Raupen des Eichenprozessionsspinners hängen an einem Ast
Die bis zu zwei Zentimeter langen Härchen lösen allergische Reaktionen aus. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Gefährliche Raupen Eichenprozessionsspinner breitet sich in Südthüringen aus

Die meisten Schmetterlinge sind schön anzusehen und harmlos. Der Eichenprozessionsspinner ist jedoch nicht ganz ungefährlich, zumindest als Raupe. Erstmals tritt er jetzt auch in Thüringen in größerer Zahl auf. Spaziergänger sollten auf der Hut sein.

Raupen des Eichenprozessionsspinners hängen an einem Ast
Die bis zu zwei Zentimeter langen Härchen lösen allergische Reaktionen aus. Bildrechte: MDR/Robert Müller

In Südthüringen breitet sich der giftige Eichenprozessionsspinner aus. Wie die Landesforstanstalt ThüringenForst MDR THÜRINGEN mitteilte, ist der gesamte Eichenbestand des Forstamtes Heldburg befallen. Grund zur Sorge bestehe aber noch nicht, weil die Zahl der Nester den Baumbestand bisher nicht gefährde, sagte Forstamtsleiter Lars Wollschläger.

Der Eichenprozessionsspinner ist eine heimische Schmetterlingsart, die die Wärme liebt. Ihre Larven ernähren sich von den Blättern der Eiche. Die Gifthärchen der Raupen können schwere Reizungen von Haut, Hals und Bronchien sowie allergische Reaktionen hervorrufen. Der Schädling war in Südthüringen erstmals im vergangenen Sommer in größerer Zahl aufgetreten. Ursachen für diese Entwicklung sind nach Angaben der Landesforstanstalt milde Winter und generell der Klimawandel.

Der Forstamtsbereich Heldburg besteht aus 12 Revieren und ist das am südlichsten gelegene Forstamt in Thüringen. Die Gesamtwaldfläche beträgt ca. 22.500 Hektar, davon sind rund 20 Prozent mit Eichen bestanden. Das Heldburger Land, die Gleichberge oder auch die Burgen "Straufhain" und "Heldburg" sind beliebte Ausflugsziele für Waldtouristen. Der Forstamtsbereich zeichnet sich im Süden durch ausgedehnte Eichenwälder aus. Nördlich der Werra, wie zum Beispiel um Hildburghausen, dominieren nadelholzreiche Kiefern- und Fichtenwälder. Die sogenannte Frankenschwelle südlich der Werra ist von buchenreichen Laubwäldern geprägt.

Vor allem Eichenwälder sind betroffen

Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baum
Vor allem auf Eichenholz fühlen sich die Raupen wohl. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Der Eichenprozessionsspinner kommt an allen Eichen-Arten vor. Er bevorzugt warm-trockene Regionen, das heißt lichte Eichenwälder, Waldränder und Einzelbäume. In Trockenjahren kann es auch zu Massenvermehrungen kommen. Eine Bekämpfung war früher nicht notwendig. Seit 1995 ist jedoch eine starke Zunahme dieses früher seltenen Schmetterlings in zahlreichen Bundesländern zu verzeichnen. Dazu zählen auch Bayern und Sachsen-Anhalt als Nachbarländer von Thüringen. Der Name Eichenprozessionsspinner stammt von der Eigenart, sich zur Nahrungssuche stets hinter- oder nebeneinander zu bewegen, was wie eine "Prozession" aussieht.

Das Einatmen der Härchen kann Asthma auslösen

Neben den Fraß-Schäden liegt die eigentliche Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners in den gesundheitlichen Auswirkungen der Raupenhaare auf den Menschen. Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können während des gesamten Jahres entstehen. Für den Menschen gefährlich sind die Haare des dritten Larvenstadiums des Eichenprozessionsspinners, also im Mai und Juni. Sie halten sich auch an den Kleidern und Schuhen und lösen bei Berührungen stets neue toxische Reaktionen aus. Die fast unsichtbaren Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest. Sie können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen.

Die Hautreaktionen halten unbehandelt bis zu zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, welche nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisol-Präparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika. Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen. Hier wären Kortison-Sprays und Sprays mit Bronchien-erweiternden Mitteln erforderlich. Selten ist eine stationäre Behandlung notwendig. Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.

Tipps für den Schutz
Wer Nester des Eichenprozessionsspinner entdeckt, ist aufgefordert, diese umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt zu melden.

Generell dürfen Raupen und ihre Nester nicht berührt werden. Schon bei Verdacht eines Gifthaarkontakts können folgende Maßnahmen helfen:

- Kleidung umgehend im Freien(!) wechseln, Schuhe nass reinigen

- Kleidung bei mindstens 60 Grad waschen - Sichtbare Raupenhaare mit einem Klebstreifen entfernen

- Grundliches Duschbad mit Haarreinigung und Augenspülung mit Wasser

- Betroffene Gegenstände wie das Auto waschen, saugen und feucht reinigen

- Hunde baden

- Bei Hautreaktionen sollte der Hausarzt aufgesucht werden, beim Atemnot sofort den Rettungsdienst alarmieren.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21.04.2017 | 10:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 21:15 Uhr

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3 Kommentare

22.04.2017 13:15 grisu pfitzmann 3

@Nistkasten: Warum machen Sie nicht mal so eine Aktion? Der MDR wird sicher drüber berichten.

22.04.2017 11:17 Butterwiese 2

Nistkasten, Ich stimme ihnen in allen Punkten zu !

22.04.2017 08:35 Nistkasten 1

Warum macht der MDR nicht mal ne Aktion das Bürger zum Nistkasten bauen animiert werden?
Gerade unsere kleinen Singvögel fangen viel Ungeziefer weg und werden jedes Jahr weniger.

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