Diskussion in "Fakt ist ...!" : Jäger sehen in Jagdverzicht keine Option für die Natur
Die Thüringer Jäger sehen in einem Jagdverzicht keine Option auf eine natürliche Regulierung der Wildbestände. Landesjagdpräsident Steffen Liebig sagte am Montagabend in der Sendung "Fakt ist ..." im MDR FERNSEHEN, so dezimiere etwa der Fuchs stark den Bestand an Niederwild. Er müsse gejagt werden, um auch anderen Tiere eine Chance zu geben. Hinzu komme die ständige Gefahr des Fuchsbandwurmes: 72 Prozent der Tiere seien befallen. Wenn Füchse in urbane Bereiche vordringen, bestehe Ansteckungsgefahr für Hunde. Auch hätten Füchse kaum noch Alternativen zur Nahrungssuche in menschlichen Siedlungen, weil sie etwa keine Feldhamster mehr fänden.
Studien, wonach Wildtiere auf eine verstärkte Jagd mit höheren Geburtenraten reagierten, bezeichnete Jagdpräsident Liebig als Einzelfälle. So kämen andere Untersuchungen etwa zu dem Schluss, dass Rehwild nur ein oder zwei Jahre in der Lage sei, eine verstärkte Dezimierung seines Bestandes auszugleichen - "dann bricht das zusammen." Liebig bestritt auch, dass es in Thüringen bereits eine Waschbärenplage wie in Kassel in Hessen gebe. "Bei uns in Thüringen sind wir noch nicht soweit", sagte der Präsident. Gleichwohl müsse die Waschbären-Population eingedämmt werden, indem man die Tiere mit Fallen einfange.
Jagdkritiker verweist auf Vergleiche zwischen bejagten und jagdfreien Gebiete
Dagegen nannte der Jagdkritiker Lovis Kauertz, der dem Verein Wildtierschutz Deutschland vorsteht, die Jagd in der Sendung "Symptombekämpfung". Bereits 1981 habe die Pionierin der deutschen Waschbärforschung, Walburga Lutz, prophezeit, dass es unmöglich sei, Waschbären durch die Jagd zu reduzieren. Damals seien in Deutschland 1500 Tiere im Jahr erlegt worden - heute seien es 71.000. Die Jagd habe auch einen wesentlichen Einfluss auf die Fortpflanzungsrate bei Wildscheinen und Füchsen. Der Fuchs etwa sei in der Lage, Verluste durch Jagd innerhalb eines Jahres zu kompensieren.
Kauertz nannte Zahlen aus einem Bayerischen Nationalpark, wo Füchse nicht gejagt würden: Pro Jahr würden Füchse dort drei bis vier Junge zur Welt bringen. In bejagten Gebieten seien es sechs bis acht Junge pro Jahr. Zu Verbissschäden durch Wildtiere sagte Kauertz: "Wenn sie einen Holzacker haben wollen, ist jeder Verbiss ein Schaden." Deswegen sollten Waldbesitzer einen gewissen Verbissschaden tolerieren. In einem gesunden Wald, der nicht nur ein Holzacker ist, verursache das Wild auch keinen Schaden.
Thüringer Jäger haben 2012 61.000 Mal so genanntes Schalenwild wie Wildschweine oder Hirsche geschossen oder gefangen sowie 33.000 Mal Raubwild wie Füchse, Waschbären und Marder.
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