Thüringen

Mangelnde Aussagekraft : Kritik an Thüringer Flächenstatistik

Auch zwei Jahrzehnte nach der deutschen Vereinigung gibt es keine gesicherten Zahlen darüber, wie die Thüringer Landesfläche genutzt wird. Das Landesamt für Vermessung und Geoinformation und das Landesamt für Statistik halten die regelmäßig veröffentlichten Katasterdaten für nicht aussagekräftig. Dem Thüringer Umweltministerium und dem Bauernverband ist diese geringe Belastbarkeit der Statistiken bislang nicht bewusst. Auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN zeigten sich beide überrascht.

Heinrich Rotthaus, Abteilungsleiter Kataster im Landesamt für Vermessung und Geoinformation, sagte, es lägen beispielsweise kaum aktuelle Angaben zur Landwirtschaftsfläche vor und es lasse sich kein Trend ablesen. Bei den Siedlungsflächen dürften die Ungenauigkeiten geringer sein, weil es in diesem Bereich mehr aktuelle Vermessungen gebe. Es lasse sich aber nicht sagen, wie viele Hektar Land pro Jahr in Thüringen versiegelt würden.

Stromtrasse in Thüringen geht quer zur Autobahn
Neu gebaute Autobahnen finden ihren Weg in die Flächenstatistik erst bis zu sieben Jahre nach Fertigstellung.

Die Referatsleiterin Landwirtschaft im Thüringer Landesamt für Statistik, Silke Schreiber, hält die öffentliche Flächenstatistik ebenfalls für kaum belastbar. Die These, dass die Landwirtschaft Flächen verliere, spiegelten die Zahlen beispielsweise nicht wider. Es gäbe mehrere Gründe für die mangelnde Aussagekraft: So würden bis heute falsche Flächenzuordnungen aus DDR-Zeiten korrigiert. Der Umfang dieser Korrekturbuchungen sei jedoch unbekannt. Andererseits tauchten große Bauprojekte wie neue Autobahnen erst bis zu sieben Jahre nach Fertigstellung in der Flächenstatistik auf. Auch andere Erhebungen wie die Landwirtschaftszählungen aus den Jahren 1999 und 2010 zeigten keine Entwicklung auf. Die Daten seien schlecht vergleichbar, weil nicht jedes Mal dieselben Betriebe meldepflichtig gewesen seien, so Schreiber.

Bessere Daten zur Flächennutzung versprechen sich die Fachleute von einem neuen Computersystem. Das für die Kataster zuständige Landesamt für Vermessung und Geoinformation bereitet derzeit den Umstieg auf das neue "Amtliche Liegenschaftskataster Informationssystem" (ALKIS) vor. Ende des Jahres beginne die heiße Phase, so Abteilungsleiter Heinrich Rotthaus. Dann werden die bisher getrennten Liegenschaftsbücher und Liegenschaftskarten zusammengefasst. Dabei würden auch Fehler korrigiert sowie Doppelungen und Unklarheiten beseitigt. Später sollen erstmals zusätzlich Flächendaten anderer Behörden einfließen, um die Aktualität zu erhöhen. Das neue ALKIS-System soll Anfang 2014 in Betrieb gehen.

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2012, 11:54 Uhr

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