Dokumentation : Laudatio für den Journalistenpreis Thüringen 2012
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
es mir eine besondere Ehre, dass ich heute gemeinsam mit der Landesvorsitzenden des Deutschen Journalistenverbandes, Frau Anita Grasse, den Journalistenpreis Thüringen nun bereits zum 12. Mal überreichen kann.
An dieser Stelle bedanke ich mich bei allen Mitgliedern der Jury, das sind außer Frau Grasse und mir, Werner Dieste, Andreas Postel und Heinz Stade, für ihre Mitarbeit.
Neugierig, instinktsicher, gründlich, kommunikativ – das sind Eigenschaften, die ein Journalist mitbringen muss, wenn er zu investigativen Geschichten kommen will. Unsere diesjährigen Preisträger zeichnet aber darüber hinaus noch ein ganz anderes Attribut aus: Beharrlichkeit!
Zur Beharrlichkeit gehört, über Jahre hinweg an einem Themengebiet dran zu bleiben. Das beginnt damit, sich mit Leuten zu treffen, Vertrauen aufzubauen, Quellen zu testen und gegenzuprüfen, umfangreiche Recherchen zu tätigen und am Ende festzustellen, dass keine nachrichtentaugliche Geschichte dabei rauskommt. Das ist der Punkt, an dem viele, die für das schnelle Tagesgeschäft arbeiten, bereits aufgeben müssen.
Die besonders fleißigen Journalisten zeichnet aus, dass sie weitermachen: Sich weiter mit Leuten treffen, Präsenz zeigen bei Veranstaltungen im Themengebiet, Kaffee oder auch ein abendliches Bier trinken gehen mit möglichen Quellen und feststellen, dass allmählich doch ab und zu eine spannende Geschichte zum Vorschein kommt. Das sind dann die schönen exklusiven Meldungen, die man ab und zu hat und die einem ein Lohn sein können, für die investierte Zeit.
Was dann kommt, muss man schon fast ein wenig - verzeihen Sie mir diesen Ausdruck - als "besessen" bezeichnen. Wer weiter Netzwerke aufbaut, sich Expertenwissen aneignet, sich konspirativ auf abgelegenen Parkplätzen trifft, virtuelle Datenbanken anlegt, elektronische Tarnidentitäten annimmt, wer in Kauf nimmt, dass man dafür von Kollegen belächelt oder als Spinner abgetan wird, der hat schon ein ganz besonderes Interesse an einem Thema.
Es mag zynisch klingen, aber auch das nützt nichts, wenn das erwählte Themengebiet keine Geschichten bereithält. In diesem Fall hat das jahrelange Ackern eine außergewöhnliche, wenn auch tragische Chance erhalten. Mit dem Banküberfall in Eisenach und dem Auffliegen der NSU-Terrorzelle haben vier Redakteure von Mitteldeutschen Rundfunk zeigen können, was sie jahrelang an Wissen und Quellen geführt haben.
Axel Hemmerling, Ludwig Kendzia, Michaela Schenk und Dr. Rainer Erices haben die Thüringer Spuren des Terrors schnell, umfangreich und viele Dateils exklusiv veröffentlicht. Sie hatten Unterlagen aus verschiedensten Behörden, die als streng vertraulich eingestuft waren und haben sich dabei in der Politik nicht nur Freunde gemacht. Ihre gründlichen Hintergrundberichte dienten zur Einordnung des Geschehens und offenbarten tiefe Fachkenntnisse. Es ist vor allem eine Kunst, sich also Journalist nicht vor einen politischen Karren spannen zu lassen, auch wenn manche Fakten verschiedene Parteien geradezu dazu einladen. Diese Gradwanderung, objektiv zu berichten, alle Seiten zu beleuchten und dem Zuschauer bzw. Zuhörer soviel Wissen an die Hand zu geben, dass er sich selbst ein Urteil bilden kann, ist grundsätzlich ein Anspruch an den Journalisten. Die Maßstäbe an öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sind naturgemäß noch etwas höher und wurden von unseren diesjährigen Preisträgern voll erfüllt.
Ausgezeichnet wird mit dem Thüringer Journalistenpreis 2012 die Rechercheredaktion des MDR THÜRINGEN für seine Berichterstattung zum nationalsozialistischen Terror. Nehmen Sie es aber auch als Belohnung für das langjährige mühsame Bohren dicker Bretter, dass Ihnen zu diesem journalistischem Erfolg verholfen hat. Ich gratuliere im Namen der Jury ganz herzlich.
