Nach Hausdurchsuchung bei Köckert : Ex-Minister bewahrte Ministeriumsdokumente privat auf
Die LKA-Ermittler sollen am vergangenen Donnerstag nicht schlecht gestaunt haben: Im Haus des ehemaligen CDU-Innenministers Christian Köckert bei Eisenach lagen mindestens Tausend lose Blatt Papier vor ihnen. Unterlagen und Dokumente, die alle aus dem Thüringer Innenministerium stammen sollen. Nach Informationen des MDR THÜRINGEN sind die Dokumente teilweise als vertraulich eingestuft. Ein Fahnder sagte, es seien soviel gewesen, dass ein Umzugskarton zu zwei Drittel gefüllt gewesen sei. Unter den Dokumenten sollen sich auch Unterlagen befinden, die einen Bezug zum Thüringer Verfassungsschutz und dessen früheren Präsidenten Helmut Roewer haben. Außerdem sollen die Ermittler vertrauliche Personalunterlagen gefunden haben.
Minister Geibert: Aktenfund wird ausgewertet
Nach MDR-Informationen waren sich die Fahnder erst nicht sicher, was sie tun sollten. Denn sie waren aus einem ganz anderen Grund in Köckerts Haus. Der Ex-Minister ist einer von sieben Beschuldigten in einem umfangreichen Wirtschaftsstrafverfahren der Staatsanwaltschaft Erfurt. Die wirft ihm vor, als Berater für einen großen Windradbauer vertrauliche Informationen, die er als Abgeordneter im Eisenacher Stadtrat zu Ausschreibungen hatte, an das Unternehmen weitergegeben zu haben. Doch bei der Durchsuchung fand sich nun dieses Ministeriums-Material. Die LKA-Beamten beschlossen, die Dokumente zu beschlagnahmen. Hektische Telefonate zwischen der LKA-Leitung und dem Innenministerium folgten. Innenminister Jörg Geibert sagte dem MDR, dass das Material nun ausgewertet werde. Köckert teilte auf Anfrage mit, dass er sich zu der ganzen Angelegenheit nicht äußern werde.
Amtszeit mit Nachwirkungen
Die gefundenen Dokumente sollen aus der Amtszeit von Köckert stammen. Er war von Oktober 1999 bis Oktober 2002 Chef des Innenministeriums. Wie und warum er die Akten nach seinem Ausscheiden aus dem Amt an sich genommen hat, ist noch nicht bekannt. Aber bei Köckerts bewegter politischer und geschäftlicher Vergangenheit gibt der Aktenfund Anlass zu Spekulationen. Besonders, wenn sich bestätigen sollte, dass Unterlagen über Helmut Roewer dabei gewesen sind. Dieser hatte nach seinem Ausscheiden aus dem Amt als Verfassungsschutzchef 2002 behauptet, Köckert habe den Thüringer Geheimdienst mit der Bespitzelung von Kommunalpolitikern beauftragt. Das hatte Köckert immer dementiert. Eine verschwundene CD mit geheimen Informationen aus dem Verfassungsschutz und der Parlamentarischen Kontrollkommission sorgte ebenfalls für viel Wirbel um Köckert. Dazu kam die Affäre um die beiden enttarnten Neonazi-V-Männer Thomas Dienel und Tino Brandt, die Köckert, das Innenministerium und den Verfassungsschutz enorm unter Druck setzte.
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Christian Köckert
Christian Köckert gehörte nach der Wiedergründung des Freistaates als junger Quereinsteiger zu den politischen Senkrechtstartern in der CDU. 1991 gab der studierte Theologe seine evangelische Pfarrstelle in Stedtfeld bei Eisenach auf und wurde Bürgermeister des Ortes. 1994 zog er in den Landtag ein. 1999 berief Ministerpräsident Vogel Köckert zum Innenminister. Der Minister galt zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Vogels. Doch schnell wurde der Chefsessel im Innenministerium zum Schleudersitz: Personalquerelen, Geheimnisverrat und überhöhte Geschwindigkeit auf der Autobahn warfen Köckert aus der Bahn. 2002 trat er zurück.
