Fünf verschiedene Dixi-Modelle stehen auf einer Wiese nebeneinander. Sie haben unterschiedliche Farben.
Nitschkes und Metzes Dixi-Sammlung (von links nach rechts): DA-2, Zweisitzer Cabriolet, Bj. 1929, 15 PS | DA-2 Ihle 600, Sport Cabriolet, Bj. 1930, 20 PS | DA-2 Tourer, Viersitzer Cabriolet, Bj. 1929, 15 PS | DA-4 Sonnenscheinlimousine, Viersitzer, Bj. 1929, 15 PS | DA-2 Lieferwagen, Zweisitzer Kastenlieferwagen mit Dachgepäckträger, Bj. 1929, 15 PS Bildrechte: Wolfgang Nitschke

Der Dixi wird 90 Goldstaub aus der Scheune

Vor 90 Jahren wurde der erste Dixi in der Fahrzeugfabrik Eisenach produziert. Heute sieht man die Fahrzeuge nur noch selten auf der Straße. In Erfurt allerdings fahren gleich mehrere Exemplare rum: Cabriolet, Transporter oder Roadster in gelb, rot, hellblau und mit Koffer auf dem Dach. Der Fahrer ist aber sehr wahrscheinlich immer derselbe: Wolfgang Nitschke mit seiner ledernen Rennkappe.

von Daniela Dufft

Fünf verschiedene Dixi-Modelle stehen auf einer Wiese nebeneinander. Sie haben unterschiedliche Farben.
Nitschkes und Metzes Dixi-Sammlung (von links nach rechts): DA-2, Zweisitzer Cabriolet, Bj. 1929, 15 PS | DA-2 Ihle 600, Sport Cabriolet, Bj. 1930, 20 PS | DA-2 Tourer, Viersitzer Cabriolet, Bj. 1929, 15 PS | DA-4 Sonnenscheinlimousine, Viersitzer, Bj. 1929, 15 PS | DA-2 Lieferwagen, Zweisitzer Kastenlieferwagen mit Dachgepäckträger, Bj. 1929, 15 PS Bildrechte: Wolfgang Nitschke

Der Rückspiegel vibriert, der Auspuff knattert dumpf, wenn Wolfgang Nitzschke das Gaspedal seines Dixi DA2-Tourer durchtritt. Kein ABS, keine Servolenkung. Das Lenkrad hat ordentlich Spiel. Bei Vollgas auf gerader Strecke schafft es der Familienwagen auf 65 km/h.

"Auf der Landstraße ist das durchaus gefährlich und verlangt einen sensiblen Umgang mit Gaspedal und Lenkrad", erklärt Nitschke. Er kennt seine Dixis gut. Sechs fahrtaugliche und zugelassene Modelle hat er in verschiedenen Garagen verteilt in Erfurt und im Ortsteil Gispersleben stehen. Aber von wegen Garagenwagen. "Die müssen alle gefahren werden", sagt Nitzschke mit einem Augenzwinkern, "sonst bekommen sie viereckige Räder."

Eine Familie im Dixi-Modus

Eigentlich ist Nitzschke gelernter Ökonom und konnte vor zehn Jahren noch nicht einmal einen Ölwechsel an einem Auto machen. Dann trat Heinz Metze der Familie bei. Der ehemalige KFZ-Meister hatte sich bei einer Ausfahrt mit dem Dixi in die Mutter von Wolfgang Nitzschke verliebt.

Der Meister ist fast 90 Jahre alt und schon ein bisschen stolz, das gleiche "Baujahr" wie der Oldtimer zu sein. Mit 15 Jahren zerrte Heinz Metze seinen ersten Dixi in Einzelteilen zerlegt mit einem Handkarren auf den Familienhof: non Melchendorf nach Gispersleben - 20 Kilometer weit.

90 Jahre Dixi aus Eisenach
Bildrechte: MDR / Daniela Dufft

Heinz Metze macht eine Lehre als KFZ-Schlosser, wird Meister und eröffnet eine stadtbekannte Trabantwerkstatt in Gispersleben. Als er in Rente geht, entbrennt die Dixi-Leidenschaft erneut.

Schließlich braucht "Mann" ein sinnvolles Hobby. Das über Jahre gesammelte Werkzeug kommt in die Werkstatt hinterm Haus oder wie Metze betont - in den Hobbyraum. Dort baut der KFZ-Meister die ersten zwei Dixi wieder auf.

"Ein Dixi ist ein Oldtimer. Da muss auch mal 'ne Delle drin sein. Ich hab' extra Dellen in meine Autos reingeschlagen. Glattgebügelte Karren - das ist einfach nicht echt!"

Heinz Metze

Immer auf der Suche

90 Jahre Dixi aus Eisenach
Bildrechte: MDR / Daniela Dufft

Ständig ist Wolfgang Nitschke auf der Suche nach neuer "Altware". Fündig wird er oft über das Internet.

Fr 10.11.2017 16:00Uhr 00:22 min

https://www.mdr.de/thueringen/video-152486.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Inzwischen ist die ganze Familie mit dem Dixi-Virus infiziert. Vom Goldstaub spricht Wolfgang Nitschke, wenn er mit der Hand über das Lenkrad aus Holz streicht.

Häufig forscht der "Junior" im Internet, ob sich nicht irgendwo noch ein Scheunenfund auftut, den sie erwerben und aufbauen könnten, um die Sammlung zu erweitern.

Die Dixi-Schmiede

Mit einer elektrischen Schnabelschere werden aus riesigen Metallplatten die Karosserieteile geschnitten. Heinz Metze freut sich, wie einfach das geht, mit der neuen Technik. Früher ging das viel rustikaler zu, erzählt er.

Da wurde die Säge mit der Hand bedient und drei Stunden an einem kleinen Metallteil gefeilt und geschliffen. Auch die Farben sind viel hochwertiger als noch vor 90 Jahren. Niemand muss sich alle drei Wochen mit einem Tuch hinstellen und den Wagen polieren.

Heinz Metze | KFZ-Meister und Dixi-Liebhaber
Ein alter Mann streicht mit der hand über die Motorhaube eines Dixi
"Ein Oldtimer darf nicht glattgebügelt sein." Bildrechte: Daniela Dufft

Original fährt der Dixi mit 15 PS. Für Überlandfahrten ist das aber zu langsam, auch schon wegen der Fahrsicherheit und der großen Laster auf den Straßen. "Mit dem Dixi bist Du immer ein stehendes Hindernis", sagt Nitschke. Um da halbwegs mithalten zu können und im normalen Verkehr zu fahren mussten wir aufrüsten".

Zwei Modelle wurden deshalb auf 20 PS getuned. Das bringt bei Rückenwind 90 km/h. Und auch die alte Seilzugbremse haben sie durch eine Hydraulikbremse ersetzt. England, Berlin, Rügen, auch die Rennstrecke am Lausitzring sind sie schon gefahren. Nächstes Ziel ist Moskau, da muss man schon mal beschleunigen können.

Aktuelles Projekt: der Ihle 800 - ein Luxuswagen unter den Dixis. Zwei Jahre wird es noch dauern, bis der Zweisitzer restauriert ist. Da müssen auch die Frauen der Familie einen langen Atem beweisen und viel Verständnis für Arbeitszeit im Hobbyraum haben. 

Bestimmte Dinge muss man einfach haben

Trompetenhupe an einem Oldtimer
Aus dem Weg! Bildrechte: Daniela Dufft

In der Werkstatt liegt noch ein verrostetes Fahrgestell, kaum als Auto auszumachen. Es gehört zu einem Dixi DA1 - dem Ur-Dixi überhaupt, mit dem typischen Zentauer als Kühleremblem. Es zeigt den Mensch mit Pferdefuß. Der Wagen ist der letzte, der noch in der Sammlung fehlt.

Heinz Metze schwärmt und erklärt, dass genau so früher die Gestelle der Kasten-Kutschen ausgesehen haben. Nur eben ohne Motor, dafür mit Deichsel und Pferden. Die Karosse haben die Männer weitsichtig schon mal auf Vorrat gekauft. Mattheo, heute sechs Jahre alt, soll ihn sich später selbst mal aufbauen.

Eine Frau und eine Mann sitzen auf einem Sofa, die Frau schaut zur Kamera während sie etwas erzählt, der Mann schaut sie dabei an.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was sagt eigentlich die Ehefrau Margit Nitzschke, wenn ihr Mann jede freie Minute im Hobbyraum bei seinem Dixi verbringt?

Fr 10.11.2017 16:00Uhr 01:11 min

https://www.mdr.de/thueringen/video-152484.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
90 Jahre Dixi aus Eisenach
Bildrechte: MDR / Daniela Dufft

Schon mal im Dixi gefahren? Hier ist die Gelegenheit. Mit Wolfgang Nitschke aus Erfurt geht’s mit 15 PS über die Landstraße nach Erfurt Gispersleben.

Fr 10.11.2017 16:00Uhr 02:58 min

https://www.mdr.de/thueringen/video-152488.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
90 Jahre Dixi aus Eisenach
Bildrechte: MDR / Daniela Dufft

Dixi • Der Dixi ist das erste Auto von BMW.
• 4-6 Zylinder, Viergangschaltung
• 2-türig mit 2, 3 oder 4 Sitzen, offene Limousine (Tourer) und geschlossene Limousinen (Innenlenker), Cabriolimousinen, Roadster, Lieferwagen oder nur als Fahrgestell ohne Karosserie.
• Die ersten Reifen waren aus Vollgummi.
• Der Original-Dixi hat 15 PS.
• Höchstgeschwindigkeit 75 km/h, Reisegeschwindigkeit ca. 65 km/h.
• Wird der Motor getuned auf 20 PS, bringt das eine Motorsteigerung von 25 Prozent. Geschwindigkeiten bis 80, mit Rückenwind sind 90 km/h möglich.

Zwei Männer stehen vor dem Fahrgestell eines alten Dixis in einer Werkstatt
Von Ölwechsel keine Ahnung und jetzt fast ein Profi: Wolfgang Nitschke hat von Heinz Metze (li) viel über Autos gelernt. Bildrechte: Daniela Dufft

90 Jahre Dixi 3/15 in Eisenach 1928 wollte der Motorrad- und Flugmotorenhersteller BMW in die Automobilproduktion einsteigen. Eigenentwicklungen wären aufwendig und teuer gewesen, so stieg BMW in der Fahrzeugfabrik Eisenach ein. Mit dem dort seit 1927 produzierten Dixi 3/15 sollte der ermüdete Automarkt nach dem Ersten Weltkrieg wieder in Schwung kommen. Das gelang zwar nicht, trotzdem hat sich der Dixi seitdem einen Namen gemacht. Der Markenname stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet "Ich habe gesprochen".

Ausstellung BMW-Dixi in Eisenach 90 Jahre alte Karossen im Automobilmuseum

Vor 90 Jahren begann in Eisenach der Bau des legendären Kleinwagens BMW-Dixi. Im Automobilmuseum gibt es dazu eine Sonderausstellung. Mitarbeiter und Helfer haben aus der Epoche sehenswerte Fahrzeuge zusammengetragen.

Blauer Oldtimer Austin Seven in einem Ausstellungsraum
Austin Seven, Baujahr 1931 Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Blauer Oldtimer Austin Seven in einem Ausstellungsraum
Austin Seven, Baujahr 1931 Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Vorderfront Logo Austin Seven in einer Ausstellungshalle
Er wurde auch in Frankreich und USA produziert. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Gelber Oldtimer Austin Seven in einer Ausstellungshalle
DIXI 3/15 PS DA1, Baujahr 1927, Lizenzmodell des Austin Seven Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Dixi-Logo an einem Auto
Die Autos in der Ausstellung sind alles Leihgaben. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Rot-Weißer Oldtimer Typ Wartburg DA3 in einer Ausstellungshalle
Typ Wartburg DA3, Baujahr 1930. Alle ausgestellten Autos fahren noch. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Rot-Weißer Oldtimer Typ Wartburg DA3 in einer Ausstellungshalle
Es war der erste Rennsportwagen von BMW. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Roter Oldtimer BMW3/15 PS DA4 in einer Ausstellungshalle
BMW3/15 PS DA4, Baujahr 1931. Bis 1932 wurde der Typ auf der Basis der Austin-Lizenz in Eisenach gebaut. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Innenansicht rot-weißer Oldtimer BMW/15 PS DA2
BMW/15 PS DA2, Baujahr 1928: Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Vorderansicht weißer Oldtimer BMW/15 PS DA2 in einer Ausstellungshalle
Der BMW/15 PS DA2, Baujahr 1928. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
Seitenansicht weißer Oldtimer BMW 3/15 PS DA2 in einer Ausstellungshalle
Er wurde auf Basis des DIXI 3/15 PS DA1 gebaut. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. November 2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. November 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 16:37 Uhr

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1 Kommentar

11.11.2017 16:56 Niklas W. 1

Eine kleine aber feine Ausstellung!
Absolut sehenswert was die Eisenacher, auch neben der neuen Sonderausstellung, in den letzten drei Jahren in diesem Museum mit vielen Freiwilligen und mini Budget auf die "Räder gestellt" haben.
Das Budget was dieses Museum zur Verfügung hat, ist bestimmt nur ein kleiner Bruchteil im Vergleich zu dem was andere Museen zu Verfügung haben – dass macht das Ganze für mich aber umso wertvoller.
Ich habe es mir heute, nach fast drei Jahren, wieder angesehen und bin begeistert!

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