Stichwahl um Bürgermeister- und Landratsämter : Linke Wahlgewinner - CDU verliert vier Landkreise
Die Linke ist der große Gewinner der Stichwahl um die Landratsämter und Oberbürgermeister in den kreisfreien Städten. Einen Posten hatte die Partei als Ziel ausgegeben. Am Ende wurden es vier. Drei Landrätinnen und die Eisenacher Rathauschefin werden künftig von der Linken gestellt. Die SPD nahm der CDU ebenfalls zwei Landratsämter ab und verteidigte die Rathäuser in Jena und Weimar. Der CDU gelang mit Wahlsiegen in Gera und Nordhausen zwei wichtige Erfolge in den Städten. Ministerpräsidentin Lieberknecht sieht die Christdemokraten als stärkste Kraft auch auf kommunaler Ebene bestätigt.
Bei den Stichwahlen um Landratsämter und Oberbürgermeisterposten haben SPD und Linken in den Landkreisen überraschende Wahlerfolge erzielt. Die Linke stellt in drei Landkreisen den Landrat. Im Ilm-Kreis setzte sich die Großbreitenbacher Bürgermeisterin Petra Enders durch. In Nordhausen ist Birgit Keller Landrätin. Die größte Überraschung gab es im Altenburger Land, wo sich die Linken-Landtagsabgeordnete Michaele Soika lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem inzwischen parteilosen Amtsinhaber Sieghard Rydzewski lieferte und nach Auszählung des allerletzten Stimmbezirks hauchdünn vorbeizog. Im Kyffhäuserkreis setzte sich die SPD-Kandidatin Antje Hochwind gegen ihren CDU-Konkurrenten durch. Im Kreis Schmalkalden-Meiningen gewann SPD-Kandidat Peter Heimrich. Nur im Kreis Sömmerda setzte sich mit Harald Hennig ein CDU-Politiker durch.
SPD verteidigt Jena und Weimar – Überraschung in Eisenach
Bei den Oberbürgermeister-Stichwahlen in vier kreisfreien Städten hat die SPD ihre Posten in Jena und Weimar verteidigt. In Jena fuhr Albrecht Schröter erwartungsgemäß einen klaren Sieg gegen den CDU-Kandidaten Dietmar Schuchardt ein. Schröter hatte bereits im ersten Wahlgang nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt. In Weimar schaffte es Stefan Wolf, den für die Wählervereinigung weimarwerk angetretenen Spiegelzelt-Intendanten Martin Kranz auf Distanz zu halten.
Eine Überraschung gab es in Eisenach. Hier setzte sich die Linke-Berwerberin Katja Wolf gegen Raymond Walk von der CDU durch. Wolf hatte im ersten Wahlgang noch klar hinter Walk gelegen. Zudem hatte sich die örtliche SPD entgegen der Empfehlung der SPD-Landesspitze dafür ausgesprochen, den CDU-Mann zu unterstützen. In Gera schaffte es die CDU mit der von ihr unterstützten Kandidatin Viola Hahn, Amtsinhaber Norbert Vornehm aus dem Rathaus zu drängen.
Früherer CDU-Minister wird Bürgermeister in Nordhausen
Neben Gera hat die CDU eine weitere wichtige Stadt in Thüringen gewonnen. Bei der Bürgermeisterwahl in Nordhausen setzte sich der frühere Staatskanzleichef Klaus Zeh durch. Er tritt die Nachfolge von Barbara Rinke an. Die SPD-Politikerin war nicht noch einmal angetreten. Dafür verlor die CDU im katholisch geprägten Eichsfeld den Bürgermeisterposten in der Kreisstadt Heiligenstadt. Hier setzte sich Thomas Spielmann von der Bürgerinitiative "Menschen für Heiligenstadt" gegen CDU-Fraktionschef Michael Montag durch.
Lieberknecht sieht CDU als stärkste Kraft - Linke "stolz und glücklich"
Ministerpräsident Christine Lieberknecht sieht die CDU trotz des Verlustes mehrerer Landratsposten als stärkste kommunale Kraft im Land bestätigt. Sie sagte MDR THÜRINGEN, die Wahlsiege in Gera und Nordhausen zeigten, dass die CDU auch in den Städten erfolgreich sei. An die SPD gewandt sagte sie, die rot-roten Wahlbündnisse, die es gegeben habe, seien zu Lasten der Sozialdemokraten gegangen. Die Leute würden dann lieber das Original wählen. Wirtschaftsminister Matthias Machnig bezeichnete die Ergebnisse hingegen als "herbe Klatsche für die CDU". Bei MDR INFO verwies der SPD-Politiker darauf, dass die CDU vor allem in Hochburgen wie Südthüringen und dem Eichsfeld verloren habe. Machnig wörtlich: "Das Monopol der CDU im ländlichen Raum ist gebrochen." Dagegen habe die SPD ihre Dominanz in den Städten halten können. Linke-Landeschef Knut Korschewsky sagte MDR THÜRINGEN, seine Partei sei stolz und glücklich über die Ergebnisse. Es habe sich gezeigt, dass es einen Willen gebe, schwarze Mehrheiten zu verhindern.
Wahlbeteiligung geringer als vor zwei Wochen
Insgesamt standen am Sonntag sechs Landratsämter und vier Oberbürgermeisterposten kreisfreier Städte zur Wahl. Gewählt wurden auch die Bürgermeister in 24 weiteren Kommunen, in denen beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen keiner der Bewerber die nötige absolute Mehrheit erreicht hatte.
Rund 825.000 Thüringer waren noch einmal zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 38,1 Prozent und war damit niedriger als beim ersten Durchgang der Kommunalwahl vor zwei Wochen mit 46,6 Prozent. Allerdings lag sie bei den Stichwahlen vor sechs Jahren mit 31,1 Prozent noch deutlich niedriger.
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