Handwerk : Thüringen hat immer weniger Fleischer
Thüringen gehen allmählich die Fleischer aus. Nach Zahlen der Handwerkskammern hat seit dem Jahr 2000 mehr als jeder vierte selbstständige Fleischer seinen Betrieb geschlossen. Derzeit gibt es noch 550. Noch drastischer ist der Rückgang bei den Lehrlingen. Im vergangenen Jahr gab es nur noch 111 Auszubildende, 70 Prozent weniger als zur Jahrtausendwende.
Kleine Fleischer haben nur nach Lebensmittelskandalen Zulauf
Die Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes, Helgard Anding, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn nicht gerade ein Kind in die Fußstapfen tritt, ist die Betriebsnachfolge meist schwierig." Zu schaffen mache dem Handwerk vor allem die Konkurrenz der Supermärkte, die oftmals mit Lockangeboten die Verbraucher ködern. Damit könnten die kleinen Geschäfte mitunter nicht mithalten, bestätigt auch der Sprecher der Handwerkskammer Ostthüringen, André Kühne. Anding ergänzt, es sei zwar immer wieder zu beobachten, dass der Zulauf in den Geschäften steige, wenn Fleischskandale Schlagzeilen machen, das ebbe aber relativ schnell wieder ab.
Innungverband fürchtet um Vielfalt im Bratwurstland
Die Innungsverbandschefin betonte, dass mit dem Sterben der Fleischereien auch die Wurst-Vielfalt leide. Neben der Rostbratwurst seien auch Leberwurst oder die Rotwurst typische Thüringer Würste. Und jeder Fleischer biete andere Rezepte. Zudem sei in manch kleinerer Gemeinde der Fleischer der letzte Laden im Ort - der oftmals auch noch etliche andere Lebensmittel verkaufe. Finde sich da kein Nachfolger, leide das soziale Leben auf dem Land. Die Einwohner müssten dann nicht nur weite Wege zum Einkauf auf sich nehmen, sondern auch auf den Plausch mit dem Nachbarn oder Verkäufer an der Theke verzichten.

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.