Thüringen Großer Bedarf an Leiharbeitern

Für Zeitarbeitsfirmen wird es in Thüringen immer schwerer, Personal zu finden. Wie die Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/ Thüringen MDR THÜRINGEN auf Anfrage mitteilte, dauert es derzeit durchschnittlich 13 Wochen, offene Leiharbeiter-Stellen zu besetzen - gut drei Wochen mehr als vor zwei Jahren. Die Zeitarbeitsbetriebe hätten den größten Bedarf aller Branchen an neuen Mitarbeitern. Fast 40 Prozent aller Stellenangebote kämen aus diesem Bereich. Im November hatten die Unternehmen der Arbeitsagentur 8.276 offene Leiharbeiter-Stellen in Thüringen gemeldet. Damit ist Zahl ist deutlich gestiegen: Vor einem Jahr waren 7.783 Leiharbeiter-Stellen unbesetzt, im November 2014 7.039.

Leiharbeiter aus Polen und Tschechien

Ein Mann liest mit Hilfe eines Computers Autodaten aus.
Werden gesucht: Mechatroniker. Bildrechte: Colourbox.de

Die Thüringer Beauftragte des Interessenverbandes deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Ulrike Kücker, sieht besonders bei Elektrikern und Schweißern Engpässe. Es werde schwerer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, da es zu wenig Nachwuchs gebe. Außerdem werden nach Angaben des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) händeringend Kranken- und Altenpfleger, Kältetechniker, Mechatroniker und Ingenieure gesucht.

Wie Bezirkssprecherin Sandra Jahn MDR THÜRINGEN sagte, nutzen viele Kundenunternehmen die Zeitarbeit, um selbst neue Mitarbeiter zu rekrutieren und abzuwerben. Laut Jahn stellen die Personaldienstleister deshalb inzwischen verstärkt Leiharbeiter aus Polen und Tschechien ein. Sie sind meist in der Lagerwirtschaft, in der Metallbearbeitung und im Maschinenbau tätig.

Neue Regelungen für Leiharbeiter ab April

Ab April kommenden Jahres greift ein neues Gesetz, das den Einsatz von Leiharbeitern in einem Betrieb auf maximal 18 Monate begrenzt. Nach spätestens neun Monaten müssen sie dann den gleichen Lohn erhalten wie Stammbeschäftigte. Derzeit verdienen Leiharbeiter Studien zufolge durchschnittlich 20 Prozent weniger. Die Verbände der Zeitarbeitsbranche befürchten, dass es dadurch deutlich schwerer wird, zum Beispiel bei länger andauernden Eltern- oder Pflegezeiten Leiharbeiter einzusetzen. Auch Projekten von IT-Experten und Ingenieuren in der Automobilindustrie, im verarbeitenden Gewerbe oder in der chemischen Industrie seien künftig Grenzen gesetzt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Thüringen (DGB) begrüßt zwar Verbesserungen für die Arbeitnehmer, befürchtet aber "Drehtüreffekte". Es bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen die Leiharbeiter kürzer entleihen als bisher und nach einer Beschäftigungspause wieder neu beschäftigen, sagte DGB-Wirtschaftsexperte Rolf Düber MDR THÜRINGEN. Die Gewerkschaft IG Metall teilt diese Sorge offenbar nicht. Der Bevollmächtigte für den Bezirk Eisenach, Uwe Laubach, sagte dem MDR, es gebe in der Region nicht mehr so viele Zeitarbeiter mit den geforderten Qualifikationen. Zurzeit sind nach seinen Angaben in der Metall- und Elektrobranche rund um Eisenach etwa 700 bis 800 Arbeiter über Verleihfirmen beschäftigt. In Spitzenzeiten waren es doppelt so viele.

Nach Angaben des Verbandes der Wirtschaft Thüringen (VWT) sind für die Unternehmen Werkverträge und Zeitarbeit unverzichtbar, um Auftragsspitzen abzufedern. Sprecherin Ute Zacharias sagte dem MDR, durch die neuen Regeln erwarteten die Unternehmer einen größeren Aufwand, um die Löhne für die Leiharbeiter zu berechnen. So müssten Stundenlohn, Qualifikation und Zulagen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld betrachtet und dem Verdienst der Stammbelegschaft angeglichen werden. Wie das geschehen soll, habe die Bundesregierung jedoch nicht eindeutig formuliert, kritisiert der VWT.

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2016, 18:40 Uhr

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50 Kommentare

30.12.2016 18:38 Eulenspiegel 50

Also ich kann da nur meine Erfahrungen weitergeben. Ich bin jetzt Rentner und immer noch Gewerkschaftsmitglied, Gottseligkeit. Denn ich habe da ein Rechtsstreit mit der Rentenversicherung. Und ohne den Kollegen Rechtsanwalt hätte ich da keine Chance. In meinem gesamten Berufsleben habe ich mich immer gut vertreten gefühlt. Und ich hatte auch immer einen Ansprechpartner wenn es um Arbeitsrechtliche Fragen ging. Darum kannte ich mich da sogar einige male besser aus als mein Arbeitgeber. Ich jedenfalls halte das für wichtig seine Rechte zu kennen und die Möglichkeit zu haben diese Rechte auch durchzusetzen. Also ich denke das dies ohne Gewerkschaft, vorsichtig ausgedrückt, schwierig ist.

30.12.2016 17:39 REXt 49

An@48 Eulenspiegel: Danke , habe ich gewußt, das ,das nur Scheingewerkschaften sind, vielleicht habe ich es nicht richtig ausdrücken können! Ob nun richtige o.Scheingewerkschaften, spielt für mich schon lange keine Rolle mehr. Beide vertreten nicht wirklich Arb. Nehmer Interessen !