Kommunalwahlen

Thüringer Kommunalpolitiker im Internet : Wahlkampf auf Twitter und Co.

Wahlkampf wird heute auch im Internet gemacht. Viele Thüringer Kommunalpolitiker haben nicht nur eigene Websites, sondern sind auch auf Socialmedia-Plattformen aktiv. Der Wille ist da, aber von der viel gepriesenen Interaktion mit dem Wähler ist nur wenig zu sehen. Wir haben uns durch einige virtuelle Stammtische geklickt.

von Karsten Heuke

"Seit heute auch in groß...", schreibt der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein auf seiner Facebook-Seite. Das zugehörige Foto zeigt sein Wahlplakat am Stadtring. So sehen das Großplakat nicht nur Autofahrer, sondern auch die Internetsurfer in klein. 19 Leute haben das - Stand: 14. März - mit "gefällt mir" quittiert. Viel mehr Austausch ist auf der Seite nicht zu sehen. In den ersten beiden Märzwochen hat der SPD-Politiker acht Beiträge und Bilder eingestellt und einmal auf einen Leserkommentar reagiert. Konkretes sowie persönliche Ansichten tauchen kaum auf. Der Amtsinhaber lobt "gute Gespräche" und freut sich auf "spannende Diskussionen", ohne Inhalte zu nennen. Der einzige Unterschied zu anderen Veröffentlichungen ist, dass online Parteiwerbung und Stadtbelange vermischt werden. Die Reichweite bleibt allerdings gering: 150 Leute habe die OB-Seite mit "gefällt mir" gekennzeichnet. Dem stehen in Erfurt mehr als 165.000 Wahlberechtigte gegenüber.

Veranstaltungen und Fußball-Ergebnisse

Etwa gleich sieht es beim FDP-Herausforderer in Thüringens größter Stadt aus. Ebenso wie der Amtsinhaber vernetzt sich auch Thomas Kemmerich fast nicht mit anderen Facebook-Nutzern. Und inhaltlich kündigt er mal an, dass er Veranstaltungen besuchen wird oder belegt die Teilnahme bildlich. Andere Male verweist der Politiker auf Pressemitteilungen, Zeitungsartikel und TV-Auftritte. Beim Kurznachrichtendienst Twitter ergänzt der Landtagsabgeordnete die Eigenwerbung vor allem um Fußballergebnisse. Seine Twitter-Einträge haben fast 1.500 Internetnutzer abonniert. Aber der OB-Kandidat ermöglicht auch den direkten Kontakt: Immer am Montagnachmittag ist er "testweise" wie es heißt, per Chat und Videotelefonie für jedermann erreichbar.

Geschätzter Rückkanal

Den Rückkanal zu den Bürgern schätzen viele Politiker nach eigenen Aussagen. So lobt Martin Kranz, OB-Kandidat in Weimar, vor allem die Möglichkeit "richtiger Kommunikation". Das habe viel von direkter Demokratie. Allerdings gebe er die Themen immer vor und die Netzfreunde bei Facebook reagierten darauf. Die Plattform hält er für besonders interessant. Der Kandidat des Weimarwerk-Bürgerbündnis kann auf knapp 1.200 Facebook-Freunde verweisen. Er schätzt, dass darunter rund 700 Weimarer sind. Aber so interessant die Kommunikations-Möglichkeiten seien, müsse man darauf achten, nicht zuviel Zeit online zu verbringen, betont Kranz.

Der amtierende Landrat im Kreis Gotha, Konrad Gießmann, nutzt Facebook, um Unterstützer für den Wahlkampf zu motivieren. CDU-Parteifreunde und sonstige Sympathisanten können sich mit seinem Wahlslogan fotografieren lassen, um dann auf seiner Seite zu erscheinen. So bekommt die Seite einen klaren Zweck: Die täglichen Bilder von Feuerwehrmännern, Musikgruppen und Politikern vermitteln, dass der Kandidat in der ganzen Region verwurzelt ist und von ihr getragen wird. Andere Beiträge des CDU-Politikers beschränken sich auf Terminhinweise und gelegentliche Nachrichten.

Vielfältige Präsenz im Internet

Recht häufig meldet sich der studierte Medienwissenschaftlers Daniel Schultheiß online, allerdings verwirren verschiedene Websites. So gibt es beispielsweise separate Facebook-Seiten für ihn und das Wahlbündnis, das ihn als Oberbürgermeister-Kandidaten für Ilmenau unterstützt. Auf seiner Seite fällt auf, dass der Politiker sich nicht nur zum Wahlkampf und zu regionalen Themen äußert. Er kommentiert auch spontan tagesaktuelle Ereignisse, was wirklich einen Mehrwert darstellt. Vernetzt ist der Politiker mit rund 270 Facebook-Nutzern.

Der Landtagsabgeordnete Frank Kuschel versucht es ebenfalls gleich mit mehreren Facebook-Auftritten, einmal als Person und einmal als Bürgermeister-Kandidat für Arnstadt. Beide regelmäßig zu bestücken und voneinander abzugrenzen, fällt schwer, wie die unterschiedliche Nutzung zeigt. Die Kandidatenseite verfügt über recht wenige Einträge, die andere spiegelt vor allem die Twitter-Nachrichten wider. Twitter scheint dem Politiker ohnehin am meisten zu liegen, er hat bereits mehr als 4.000 Kurznachrichten veröffentlicht. Es sind in erster Linie Terminhinweise und Hinweise auf Medienberichte. Selten sind es Meinungsäußerungen oder Antworten auf Fragen von Lesern. Sogar eine Twitter-Sprechstunde bietet Frank Kuschel an, allerdings offenbar mit wenig Teilnehmern. Freuen kann sich der Vielschreiber jedoch über fast 500 Abonnenten.

Was bringt Wahlkampf im Internet?

Ob viele Netz-Kontakte wirklich die Wahlchancen verbessern, weiß niemand. Und so stellt sich  für den langjährigen Bürgermeister von Bad Sulza die Frage, ob Online-Wahlkampf überhaupt nötig ist. Der CDU-Politiker Johannes Hertwig will erst kurzfristig entscheiden, ob er beispielsweise eine Internetseite einrichtet. "Frühestens zwei Wochen vor der Wahl entscheiden wir das, sonst verpufft das ja alles", sagt Hertwig.

Online tragen Thüringens Kommunalpolitiker den Wahlkampf 2012 sehr unterschiedlich aus. Eigene Internetseiten haben die meisten. Doch ob und wie sich Socialmedia-Plattformen sinnvoll nutzen lassen, ist den meisten offenbar nicht klar. Kaum ein Politiker bietet dort mehr, als ohnehin auf den eigenen Websites steht. Meist bedeutet eine zusätzliche Webplattform nur, dass die existierenden Onlinebeiträge einmal mehr kopiert werden. Hintergründiges, die eigene Meinung oder Neuigkeiten veröffentlicht dort eigentlich niemand exklusiv, das legt zumindest die Stichprobe nahe. Allenfalls verschwimmen die Grenzen zwischen Parteiverkündigungen, Amtsgeschäften und Privatem. Und alles ist vor allem darauf ausgelegt, Nutzer von Twitter, Facebook und Co. zur eigenen Website zu locken. Denn tatsächliche Interaktion und Diskussion findet auf den Plattformen bezogen auf den Kommunalwahlkampf in den wenigsten Fällen statt.

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2012, 10:17 Uhr

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