Schwarz-Weiß-Postkarte: Frontalansicht des Hotels Quisisana in Oberhof.
Bis Ende der 80er Jahre wohnten bulgarische Hubschrauberpiloten im Oberhofer Hotel. Bildrechte: Quisisana Hotel

Ferienorte früher und heute Ferienhaus Quisisana: Bulgarische Piloten im Oberhofer Hotel

1989 gab es allein in Thüringen 236 FDGB-Einrichtungen und Vertragsquartiere mit 37.000 Gästebetten. Eines dieser Vertragsquartiere war das heutige Drei-Sterne Hotel "Quisisana" in Oberhof. Ein Haus mit äußerst wechselvoller Geschichte.

von Bert Weber

Schwarz-Weiß-Postkarte: Frontalansicht des Hotels Quisisana in Oberhof.
Bis Ende der 80er Jahre wohnten bulgarische Hubschrauberpiloten im Oberhofer Hotel. Bildrechte: Quisisana Hotel

Es ist ein ziemlich kleines Haus, die Fassade mit dem typischen Schiefer bedeckt, aber in leuchtendem Orange gestrichen - das Quisisana in Oberhof. 1894 wurde es erbaut, seit 1903 ist es in Besitz von Familie Reinhardt. Der Name Quisisana stammt von früher, als in jedem renommierten Kurort ein Haus Quisisana genannt wurde, sagt Angelika Reinhardt: "Auch an der Ostsee gibt es Häuser, die so heißen. Quisisana bedeutet: Hier werden Sie gesund, hier werden Sie genesen."

Doch gesund war die Geschichte des Hauses viele Jahrzehnte nicht. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg krankte das Haus. 1950 machten die DDR-Oberen zum ersten Mal ernst und enteigneten viele private Hotelbesitzer. "Meine Großmutter hatte vier Kilo Schweinefleisch gekauft von einem Metzger, der das Schwein schwarz geschlachtet hatte. Das berechtigte die Machthaber, die Großmutter zu bestrafen: vier Monate Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe und Einzug des gesamten Eigentums," erinnert sich Angelika Reinhardt.

Ferienorte früher und heute in Bildern

Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwas abseits vom Ort entstand am Waldrand ein langgezogener Bau. So sehen die Zimmer des heutigen Tagungshotels aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Rezeption damals und heute: Zu DDR-Zeiten erholten sich in Tabarz auch viele ausländische Gäste. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Das Ferienheim in Tabarz nach der Erweiterung von 1974: Der Eingang im neuen Zwischentrakt zwischen Alt- und Neubau. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Diese Archiv-Aufnahme des Speisesaales im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" stammt aus den 1950er-Jahren. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwa um die gleiche Zeit wurde die Bar im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" fotografiert. Bildrechte: Archiv
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Das FDGB Heim "August Bebel" in Friedrichroda war mit rund 1.500 Betten das größte in Thüringen. Es eröffnete 1980. Bildrechte: Berghotel Betriebs GmbH und Co.
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Schon Ostern 1991, also nach nur rund drei Monaten Schließzeit, konnte das FDGB Heim "August Bebel" als "Berghotel Friedrichroda" wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Aufgrund seiner Bauweise und der exponierten Lage erhielt das FDGB-Heim "August Bebel" in Friedichroda schnell Spitznamen wie "Maya-Tempel" oder "Bienenkorb". Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Blick auf ein Plattenbau-Hotel 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
1960 trainierte hier Täve Schur mit der Nationalmannschaft der Friedensfahrt, heute ... Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Eine Hotel-Rezeption im Stil des Jahres 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
... ist aus dem FDGB-Ferienheime "Frankenwald" in Wurzbach das Familienhotel "Aparthotel am Rennsteig" geworden. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick auf eine Hotelanlage mit Treppe,Spielplatz, Gebäude. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach im jahr 1996, heute Aparthotel am Rennsteig
Das einstige Wurzbacher FDGB-Heim "Frankenwald“ bis heute ein Urlaubshotel geblieben. Diese Aufnahme stammt von 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick in eine Hotelzimmer im jahr 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Das "Frankenwald" in Wurzbach war das letzte FDGB-Heim, das in der DDR gebaut und 1985 eröffnet wurde. Hier: Ein Blick in ein Hotelzimmer im Jahr 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Weiß bezogene Betten auf rotem Teppich in einem Hotelzimmer. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig.
So sehen die Zimmer im heutigen "Aparthotel am Rennsteig" in Wurzbach aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
Blick in den Speisesaal eines Hotels 1996.  Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Der Speisesaal des früheren FDGB-Heims in Wurzbach 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Der moderne Speisesaal eines Hotels mit Roten Stühlen und weißen Tischdecken. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Nach und nach modernisierte die Familie Neubeck aus Bayern das Hotel in Wurzbach. So sieht der Speisesaal des "Aparthotel am Rennsteig" heute aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
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Von Quisisana zu Majakowski

Außenansicht eines orangefarbenes Hauses. Es ist das Hotel Quisisana in Oberhof.
Bildrechte: Bert Weber/MDR

Schnell wurde das Quisisana zum FDGB-Heim Majakowski. Das ging bis Ende der 80er Jahre, dann kamen bulgarische Hubschrauberpiloten, die den völlig übersäuerten Thüringer Wald kalkten. Die Hotel-Besitzerin erinnert sich: "Die Bulgaren hat man hergeholt, weil die Deutschen hier nicht fliegen durften, weil in 50 Kilometer Luftlinie die Grenze war."

Für sie war das Majakowski monatelang die zweite Heimat. Nach der Wende dann begann für die Reinhardts ein vier Jahre Kampf zur Rückübertragung ihres Hotels. Dann begann ein neuer Kampf - diesmal um Kredite, um das Haus grundlegend zu sanieren. Oft hörte Angelika Reinhardt solche Sätze wie "Was wollen Sie? Geld? Gastronomie? In Oberhof? Kommen Sie nächste Woche wieder…". Mit Hilfe einer Freundin, viel Glück und endloser Beharrlichkeit klappte es schließlich.

Heute kann Angelika Reinhardt mit Stolz auf ihr Quisisana schauen. Aus dem FDGB-Heim ist ein schmuckes Drei-Sterne Hotel geworden, das inzwischen viele Stammgäste hat.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN | Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 26.06.2017 | 5.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2017, 19:43 Uhr

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