Biogasanlage in Lengfeld
Biogasanlage des Unternehmens in Lengfeld Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Südthüringen Ermittlungen gegen Biogasanlagen-Betreiber

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt in der Biogasanlagen-Branche. Einem Südthüringer Unternehmen wird vorgeworfen, Anlagen teilweise ungenehmigt betrieben und Umweltdelikte begangen zu haben.

von Rolf-Dieter Lorenz

Biogasanlage in Lengfeld
Biogasanlage des Unternehmens in Lengfeld Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei Bürgerinitiativen aus Südthüringen haben Anzeige gegen einen Biogas-Anlagenbetreiber im Kreis Hildburghausen erstattet. Der Firma mit Sitz in Kloster Veßra wird vorgeworfen, Auflagen der Behörden missachtet zu haben und für Güllehavarien verantwortlich zu sein. Der letzte Vorfall ereignete sich in der Silvesternacht 2016. Die Anzeigen wegen möglicher Umweltdelikte liegen bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen.

Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen das Unternehmen schon in einer anderen Sache, sagte Sprecher Dirk Germerodt, und zwar wegen Betrugsverdacht. Der Firma wird demnach vorgeworfen, Biogasanlagen ungenehmigt betrieben und gesetzlich garantierte Bonuszahlungen in Millionenhöhe zu Unrecht erschlichen zu haben.

Polizeiaktion in vier Bundesländern

Gülle läuft aus einem Rohr in die Kanalisation
Biogasanlage in Lengfeld: Dem Unternehmen werden Umweltdelikte vorgeworfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Ermittlungen waren ursprünglich von der Staatsanwaltschaft Cottbus in Brandenburg geführt worden, da die Thüringer Firma auch Biogasanlagen in Brandenburg betrieben hat - ebenso in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Im Zuge der Ermittlungen waren im Juni vergangenen Jahres Polizeibeamte in vier Bundesländern ausgeschwärmt, um 24 Immobilien des Unternehmens einen Besuch abzustatten - Akten wurden beschlagnahmt. Seitdem liegen bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen mehrere Dutzend Aktenordner, die noch ausgewertet werden. Wie die Ermittlungen weitergehen und ob es zu einer Anklage kommt, kann die Staatsanwaltschaft noch nicht einschätzen.

Unternehmen inzwischen in der Insolvenz

Biogasanlage in Lengfeld
Die Biogasanlage in Lengfeld Bildrechte: MDR/Rolf Dieter Lorenz

Eine Stellungnahme zu dem laufenden staatsanwaltschaftlichen Verfahren lehnen die ehemals Thüringer Verantwortlichen des Unternehmens ab. Inzwischen wird ihre Firma von Insolvenzverwaltern in Erfurt und Berlin geführt. Bis vor wenigen Wochen konnten Banken und andere Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Nach Angaben des Erfurter Insolvenzverwalters Peter Scholl steht aktuell eine Summe von insgesamt 41,9 Millionen Euro im Raum. Ziel der Insolvenzverwalter ist es nach Scholls Angaben, die Anlagen weiter zu betreiben. Am Standort Lengfeld seien inzwischen ein Vorwarn- und Alarmsystem installiert worden. Darüber hinaus bestätige ein externes Gutachten, dass die drei Thüringer Anlagen nun die gesetzlichen Vorschriften erfüllten. Mit den Umweltbehörden im Landkreis werde eng zusammengearbeitet.

Ursache für Güllehavarie umstritten

Abwasser in der Weißbach
Die Weißbach am 2. August 2013. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für die Umweltbehörden im Landkreis Hildburghausen ist das Unternehmen seit 2013 ein Begriff. Damals floss aus der Anlage in Lengfeld eine größere Menge Gülle in den Weißbach. Hunderte Forellen verendeten. Nach Angaben der Behörde soll die Havarie durch eine nicht genehmigte Zentrifuge ausgelöst worden sein.

Das Unternehmen dagegen spricht von technischen und menschlichen Fehlern. Sie sollen auch für den Vorfall am Silvestertag verantwortlich sein. Am 31.12.2016 sei die Gülle "durch eine unsachgemäße Schieberbetätigung" ausgelaufen. Für den Abfluss in den nahen Weißbach macht der frühere Geschäftsführer der insolventen Betreiberfirma in einem Schreiben an MDR Thüringen die Untere Wasserbehörde und die örtliche Feuerwehr verantwortlich. Sie hätten keine Maßnahmen ergriffen, die das Ablaufen von Gülle in den Weißbach reduziert oder verhindert hätte. Die Ortsfeuerwehr sieht das anders. Sie habe in Absprache mit dem Behördenleiter mehrere Gullys auf dem Gelände der Biogasanlage abgedichtet und Stroh ausbreiten lassen, um die Gülle zu binden.

Mitverantwortung der Behörden?

In dem Schreiben des ehemals verantwortlichen Geschäftsführers heißt es weiter: Die Untere Wasserbehörde habe nach der ersten Havarie 2013 den Vorschlag des Unternehmens abgelehnt, eine Auffanggrube zu errichten. Mit dieser Auffanggrube hätte der Schaden verhindert werden können. Aktuell prüfe der TÜV Thüringen die vorgeschlagene Sicherungsmaßnahme. "Sobald die behördliche Genehmigung vorliegt, werden wir die Auffanggrube realisieren."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 20.04.2017 | 18:30 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 21:06 Uhr

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2 Kommentare

22.04.2017 10:38 Dieter Röhrig 2

Als unmittelbarer Nachbar dieser Anlage ist es mir unbegreiflich wie man so eine Anlage überhaupt genehmigen konnte. Hier wird die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt! Die Geruchsbelästigung sowie das erhöte Verkehrsaufkommen sind unerträglich. Im Jahre 1992 sollte an gleicher Stelle ein Steinbruch eröffnet werden. Da aber ein Gutachten erstellt wurde kam es nicht dazu! In diesem Gutachten wurde klar dargelegt das die Bevölkerung durch Staub und erhötem Verkehrsaufkommen beeinträchtigt wird. Mit dieser Anlage ist es nicht anders. Die Verantwortlichen für die Genehmigung dieser Anlage sollten zur Verantwortung gezogen werde!! Ich hoffe das dieser Wahnsinn bald ein Ende hat. Die geblackte Gülleregenwürmer (falls noch vorhanden) würden sich bedanken. MfG

20.04.2017 09:32 Weiter so! 1

Die Plastiktüten sollen "die Welt retten", und den Nutzern dieser Behältnisse wird ein schlechtes Gewissen eingeredet. Aber was hier passiert - und das ist kein Einzelfall - ist weitaus schlimmer und verläuft im Sand. Da soll einer noch die Welt verstehen.

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