar wurden in Thüringen 93 Autos mit Hybrid-Antrieb neu zugelassen, 46,2 Prozent mehr als im Februar letzten Jahres. Elektro-Autos spielen in Thüringen weiterhin keine Rolle. Im Februar gab es 19 Neuzulassungen, im Februar 2016 waren es 20. Bundesweit wurden im Februar 1.546 Elektro-PKW neu zugelassen, das bedeutet im Monatsvergleich ein Plus von 105,9 Prozent.

Bundesweit wird die Zukunft des Diesel-Motors offenbar weitaus kritischer gesehen als in Thüringen. So ergab eine Leserumfrage des Magazins "Auto, Motor und Sport", dass im Januar dieses Jahres nur noch 30 Prozent der Leser als nächsten Wagen ein Fahrzeug mit Dieselmotor kaufen wollen. Vor zwei Jahren waren es noch 48 Prozent.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Nachrichten | 20.03.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

20.03.2017 19:36 kein Falschfahrer 5

@4 Markus - bei 30 / 40 km Entfernung brauch ich auch keine E-Tankstelle, da reicht meine Garage.
@ REXt - nicht nur rechtes Gedankengut ist die eigen, auch die Bewahrung der Schöpfung (sprich Umweltschutz) ist dir fremd. Eventuell stehst du in diesem Fall auf der Seite D. Trump, der behauptet Klimaerwärmung findet nicht statt und ist außerdem eine Erfindung der Chinesen.

20.03.2017 11:47 Markus 4

Bei uns hier ist die Entfernung von einer Kleinstadt zu einer anderen 20-30-40 km, und nirgendwo eine Tankstelle für E-PKW. Und sehr schlechte Linienverkehr. Manche Dörfer haben täglich 3-mal ein Bus nur Montag bis Freitag. Einige Dörfer haben auch das nicht. So ist E-PKW-Einsatz hier absolut unmöglich. Auch ein Benziner mit täglich 100 km könnte pleite machen: ein Benziner hat etwa 1,7- bis 2-mal höhere Kilometerpreis als ein Diesel. Auch für Erdgas gibt es zu wenig Tankmöglichkeiten. Auch wenn man es verbietet, in Großstadt Diesel zu fahren, bleibt hier in Dorf für Diesel keine Alternative. In einer Großstadt kann man gar ohne PKW leben, bei uns aber nicht.

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