Energiewirtschaft Thüringer Netzbetreiber zahlen an Flexstrom-Insolvenzverwalter

Mehrere Thüringer Stromnetzbetreiber zahlen einen Teil der Millionenforderungen an den Insolvenzverwalter des zahlungsunfähigen Billigstromanbieters Flexstrom. Rechtsanwalt Markus Ladenburger sagte MDR THÜRINGEN, die von seiner Kanzlei vertretenen Thüringer Stadtwerke hätten sich mit dem Insolvenzverwalter außergerichtlich geeinigt. Wieviel die Unternehmen gezahlt haben, wollte Ladenburger nicht sagen. Die Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) hatte nach eigenen Angaben bundesweit rund 130 Netzbetreiber gegen den Flexstrom-Insolvenzverwalter vertreten, darunter etwa ein Dutzend aus Thüringen.

Vom Hubschrauber aus werden 2007 die Hochspannungsleitungen der e-on Thüringer Energie AG inspiziert.
Hochspannungsleitungen der Netztochter der Thüringer Energie AG. Bildrechte: dpa

Viel weniger als gefordert gezahlt

Nach MDR-Informationen hatte der Insolvenzverwalter von den Stadtwerken beziehungsweise deren Tochterunternehmen Netzentgelte zurückgefordert, die Flexstrom von 2009 bis 2013 gezahlt hatte. Hintergrund ist eine Regelung des Insolvenzrechts, nach der Geschäftspartner kein Geld mehr von einem Unternehmen verlangen dürfen, das bereits insolvent ist oder sichtlich kurz davor steht. Dies das wird als Benachteiligung anderer Gläubiger gewertet. Die Forderungen lagen zwischen 60.000 und einer Million Euro. Die nun in den Vergleichsverhandlungen vereinbarten Zahlungen waren nach MDR-Informationen deutlich geringer. Ladenburger sagte, die Vergleichsangebote hätte man "unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur schwer ablehnen" können.

Auch TEAG-Netztochter handelt Vergleich aus

Auch die Netztochter der Thüringer Energie AG (TEAG) hat sich mit dem Flexstrom-Insolvenzverwalter außergerichtlich geeinigt. Diese Einigung sei bereits im November vergangenen Jahres erzielt worden, sagte TEAG-Sprecher Martin Schreiber dem MDR. Über Details sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Nach MDR-Informationen hatte der Insolvenzverwalter von der TEAG ursprünglich mehrere Millionen Euro gefordert.

600.000 Kunden von Flexstrom-Insolvenz betroffen

Über die Berliner Flexstrom AG und eine Reihe von verbundenen Unternehmen war am 1. Juli 2013 das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Stromanbieter rund 600.000 Kunden und von diesen in der Regel Vorauszahlungen für die Stromlieferungen verlangt.

Verhandlungen mit TelDaFax-Verwalter dauern an

In einem ähnlichen Fall gibt es dagegen noch kein Ergebnis: Seit fast zwei Jahren fordert auch der Insolvenzverwalter des Stromanbieters TelDaFax von der TEAG zuvor gezahlte Netzentgelte zurück. Hierbei geht es um rund 18 Millionen Euro aus den Jahren 2009 bis 2011. Man arbeite noch an einer außergerichtlichen Einigung, sagte TEAG-Sprecher Schreiber. Das Insolvenzverfahren über TelDaFax läuft seit September 2011. Betreut werden die beiden Insolvenzverfahren von der Frankfurter Kanzlei White & Case. Eine Sprecherin teilte MDR THÜRINGEN auf Anfrage mit, man äußere sich nicht zu Details dieser laufenden Verfahren.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 07.05.2017 | ab 6 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2017, 06:00 Uhr

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