Kommunalwahlen

Kommunalwahl in Thüringen : SPD verliert wichtige Kommunen

Die Thüringer SPD hat bei den Kommunalwahlen am Sonntag in Thüringen zwei wichtige kommunale Spitzenposten verloren. Die Landrätin des Kreises Saalfeld-Rudolstadt, Marion Philipp, verlor die Wahl gegen den Einzelbewerber Hartmut Holzhey deutlich. Noch schlechter schnitt Eisenachs Oberbürgermeister Matthias Doht ab. Er landete bei der Wahl nur auf dem dritten Platz hinter den Kandidaten Raymund Walk (CDU) und Katja Wolf (Linke) und kam damit nicht einmal in die Stichwahl. Bangen muss auch Geras Oberbürgermeister Norbert Vornehm. Der SPD-Politiker, der bei der Wahl als unabhängiger Kandidat angetreten war, landete deutlich abgeschlagen auf Platz zwei hinter der parteilosen Einzelbewerberin Viola Hahn. Er muss nun gegen sie in die Stichwahl.

Matthias Doht
Verliert sein Amt im Eisenacher Rathaus: Matthias Doht (SPD)

In den meisten anderen Landkreisen konnten sich die Amtsinhaber behaupten. Die besten Ergebnisse erzielten die Landräte im Weimarer Land und im Landkreis Eichsfeld, Hans-Helmut Münchberg (parteilos) und Werner Henning (CDU), die jeweils mehr als 70 Prozent der Stimmen erhielten. In sechs Landkreisen wird es Stichwahlen geben. Im Landkreis Nordhausen, wo der bisherige Landrat Joachim Claus (CDU) nicht mehr zur Wahl angetreten war, wird es voraussichtlich eine Stichwahl zwischen dem CDU-Kandidaten Egon Primas und der Linke-Kandidatin Birgit Keller geben.

In den kreisfreien Städten Jena und Weimar werden sich die SPD-Amtsinhaber Albrecht Schröter und Stefan Wolf einer Stichwahl stellen müssen. In Erfurt und Suhl schafften die Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und Jens Triebel (parteilos) ihre Wiederwahl im ersten Wahlgang. Bausewein setzte sich deutlich gegen sechs Mitbewerber durch und erreichte einen Stimmenanteil von fast 60 Prozent.

126 Rathauschefs und 16 Landräte

Kommunalwahl Thüringen 2012 - Wahlbeteiligung
Wahlbeteiligungen bei Thüringer Kommunalwahlen der vergangenen Jahre

Insgesamt wurden am Sonntag 16 Landräte und mehr als 100 Oberbürgermeister und Bürgermeister von Städten und Gemeinden gewählt. Rund 1,8 Millionen Thüringerinnen und Thüringer waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag laut Statistischem Landesamt bei 46,6 Prozent und damit höher als bei den Landratswahlen im Jahr 2006.

Um die insgesamt 142 Mandate bewarben sich laut Statistischem Landesamt 377 Kandidaten, darunter 60 Frauen. Auf Listen von Parteien, Wählergruppen und Organisationen traten rund 300 Kandidaten an.

Große Parteien sehen sich bestätigt

Thüringens CDU-Vorsitzende Christine Lieberknecht bezeichnete ihre Partei in einer ersten Reaktion als führende kommunale Kraft. "Es gibt keine Partei, die stärker ist im ländlichen Raum", sagte sie. CDU-Generalsekretär Mario Voigt sagte, die Ergebnisse zeigten, dass die Union die kommunale Kraft in Thüringen sei.

Kommunalwahl Thüringen 2012 - Parteienergebnisse
Die Ergebnisse im Überblick

SPD-Landeschef Christoph Matschie zeigte sich trotz der Verluste für seine Partei im Kreis Saalfeld-Rudolstadt und in Eisenach zufrieden. Viele der SPD-Bürgermeister hätten sich durchgesetzt oder die Stichwahl erreicht, sagte Matschie MDR 1 RADIO THÜRINGEN. Als Beispiele verwies er auf Erfurt, wo SPD-Landesvize Bausewein ein "ganz starkes Ergebnis" erzielt habe, sowie Mühlhausen, wo der SPD-Bewerber Johannes Bruns auf Anhieb den Oberbürgermeister-Posten errang. Zudem beklagte Matschie einen Wahlkampf "unter der Gürtellinie" etwa gegen den Geraer Oberbürgermeister Vornehm.

Die Linke sieht sich indes ihrem Ziel, erstmals einen Landrat in Thüringen zu stellen, einen wichtigen Schritt nähergerückt. Jetzt werde "noch einmal richtig Gas gegeben", sagte Landeschef Knut Korschewsky am Sonntag mit Blick auf mehrere Landkreise und die Stadt Eisenach, wo Kandidatinnen und Kandidaten der Linken in die Stichwahl gelangt sind.

Stichwahlen am 6. Mai

In Kommunen und Kreisen, in denen kein Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten hat, finden am 6. Mai Stichwahlen statt.

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2012, 07:20 Uhr

15. bürger:
@Peter vielleicht sollten Sie selbst einmal als Wahlhelfer fungieren, dann wüssten Sie auch, dass es ein Wahlregister gibt in dem jeder Wählername nach Ausgabe eines Stimmzettels abgehakt wird. Die Benachrichtigungskarte wird danach einbehalten. Doppelte Stimmabgabe ist somit nahezu ausgeschlossen. Nehmen Sie doch einfach in Zukunft Ihr Bürgerrecht wahr und sind bei der Stimmauzählung dabei. Dafür müssten Sie auch nur einmal alle paar Jahre auf den Tatort verzichten. Was die 23 % Andere angeht, so sollten Sie die hohe Zahl der parteilosen Kandidaten bedenken. Diese Stimmen kann man schlecht auf das ganze Land hochrechnen.
23.04.2012
14:13 Uhr
14. Zaldure:
@ Stephan Buerger FDP ist aufgelistet, weil Partei im Bundestag vertreten. Sonstige nicht aufgeschlüsselt, weil jede der einzelnen sonstigen unter 5% Es nicht nicht transparent, das stimmt. Sollte da eine Partei mit 5 oder mehr prozent drin sein, wäre es sogar falsch. Genaueres findet man wohl vom Landeswahlleiter der kommunalwahl thüringen, einfach mal googlen.
23.04.2012
13:45 Uhr
13. Martin:
Der Beitrag ist doch von vorn bis hinten tendenziös. Zuerst wird die SPD als hauptsächlicher Verlierer dargestellt, obwohl sie in der Summe (Diagramm) die größten Gewinner neben den "Sonstigen" verbuchen konnte. Das der Kandidat der SPD im Kreis SM deutlich vorn liegt wird nicht erwähnt. Und die mangelnde Aufschlüsselung der 23% "Sonstige" wurde ja schon mehrfach kritisiert. Der MDR wird seinem Ruf mal wieder gerecht.
23.04.2012
12:48 Uhr
12. Georg H.:
Erschreckend, daß 23% der Stimmen als "Andere" nicht erkennbar macht. Das ist undemokratisch, wenn nicht Schlimmeres. Das geht schief auf die Dauer.
23.04.2012
12:47 Uhr
11. Thomas K.:
Zumal die [...] FDP trotz ihrer Bedeutungslosigkeit aufgeschlüsselt wird, obwohl ich mir sicher bin, dass Piraten oder die [...] Nazis mehr haben. | [Anmerkung der MDR.DE-Redaktion: Begriffe entfernt, da Verstoß gegen die Kommentar-Richtlinien]
23.04.2012
11:46 Uhr
10. müller:
23% Andere und dies nicht aufschlüsseln, finde ich ein starkes STück. Das passt wohl nicht ins Bild des MDR
23.04.2012
09:35 Uhr
9. Rüdiger Bergmann:
Man sollte mal über die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung nachdenken. Weniger als die Hälfte der wahlberechtigten Bürger wählt noch!!
23.04.2012
09:23 Uhr
8. Hans Meiser:
Wahlbeteiligung: 46.6 %! Kein Grund zum jubeln! Wenn der Wahlbürger die Chance zur Veränderung hat und dies ignoriert, obwohl es die Möglichkeit außerhalb der etablierten ESM-Parteien CDUSPDGRÜNEFDP zu votieren, dann fällt mir auch nichts mehr ein.
23.04.2012
09:20 Uhr
7. Stephan Buerger:
Da die FDP mit 1.1% einzeln aufgeführt wird muss es bedeuten das keine einzige Partei die unter "Sonstige" geführt wird mehr als 1.1% bekommen hat. Wenn nicht wäre die Grafik zu dem Bericht ja eindeutig Parteilich. Kann der MDR hierzu bitte Stellung nehmen?
23.04.2012
09:15 Uhr
6. R.S.:
Es kann doch nicht sein das in den Statistiken 23% als Sonstiges geführt werden und nicht aufgeschlüsselt sind. Das ist kein demokratischer Vorgang einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt, sondern Lobbyarbeit für etablierte Strukturen. Ob blöde Nazis, Piraten oder Familienpartei dahinter stehen ist egal, es geht um die Öffentlichkeit, zu der eigentlich ARD, ZDF und Co verpflichtet sein sollten!
23.04.2012
08:39 Uhr

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