Thüringen

Banküberfall, Brandstiftung, Polizistenmord : Kommission soll Vorleben vom "Zwickauer Trio" untersuchen

Der Thüringer Innenminister Jörg Geibert will die Rolle des Verfassungsschutzes im Fall der in Zwickau untergetauchten Bombenbauer von Jena untersuchen. Laut Geibert soll dazu eine Untersuchungs-Kommission eingesetzt werden. Um den Eindruck der Voreingenommenheit zu vermeiden, werde die Kommission unabhängig von den Thüringer Sicherheitsbehörden arbeiten. Sie soll von einer "namhaften Persönlichkeit" geleitet werden. Namen nannte der Minister bisher nicht. Auch die Verflechtungen des Trios mit anderen Straftaten müssten überprüft werden. Geibert zeigte sich erleichtert, dass der Generalbundesanwalt das Verfahren am Freitag an sich gezogen hat, nachdem möglicherweise Verstrickungen in die sogenannte Döner-Mordserie zu Tage getreten waren.

Der Innenminister hatte zuvor die Mitglieder des Innenausschusses über die aktuellen Ermittlungen im Fall der zwei toten mutmaßlichen Bankräuber und der inhaftierten mutmaßlichen Brandstifterin informiert. Geibert sagte, er sei über die Dimensionen des Verbrechens entsetzt. Nach Informationen von MDR 1 RADIO THÜRINGEN tagt am Freitag im Landtag außerdem die Parlamentarische Kontrollkommission. Das Geheimgremium ist für die Kontrolle des Thüringer Verfassungsschutzes zuständig.

Spur in Thüringer Rechten-Szene

Mitglieder des Innenausschusses hatten zuletzt Aufklärung über die Rolle der Sicherheitsbehörden in dem Fall verlangt. Die beiden mutmaßlichen Bankräuber waren Ende der 1990er-Jahre in der Neonazi-Gruppe "Thüringer Heimatschutz" aktiv und sollen Bomben gebaut haben. Trotz Beobachtung durch den Verfassungsschutz konnten die beiden Männer und auch die jetzt 36-jährige Frau untertauchen.

Derzeit wertet eine Ermittlergruppe im Landeskriminalamt die noch vorhandenen Akten zu dem Trio aus. Die beiden Toten und die Frau, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, waren schon 1997 in Jena wegen Sprengstoff-Delikten ins Visier der Ermittler geraten. 1998 waren sie dann untergetaucht. Die Behörden prüfen außerdem eine mögliche Verbindung zu einem Polizistenmord in Heilbronn vor vier Jahren.

Schlüsselfigur stellte sich selbst

Die mutmaßliche Brandstifterin, die seit 2008 zusammen mit den beiden Männern in Zwickau wohnte, hatte sich selbst der Polizei gestellt. Sie gilt als Schlüsselfigur für die Ereignisse in Zwickau, Eisenach und in Heilbronn. In der Ruine des Hauses in Zwickau, das sie am 4. November in Brand gesteckt haben soll, fanden die Ermittler ein Waffenlager und Kleidungsstücke. Diese Fundstücke könnten helfen, mehrere Banküberfälle, aber auch einen Polizistenmord in Heilbronn aufzuklären. Eine der Waffen ist baugleich mit jener, mit der 2007 in Heilbronn eine 24 Jahre alte Polizistin erschossen wurde. Auch Handschellen und Reizspray aus dem Haus konnten inzwischen eindeutig der Toten zugeordnet werden, die ursprünglich aus Thüringen stammte. Am Freitag gab die Bundesanwaltschaft zudem bekannt, dass in dem Haus auch eine Waffe gefunden worden sei, mit der insgesamt neun Morde an Migranten, die sogenannten Döner-Morde, verübt wurden. Da hier der Verdacht bestehe, dass rechtsextremistische Motive Hintergrund sein könnten, werde wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt.

Beiden Männern, die nach ersten Erkenntnissen nach einem Banküberfall in Eisenach Selbstmord in einem Wohnmobil begangen hatten, werden seit 1999 mindestens 14 Banküberfälle zur Last gelegt. Außerdem sollen sie wie die Frau Kontakt in die Neonazi-Szene gehabt haben.

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2011, 22:16 Uhr

1. Pille:
"Eine unabhängige Untersuchungs-Kommission außerhalb der Sicherheitsbehörden"? Geht so etwas überhaupt? Was soll die Kommission aufklären? Welche Eingriffsrechte haben die Mitglieder der Kommission? Gibt es keine Justiz in Thüringen mehr? Werden jetzt Hilfssheriffs aus dem Wilden Westen angeheuert? Lässt sich das die Bundesanwaltschaft gefallen? Fragen über Fragen.
11.11.2011
20:00 Uhr

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