Thüringen

Thüringer Landeshaushalt : Einigung im Streit um Etat-Reserve

CDU und SPD haben in dem seit Dezember schwelenden Streit um die sogenannte Bewirtschaftungsreserve im Landeshaushalt dieses Jahres einen Kompromiss gefunden. Wie Finanzministerium und Staatskanzlei mitteilten, soll die von Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) verordnete Rückstellung geringer ausfallen als geplant. Statt 60 Millionen sollen nur noch etwa 41 Millionen Euro wegen konjunktureller Unsicherheiten bis Mai auf Eis gelegt werden und die Ministerien selbst darüber entscheiden können.

Europa in der Krise
Kompromiss über Etat-Reserve gefunden

Voß hatte Ende Dezember, kurz nach der Landtagsentscheidung zum Etat 2012, per Erlass angeordnet, 20 Prozent der nicht durch Gesetze, Programme oder verbindliche Zusagen gebundenen Gelder als Reserve einzufrieren und dies mit Einnahmerisiken begründet. Nach der Mai-Steuerschätzung solle "die Vorsichtsmaßnahme" allerdings überprüft werden.

Der Erlass hatte für Kritik vor allem von sozialen Institutionen und der Landtagsopposition gesorgt, aber auch in Ministerien der Koalitionsregierung, denn besonders betroffen waren die von der SPD geführten Ressorts für Soziales sowie Bildung und Kultur. Unter anderem galt die Finanzierung von Frauenhäusern und des Kunstfestes in Weimar als gefährdet.

Zuletzt hatte die Intendantin des Kunstfestes, Nike Wagner, gegen die Kürzungen protestiert und in einem Brief an Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sogar mit Rücktritt gedroht.

Nun jedoch einigten sich Voß sowie Kultusminister Christoph Matschie und Sozialministerin Heike Taubert von der SPD bei einem Treffen mit Lieberknecht auf einen Kompromiss. Nach Angaben der Staatskanzlei erhalten die Ministerien die von ihnen geforderte Flexibilität, selbst zu entscheiden, welche Ausgaben eingefroren werden. Es müsse aber noch festgelegt werden, wie hoch der Anteil der einzelnen Häuser an der 41-Millionen-Euro-Reserve sein werde.

Erleichterung in Weimar - Linke will Sperre ganz aufheben

"Ich bin sehr erleichtert", sagte Kunstfest-Intendantin Nike Wagner am Dienstag. Gleichwohl bleibe die Finanzierung eine schwierige Angelegenheit. Nach Angaben von Matschie ist die auf der Kippe stehende Finanzierung des Kunstfests in diesem Jahr gesichert. Auch andere Projektfördermittel könnten jetzt fließen, etwa für die Bachwochen oder das Tanz- und Folkfest in Rudolstadt. Der Vize-Regierungschef zeigte sich zufrieden mit der Einigung. Die einzelnen Ministerien hätten nun wieder volle Hoheit über ihre Haushalte.

Der Linken geht die Lockerung der "kleinen Haushaltssperre" nicht weit genug. Eine Sprecherin der Fraktion sagte, im Sozialbereich sei damit wenig gewonnen. Die meisten Träger und Projekte hätten derart knapp kalkuliert, dass sie auf die volle Unterstützung angewiesen sind. Frauenzentren zum Beispiel seien weiter in ihrer Existenz bedroht. Mit einem Dringlichkeitsantrag im Landtag wolle man erreichen, dass die Rückstellungen ganz aufgehoben werden.

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2012, 19:04 Uhr

4. Goethe:
Weg mit Subventionen, sie machen jeden Staat kaputt. Thüringen muss sparen. Jeder findet ein Argument, warum gerade bei ihm nicht gespart werden muss. Investive Ausgaben helfen dagegen allen und bringen Arbeit unters Volk!
21.02.2012
20:11 Uhr
3. Hans Meiser:
Ich gebe Frau Andrea Wagner vollkommen recht. In Thüringen brennt es in der sozialen Arbeit, uns wir subventionieren das Kunstfest einer wohlhabenden, überalterten und elitären Minderheit.. Ich zitiere hier einmal aus dem Programm des Kunstfestes 2012: Motto „Anrufung“lautet das Motto 2012 Die große Ausstellung 2012 hieß die prominente Kunstströmung der 60/70er Jahre, die hier eine Retrospektive erfährt: „Armut“ der Materialien als spirituelles Konzept...Für unseren Schwerpunkt Tanz haben wir den stilistisch vielseitigen und außerordentlich erfolgreichen marokkanisch-flämischen Choreographen Sidi Larbi Cherkaoui verpflichtet, dessen Arbeit das Thema der Weltreligionen und Weltkulturen variiert. An Goethes Geburtstag wird Murnaus Stummfilm "Faust" mit neuer Musik erklingen ("Faust/Klang" von Tobias Schwencke) und zum 100. Geburtstag des amerikanischen Komponisten John Cage entsteht ein Cage-Projekt (Musik und experimenteller Tanz).
21.02.2012
17:26 Uhr
2. Hans Meiser:
Die Damen und Herren Landespolitiker sollten einmal darüber nachdenken, inwieweit die Subventionierung des doch sehr elitären und vergeistigten Kunstfestes Weimar noch zeitgemäß ist. Nicht nur die Deutsche Bundesbahn hat doch durch die Streichung mehrerer Fernverkehrshalte die geringe Nachfrage am Kuturbetrieb Weimar nachgewiesen. Thüringen kann sich halt solche hochgestochenen Veranstaltungen in dieser finanziellen Situation nicht mehr leisten. Das diesjährige Motto Anrufung, sollte doch etwas mehr beinhalten, als vom Steuerzahler wie selbstverständlich Geld zu erwarten. Man sollte auch unbedingt bedenken, was Thüringen die Bürgschaften für Masserberg noch kosten werden. Sollten diese Bürgschaften eintreten, sieht es sehr schlecht mit dem Thüringer Haushalt für 2012 aus.
21.02.2012
17:10 Uhr
1. Andrea Wagner:
Nike Wagner hat recht: Es brennt!!!Leider können (z.B.) all die Sozialarbeiterinnen nicht einfach mit Rücktritt drohen. Bei denen heisst das Kündigung mit folgender Arbeitslosigkeit (und vermutlich Abwanderung aus Thüringen). Ich absolviere eine Krisensitzung nach der anderen und erlebe Wut, Verzweiflung und Entsetzen darüber, was alles nicht mehr geleistet werden kann in der sozialen Beratungsarbeit für Betroffene.
21.02.2012
16:28 Uhr

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