Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
In Thüringer Schulen wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2.045 Straftaten registriert. Das sind 12,4 Prozent mehr als 2015. Bildrechte: dpa

Kriminalstatistik Straftaten an Schulen nahmen 2016 deutlich zu

Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
In Thüringer Schulen wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2.045 Straftaten registriert. Das sind 12,4 Prozent mehr als 2015. Bildrechte: dpa

An Thüringer Schulen hat die Zahl der Straftaten deutlich zugenommen. Wie das Landeskriminalamt MDR Thüringen mitteilte, wurden an Thüringer Schulen im vergangenen Jahr insgesamt 2.045 Straftaten registriert. Das sind 12,4 Prozent mehr als 2015.

Besonders stark stieg die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit und zwar im Vergleich zum Vorjahr um 16,2 Prozent. Dazu zählen Delikte wie Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung (Stalking) und Geiselnahme. Rund ein Drittel aller an Schulen begangenen Straftaten entfiel auf diese Deliktgruppe, von der auch die Thüringer Lehrer zunehmend betroffen sind. Die Angaben basieren vor allem auf einer Landtagsantwort des Bildungsministeriums zu Fällen 2010 bis 2015.

Kein einheitlicher Trend


In dieser Zeit lag die Zahl der Rohheitsdelikte zwischen 549 und 603, wobei sich Zunahme und Rückgang jährlich abwechselten. Die Gesamtzahlen der Straftaten schwankte zwischen 1.762 im Jahr 2013 und 2.129 im Jahr 2010, ebenfalls ohne einheitlichen Trend.

Lehrer beklagen zunehmende Gewalt - auch gegen sich

Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes, sagte MDR THÜRINGEN, eine Mitgliederbefragung habe ergeben, dass Lehrer schon an Grundschulen immer öfter Opfer psychischer und physischer Gewalt werden. Mehr als 45.000 Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland, davon über 1.000 allein in Thüringen, sind in den letzten fünf Jahren bereits Opfer tätlicher Angriffe in der Schule geworden. Das ergab eine auf Thüringen bezogene Hochrechnung aus einer bundesweit repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zum Thema Gewalt gegen Lehrer.

Der Thüringer Lehrerverband forderte konsequentere Strafen. Alle Vorfälle an Schulen müssten angezeigt und verfolgt werden, sagte Landesvorsitzender Vorsitzende Rolf Busch MDR THÜRINGEN.
Es gebe kaum noch Tabus in Thüringer Klassenzimmern: Es werde geschlagen, getreten und zur Waffe gegriffen. Aber auch die Gewalt gegen Lehrer nimmt nach Angaben des Lehrerverbandes zu. Diese Angriffe sollten genauso geahndet werden wie auf Polizeibeamte, Sanitäter oder Feuerwehrleute, so der Vorschlag von Busch. Die Gründe für mehr Gewalt sind aus Sicht der Lehrer vielfältig: Große Klassen und mangelnde Fürsorge von einem Teil der Eltern gehören dazu. Auch die Verrohung der Sprache ist aus Sicht des Lehrerverbandes ein Auslöser.

Haftbefehl nach Attacke in Roßleben

Am Montag war es zu einer Gewalttat in der Klosterschule Roßleben im Kyffhäuserkreis gekommen. In einem Klassenzimmer des Gymnasiums hatte ein 15-jähriger Schüler einen 14-jährigen Mitschüler mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt. Zuvor soll es laut Polizei einen heftigen Streit zwischen den beiden gegeben haben. Gegen den 15-jährigen mutmaßlichen Täter wurde Haftbefehl erlassen - er sitzt in Untersuchungshaft. Dem Jugendlichen wird versuchter Mord vorgeworfen.

Hinweise zur Polizeilichen Kriminalstatistik: Solche Auswertungen basieren auf Sonderrecherchen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zur "Tatörtlichkeit Schule" (umfriedetes Gelände von Schulen aller Art). Taten im Umfeld der Schulen werden darin nicht erfasst. Angriffe von außen, wie Sachbeschädigungen, Einbruch, Brandstiftung usw. können nicht differenziert dargestellt werden. Zum Deliktsbereich "Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit" zählen in der PKS z. B. die Delikte Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung (Stalking), Geiselnahme und Menschenhandel.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13.09.2017 | 05:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 17:14 Uhr

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36 Kommentare

15.09.2017 17:17 Ekkehard Kohfeld 36

@ Heike 32 Wenn ich mich nicht täusche, dann diskutieren wir hier in einem Forum des MDR über das Thema Gewalt an Schulen und mangelndem Respekt im Alltag. Von daher ist ihre Gewichtung des Problems auf 'Muslime' und 'antiautoritäre Erziehung' doch nur Irrweg anzusehen.##Ach und wie ist es damit?
"3 syrische Jugendliche gehen in Schule in Merseburg mit stahlketten auf Deutsche los."Dass sind bestimmt auch wieder nur traumatisierte Einzelfälle.Wann werdet ihr mal wach.Wenn ihr euren Kopf unterm Arm tragt oder wann?

15.09.2017 12:40 Ekkehard Kohfeld an Whataboutism (25) 35

Whataboutism (25) @Lass dir einmal etwas über Respekt erzählen:##Da ist es schon wieder das Nazi - Hafte duzen ich bin nicht ihr Parteigenosse den man ungefragt duzen kann.##Dieser hat nichts damit zu tun, dass man gewisse Formen einhält, sondern damit, dass man den anderen ernst nimmt und auf ihn eingeht. Zugegebenermaßen fällt dies hier im Forum oft schwer, wenn da nur pauschale Hetze und Diskrimminierung geäußert wird.##Dann fangen sie doch mal an sich an ihre eigen Richtlinien zu halten so sind das alles nur hohle Fake - News weil sie selber es nie tun und somit brauchen sie auch nicht rum heulen gleiches Recht für alle.##@ Heike 32 Die oben geschilderten Probleme benötigen wie alle gesellschaftlichen Probleme eine lange Reifezeit, bis ihre Auswirkungen als störend und den Alltag negative dominierend wahr genommen werden.##Ach und wie lange gibt es die antiautoritäre Erziehung schon erst seit gestern.

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