Thüringen

Groß-Einsatz : LKA jagt Klopapierdieb mit Kamera

von Ludwig Kendzia und Axel Hemmerling

Thüringens Landeskriminalamt hat wochenlang Mitarbeiter mit einer verdeckten Kamera überwachen lassen. Der Anlass war ein Diebstahl von Toilettenpapier in der LKA-Außenstelle in Erfurt-Waltersleben. Zwischen November 2010 bis Februar 2012 wurde ermittelt - ohne Erfolg.

Seit Anfang 2011 stand in einem Flur in Haus Nr. 5 der Außenstelle des Landeskriminalamts in Erfurt-Waltersleben ein blauer Plastiksack. Er war gut bewacht von einer versteckten Kamera, die ihr "Auge" auf diese sogenannte Diebesfalle richtete. Putzfrauen im LKA wollten bemerkt haben, dass aus den Liefersäcken über Monate hinweg Klopapierrollen gestohlen worden seien.

Sie meldeten ihre Beobachtung und die Sache gelangte auf den Schreibtisch von LKA-Präsident Werner Jakstat, der im November 2010 den Auftrag gab, die Diebe zu ermitteln. Als interne Ermittler nicht weiterkamen, wurde in einem Flur nahe der Toiletten eine versteckte Kamera installiert, laut LKA abgesprochen mit der Staatsanwaltschaft Erfurt.

Nach Informationen von MDR THÜRINGEN wurden für den Einbau der Überwachungstechnik Beamte der Abteilung 3 herangezogen - Spezialisten, die sonst zuständig dafür sind, Mafiosi, Motorrad-Rocker oder extreme Islamisten zu überwachen. MDR THÜRINGEN liegen darüber hinaus interne Ermittlungsunterlagen vor, nach denen für die Auswertung der Kamerabilder mindestens ein Beamter des Staatsschutzes abgestellt wurde, ein Beamter also, der hauptberuflich Neonazis, linke Extremisten oder Islamisten beobachtet.

Doch auch nach Wochen tappte ging kein Dieb in die Falle. Anfang April stellte das LKA den Antrag, auch den Flur vor den Toiletteneingängen mit einer versteckten Kamera überwachen zu dürfen. Das aber erschien der Staatsanwaltschaft dann wohl doch übertrieben, sie lehnte ab. Am 5. Mai stellte sie das Verfahren ein. Drei Tage zuvor jedoch hatte LKA-Chef Jakstat ein neues einleiten lassen; wieder sollten Klopapierrollen abhanden gekommen sein.

Laut LKA kam in dem zweiten Verfahren keine versteckte Kamera mehr zum Einsatz. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN hatte die Rechtsabteilung die vorherige Überwachung geprüft und kritisiert. Nach LKA-Angaben hatte es vor dem Einbau der Kamera in dem ersten Verfahren keine datenschutzrechtliche Prüfung gegeben. Da auf den Bändern kein Diebstahl zu sehen gewesen sei, habe man sie inzwischen wieder gelöscht. Der Personalrat und die Mitarbeiter seien nach den Ermittlungen informiert worden. Geschlossen worden sei die Klopapier-Akte am 7. Februar 2012, knapp zwei Jahre nach ihrer Öffnung.

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2012, 15:07 Uhr

19. ramoll:
Am meisten Kompetenz scheint da die Putzfrau zu haben :D
22.09.2012
08:35 Uhr
18. Andreas Kronsdorf:
Nun gibt es sogar eine offizielle Solidaritätsseite für das Thüringer LKA, wegen der Klopapier-Affaire. Eine große Spendenaktion, bei der darum gebeten wird dem LKA das letzte Blatt von einer jeweils aufgebrauchten Rolle an die Thüringer Beamten zu schicken ... [...] [externer Link gelöscht - MDR.DE_Redaktion]
21.09.2012
21:08 Uhr
17. Uwe Röpcke:
Ein Karnevalsthema ist gefunden! Das man zehn Jahre lang keine 10-fach-Mörderbande fassen kann - nun ja...(MAD u. Verfassungsschutz sind auch nicht besser) Das aber ein LKA nicht mal den Verlust seines Klopapiers ermitteln kann, spricht schon Bände. Es empfielt sicht, das Klopapier in Landesbörden mit künstlicher DNS zu versehen und das mit Steuergeldern zu finanzieren! Herr Innenminister - wie lange wollen Sie sich noch durch Ihre unfähigen Beamten der Lächerlichkeit preisgeben lassen?
21.09.2012
12:06 Uhr
16. PF:
Diese Behörde muss ersatzlos aufgelöst und die Beamten dort vorher markiert werden, damit zivile Arbeitgeber diese Dilettanten meiden können.
20.09.2012
21:48 Uhr
15. Henning:
Dann hat ja vermutlich der Präsident das Klopapier geklaut, wenn die Kameraüberwachung nix gebracht hat.
20.09.2012
21:17 Uhr
14. Reinhard Lerche:
Entschuldigung, ich komme aus einem anderen Bundesland! Entschuldigung, ich habe auch schon mal ein paar Gesetze gelesen! Das, was da bei EUCH abgeht ist echt Punk! Worte wie Verhältnismäßigkeit, Verleitung zum Raub und letztlich Idiotie fallen mir zu so einem Rechtsbruch nur ein! Aber vielleicht sieht man das deshalb bei den Schlapphüten so locker? - Gewohnheitsrecht! Und - Entschuldigung - der Richter! Entschuldigung - hat der Studiert? Und wenn ja, wo? Aber sicher nicht in Deutschland!
20.09.2012
21:04 Uhr
13. Chris:
8. Heinz Faßbender: Ihnen schlage ich das auch vor und zwar täglich und bei jedem Ihrem Kommentare!
20.09.2012
20:57 Uhr
12. crckwhor:
DAS BEZAHLEN WIR ALLE MIT! VORALLEM DIESE UNFÄHIGKEIT DER BEAMTEN!!EINSELF!!1
20.09.2012
16:48 Uhr
11. klaus sänger:
Moment mal, vielleicht hatte jemand ein dringendes Bedürfnis, sah die Rollen und nahm sich eine mit auf's Kloh. Ist doch klar, dass dann eine aus dem Sack fehlen muss. Oder ? Meine Gratulation an die aufmerksame Putzfrau, der das nicht entgangen ist. Ich schlage vor, in Zukunft alle Klohpapierrollen mit Chips aus zu statten. Dann haben wir alle die Chance, per Sattelit nach zu schauen, wo der "Verbrauch" statt findet. Wäre doch 'ne gute Sache oder etwa nicht ? :-)))))
20.09.2012
16:44 Uhr
10. Dirk:
Ist so eine Videoüberwachung überhaupt bei so einem Delikt von erheblicher Bedeutung zulässig bzw. verhältnismäßig ?
20.09.2012
14:34 Uhr

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Ergänzung der Redaktion:

Wie im Verlauf des Donnestags einige Nachrichtenagenturen berichteten, hat das LKA bestritten, dass Mitarbeiter des Staatsschutzes mit der Auswertung der Bänder beschäftigt gewesen seien. Da der Dieb nicht in die Falle getappt sei, seien später auch "keine Daten gesichtet, ausgewertet oder gespeichert worden". Auch sei die Kamera nicht im Gang vor den Toiletten, sondern im Bereich des Eingangs zum LKA-Gebäudes postiert gewesen. Wie viele Ermittler eingesetzt waren, teilte das LKA nicht mit.

MDR THÜRINGEN bleibt - unter Verweis auf vorliegende Unterlagen - bei seiner Darstellung.

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