Gebietsreform

"Angst, Pöstchen zu verlieren" : Machnig wirft CDU Blockade bei Gebietsreform vor

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig hat dem Koalitionspartner CDU vorgeworfen, aus Angst vor Machtverlust eine Gebietsreform in Thüringen zu blockieren. Die Christdemokraten hätten "Angst, Pöstchen zu verlieren", sagte Machnig am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist...!". Man könne aber die Zukunft des Landes nicht von dieser Angst abhängig machen. Thüringen brauche eine Reform, weil es in den kommenden Jahren weiter massiv Einwohner verlieren werde und deshalb Anstrengungen unternehmen müsse, um den Landeshaushalt zu konsolidieren. Die CDU habe in den vergangenen 20 Jahren dabei versagt, adäquate Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Andere Länder hätten vorgemacht, wie man zu vernünftigen Verwaltungseinheiten komme.

Machnig
Wirft der CDU Versagen vor: Wirtschaftsminister Machnig (SPD)

Der SPD-Politiker verwies darauf, dass die von der Landesregierung eingesetzte Kommission Landkreise in der Größe von 150.000 bis 170.000 Einwohnern vorgeschlagen habe. Diese Größen seien auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt eingeführt worden. "Jetzt müssen wir Zuschnitte finden, damit die Mitarbeiter der Verwaltungen und die Bürger wissen, wie es weitergeht." Thüringen sei beispielsweise noch enorm schwach bei der Nutzung des Internets für Verwaltungsgänge. Auch in der Wirtschaft gebe es eine große Zustimmung für eine Verwaltungsreform. Zudem seien schon heute viele Kommunen nicht mehr in der Lage, ihre Haushalte auszugleichen. Angesichts des Rückgangs der Einwohnerzahlen "werden diese Probleme weiter zunehmen".

Voigt: Großkreise zerstören Identität

Dr. Mario Voigt, Generalsekretär der CDU Thüringen
Thüringen braucht "keine Schablonen von anderen Ländern": CDU-Generalsekretär Voigt

Der Generalsekretär der Thüringer CDU, Mario Voigt, warnte in der Sendung davor, mit einer Reform regionale Identitäten zu zerstören. "Wir müssen zuerst eine Verwaltungsreform machen, die bürgernahe Strukturen sicherstellt", sagte er. Diese Priorität habe auch Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gesetzt. Landkreise mit Flächen von 3.000 Quadratkilometern - wie von der Kommission vorgeschlagen - zerstörten die Thüringer Identität. "Wir brauchen Thüringer Rechnungen und keine Schablonen von anderen Ländern, die nicht funktioniert haben", sagte Voigt. Beispielsweise habe keiner der in Mecklenburg-Vorpommern bei einer Gebietsreform neu gebildeten Landkreise heute einen ausgeglichenen Haushalt.

Zitzmann: Thüringen hat ein Aufgabenproblem, kein Gebietsproblem

Christine Zitzmann, Landrätin des Landkreises Sonneberg
Erst klären, wer welche Aufgaben wahrnimmt: Sonneberger Landrätin Christine Zitzmann

Die Landrätin des Kreises Sonneberg, Christine Zitzmann (CDU), sagte, Thüringen habe "ein Aufgaben- und Finanzproblem, kein Gebietsproblem". Zunächst müsse geklärt werden, welche Aufgaben von Landkreisen und Gemeinden künftig wahrgenommen werden sollen, danach könne man über Gebietsveränderungen reden. Der Landkreis Sonneberg habe seit 1994 insgesamt 49 zusätzliche Aufgaben übertragen bekommen, die zuvor vom Land wahrgenommen wurden. "Und wenn man große Städte und Gemeinden haben will, dann muss man auch Aufgaben dorthin abgeben", sagte Zitzmann weiter. Als Beispiel nannte sie die Trägerschaft für Grund- und Regelschulen, die derzeit bei den Landkreisen liegt und nur auf kommunalen Antrag an Gemeinden übertragen werden kann.

Zitzmann hatte Anfang Februar mit ihrer Drohung für Aufregung gesorgt, dass der Landkreis Sonneberg nach Bayern wechseln könne, wenn er in einen Großkreis Südthüringen eingegliedert würde. Diese Drohung relativierte sie in der MDR-Sendung. Dies sei ihre persönliche Meinung, sagte sie. Für ihren Landkreis habe sie aber die große Sorge, dass bei einer Gebietsreform der Wirtschaftsstandort geschwächt werden könnte. Der Kreis habe sich in den vergangenen Jahren zu einer starken Bildungs- und Wirtschaftsregion entwickelt. Ihren "Ausreiseantrag" nach Bayern ziehe sie zurück, wenn dieser Standort innerhalb Thüringens größer werden könne.

Dette: Einige staatliche Aufgaben aufgeben

Dr. Hans Walter Sebastian Dette, Präsident des Thüringer Landesrechnungshofes
Will den Bürgern viel mehr selbst überlassen: Rechnungshof-Präsident Dette

Der Präsident des Thüringer Rechnungshofes, Sebastian Dette, sagte, es sei unabdingbar, dass das Land seine bisherigen Aufgaben kritisch hinterfrage. Er plädierte dafür, einige staatliche Aufgaben aufzugeben und "viel mehr den Bürgern selbst zu überlassen". Das Land müsse in den nächsten Jahren mindestens 20 Prozent seines Personals einsparen. Allein die Personalkosten machten ein Viertel bis ein Drittel des Landesetats aus. Zugleich warnte Dette vor "Schnellschüssen" bei einer Reform. Man müsse jetzt gründlich arbeiten und die "Effizienzrenditen" einer Verwaltungsreform plausibel machen.

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2013, 06:00 Uhr

8. Verdana:
Man sollte die Kirche im Dorf lassen und solche Fantasien erst einmal weg stecken. Das mutet alles sehr kleingeistig an, zu mal es noch kein Reformkonzept des Landes gibt. Das ist eigennützige Panikmache und München ist noch weiter weg als Erfurt. Das Zerpflücken von Thüringen bringt auch unnütze Kosten wo schon einige Gemeinden und Städte genügend mit ihren Schulden zu kämpfen haben diese zu tilgen. Deshalb sollte man nicht so wahnwitzige Aussagen machen, die dann ins Leere laufen..
20.02.2013
18:35 Uhr
7. reformation:
Verwaltungsreform und neue Abläufe sind gleichzeitig nötig. Ein Minus von 15.000 Planstellen wird erst 2030 wirksam. 12.000 Einwohner erneut Stückwerk. 60.000 Einwohner pro Verwaltung sparen die Kosten für attraktive Infrastrukturen Das sichern 18 OB in Residenzen in bisherigen Kreisgrenzen. Landräte und Kreisumlagen mit komplizierter Geldverteilungsmaschinerie braucht kein Bürger.
19.02.2013
21:45 Uhr
6. Tom:
Das Luxusproblem der marktverzerrenden staatlichen Subvention der Deckhengste betrifft nur einen allerkleinsten Bruchteil der Thüringer. Die betreffende Subvention ist der Höhe nach zu niedrig, um sie jahrelang als exemplarisch anzuführen. Gibt es nichts Wesentlicheres? Der Normalbürger muss ERNST GENOMMEN WERDEN und es ist der Eindruck entstanden, dass nur noch Landräte dies wirklich tun. Zudem kann es nicht sein, dass man sich selbstverständlich einig ist über die Reduktion der Landesverwaltung ohne eine Aussage zu treffen, auf welche Leistung man verzichten will... Keine Beteiligtengruppe sollte per se und global als Sündenbock für hohe Kostenlasten definiert werden.
19.02.2013
21:20 Uhr
5. Klapse:
Ich würde dennoch die Sache etwas diffenzierter sehen, und kann dem Modell mit den 4 Großkreisen durchaus etwas vernüftiges abgewinnen. Viele verwechseln auch die Begriffe: Regionen haben doch nix mit Kreisen zu tun. Das Eichsfeld z.B. verteilt sich momentan auf fünf verschiede Kreise und lebt schon immer damit. Bei richtig großen Verwaltungseinheiten bleiben die Regionen durchaus erhalten, während sie bei den Vorschlägen der sogenannten Expertenkommission z.T. zerstückelt werden. Als Ostthüringer kann ich durchaus mit einer Kreistadt Gera immer noch besser leben, als mit dem Dorf Schleiz. Eines stimmt aber freilich auch: Die Finanzen müssen so oder so in Ordnung gebracht werden, und die Bürgernähe darf nicht unter größeren Strukturen leiden!
19.02.2013
13:06 Uhr
4. Kritiker:
Die einfachste Lösung wäre eine Angliederung der Landkreise südlich der A4 an Bayern oder Hessen. Die LK nördlich der A4 werden Sachsen-Anhalt oder Sachsen zugeordnet. Vorteile: -Löhne,Gehälter,Renten für die Neubayern o. -hessen auf 100 % West -Einsparung von Landesregierung, Landtag u. Landesverwaltungsamt -Machnig und Rammelow suchen sich eine neue Aufgabe
19.02.2013
10:28 Uhr
3. Gerhard Martin:
Ich fand das Auftreten von Herrn Machnig eines Ministers unwürdig! Anstatt mit Fakten und nochmals Fakten seinen Standpunkt zu untermauern, hat er wie zu besten Kampa-Zeiten Phrasen gedroschen. Wenn ein Landkreis nicht ordentlich geführt wird, ist es auch egal, wie viele Einwohner er hat. Schulden kann man auch bei einer Größe von 200.000 Einwohnern machen und wirtschaftlich erfolgreich kann man auch sein, wenn die Kreise Sonneberg oder Eichsfeld heißen und nur um die 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner haben. Reduziert die aufgeblähten Verwaltungen und kontrolliert im vernünftigen Maß die Finanzen der Kommunen, ohne ihnen den eigenen Spielraum zu nehmen. Damit will ich sagen, dass eine Gemeinde auch noch Raum für freiwillige Aufgaben wie Freibad oder Bibo haben muss. Dies ist ein Stück Lebensqualität im ländlischem Raum und muss erhalten bleiben!
19.02.2013
09:21 Uhr
2. Willi Meyer:
Überall fehlt Geld. Thüringen ist mit 16 Mrd.€ verschuldet. Warum fängt die Landesregierung nicht bei sich selbst an mit Kürzungen ? 1991 wurde mit absoluter Mehrheit der CDU eine völlig überzogene Pensionsregelung für Thüringer Landesminister - also CDU-Selbstversorgung auf Kosten der Steuerzahler - eingeführt. Als vor mehr als 2 Jahren bekannt wurde, dass Althaus mit 51 Jahren lebenslang monatlich 8.500 € Pension kassiert, sollte das geändert werden. Was ist bisher passiert ???
19.02.2013
09:00 Uhr
1. Wolfgang53:
Nach der gestrigen Sendung ist es für mich klar : so schnell wie möglich den Anschluß nach Bayern suchen . Besonders der Auftritt des " Mißwirtschaftsministers" war der Gipfel . Auch der CDU Sprecher war nicht geade überzeugend , zumal die CDU fast 20 Jahre mit Mehrheiten in Thüringen regierte . Was hätte man da alles regeln können . Wenn schon eine " Heirat" der LK stattfinden muß , dann heiraten wir den reichen Bräutigam als das Auslaufmodel Thüringen . Die Frage ist nur , was wir mit den vielen Spezialisten in der Landesregierung und im Landesverwaltungsamt machen. In der Wirtschaft kann sie sicher keiner brauchen . Die " porta frankonia" steht offen . Gehen wir hindurch und dahin wo wir hingehören .
19.02.2013
06:34 Uhr

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