Rechtsextreme bei einer NPD-Kundgebung in Erfurt halten ein Plakat mit der Aufschrift "Asylflut stoppen" und gestikulieren in Richtung von Polizisten
NPD-Kundgebung in Erfurt Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Extremismus-Studie Wissenschaftler warnen vor zunehmender Fremdenfeindlichkeit

Nach Ansicht von Wissenschaftlern der Uni Jena hat sich das öffentliche Meinungsklima in Thüringen bedenklich verändert. Nationalistische und fremdenfeindliche Positionen würden immer häufiger öffentlich artikuliert. Das sei eine Bedrohung für die demokratische Kultur.

Rechtsextreme bei einer NPD-Kundgebung in Erfurt halten ein Plakat mit der Aufschrift "Asylflut stoppen" und gestikulieren in Richtung von Polizisten
NPD-Kundgebung in Erfurt Bildrechte: MDR/Karina Heßland

In Thüringen hat sich nach Ansicht von Wissenschaftlern das öffentliche Meinungsklima bedenklich verändert. In einer Studie des Kompetenzzentrums Rechtsextremismus der Friedrich-Schiller-Universität Jena heißt es, immer mehr nationalistische, fremdenfeindliche und "ethno-zentristische" Positionen würden öffentlich artikuliert.

Die Wissenschaftler haben für ihre Untersuchung die Daten des letzten Thüringen Monitors herangezogen. Im Juni 2015 waren dazu Thüringer befragt worden. Die Wirkung der Thüringer AfD-Demonstrationen seit Herbst 2015 floss damit nicht mehr in die Zahlen ein. Dennoch verzeichnen die Forscher jüngst einen massiven Anstieg rechtsextremer Ansichten in der Bevölkerung, nachdem diese seit Mitte der 2000er Jahre fast kontinuierlich zurückgegangen waren.

"Mehr Gefahr von Rechts als von Links"

Der Studie zufolge gehen von rechtsextremen Strukturen größere Gefahren für die Gesellschaft aus als von linksextremen Strömungen. Das gelte nicht nur für Thüringen, sondern für die gesamte Bundesrepublik. Die Autoren schreiben, rechtsextreme Milieus und Bewegungen in Thüringen seien national und international vernetzt und in hohem Maße wandlungsfähig. Matthias Quent, einer der Autoren der Studie, sagte, in Vergangenheit sei eine Vielzahl rechtsextremer Organisationen ins Feld getreten. Er verwies auf die fremdenfeindlichen Pegida-Ableger Sügida und Thügida.

Bestandteil der Analyse war auch die AfD. Die weitere Entwicklung der Partei werde darauf Einfluss nehmen, wie sich die rechtsextreme Bewegung in Thüringen und Deutschland künftig aufstellt. Im Thüringer Landesverband der AfD hätten politische Konzepte des völkisch-nationalistischen Rechtsextremismus die Diskurshoheit übernommen, hieß es. Die AfD hatte in Thüringen immer wieder zu Demonstrationen gegen die Flüchtlingspolitik aufgerufen.

Programme gegen islamistische Gefahren gefordert

Zugleich warnten die Experten vor Gefahren des Islamismus durch Flüchtlinge. Menschen aus Syrien seien etwa in einem Staat und einer Kultur aufgewachsen, die durch die religiösen Gesetze des Islam geprägt seien. In den kommenden Jahren müssten Programme "gegen die religiös motivierte Diskriminierung, insbesondere von Andersdenkenden, von Frauen und Nicht-Heterosexuellen" entwickelt werden.

Die am Montag in Erfurt vorgestellte Studie zu Gefährdungen der demokratischen Kultur war im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport erstellt worden. Sie sollte als Grundlage für die anstehende Diskussion zur Fortsetzung des Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit dienen. Seit gut vier Jahren werden landesweit Projekte unterstützt, die sich gegen Rechtsextremismus wenden. Die rot-rot-grüne Koalition hatte sich eine Verlängerung des Projekts vorgenommen.

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2016, 13:39 Uhr

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111 Kommentare

11.02.2016 11:41 ralf meier 111

@ 109. Riesebos: Hallo Herr Riesebos, das zunächst im MDR angebotene video zu dem Ausraster des Bürgermeisters in Schlema
hatte den bezeichnenden Titel: 'Hetze gegen Bad Schlemas Bürgermeister' . Bezeichnend für das Selbstverständnis dieser verqueren 'Willkommenskultur' , die lieber einen Täter zum Opfer macht, als ihr naives Weltbild zu hinterfragen. Dieses Video wurde dann vom MDR durchein längeres und sachlicheres Video ohne diesen hetzerischen Titel ersetzt. Nicht alle MDR Journalisten müssen also nachsitzen. Alles Gute und bereichern Sie uns weiter!

11.02.2016 11:14 ralf meier 110

@109. Riesebos: Hallo Herr Riesebos, Das MDR Video muß wohl im Laufe des Abends ausgetauscht und die Schlagzeile entschärft worden sein. Was die Sorgen des älteren Herrn angeht. Es reicht doch, wenn einige wenige Jugendliche Asylanten sich daneben benehmen, um sich belästigt zu fühlen. Das Problem ist doch eher, daß ALLE Asylanten darunter leiden müssen, wenn eine verquere 'Willkommenskultur' diese Vorfälle verharmlost oder sogar die Schuld bei den Opfern sieht.

10.02.2016 20:17 Riesebos 109

@ 108 Hallo Herr Meier. In den Niederlanden wurde so einen Bürgermeister von der Gemeinderat sofort und auf der Stelle (!) an die Seite geschoben. (Hier funktioniert das anders?) Der Bürgermeister kann ja nicht reflektieren auf seine eigene Werte!?
Es mangelt ihm Kentnisse von Werte als Verantwortung, Freiheit, Selbständigkeit und Sicherheit. Darüber sollte man (zuerst) diskutieren!? Der ältere Mann macht aber auch einen Denkfehler denn ja alle (!) jugendlichen Asylanten belästigen nicht die oder alle Mädchen. Ansatzpunkt also nicht so gut jedoch seine Angst oder Unruhe vorstellbar, aber das ist etwas anderes. Die MDR-Sachsen-Journalisten sollten nochmals Ihre Fachschule besuchen ;-) :-) Schönen Tag :-)

10.02.2016 17:31 ralf meier 108

@ 106. Riesebos: Hallo Herr Riesebos. Sie sprachen von Wut durch mangelhafte Information. Suchen Sie mal nach "MOPO24 Schlema Bürgermeister Müller" . Da fragt ein älterer Herr den Bürgermeister, wie man zukünftig verhindern kann, daß junge Mädchen auf dem Weg zur Schule beim Vorbeigehen am Asylheim von ebenfalls jugendlichen Asylanten belästigt werden. Die Antwort des Bürgermeisters wörtlich: ---> "ganz einfach. In dem man (also die Mädchen) nicht provoziert und da entlangläuft" . Da ärgere ich mich kurz über den Fehltritt des Bürgermeisters, aber freue mich auch über die korrekte Berichterstattung, die so ein Verhalten aufdeckt. Danach schauen Sie mal , wie der MDR Sachsen ganz aktuell in einem Video dazu berichtet. Da wird die Aussage des Bürgermeisters nur unvollständig und verharmlosend formuliert. Schlimmer, der 'Täter' wird zum Opfer rechtsradikaler Hetze gemacht. Da kann man sich schon länger ärgern .. smile. Ihnen einen schönen Abend.

10.02.2016 16:49 Einwurf 107

Zu "86. sputnik": Es gibt Statistiken über Altersgruppen der Flüchtlinge. Weiterhin ist nicht klar, ob die Million Flüchtlinge bzw. wieviel Prozent davon nach Ende des Bürgerkrieges in ihr Land zurückkehren. Man muss annehmen dass ein großer Teil (die Zahl ist nach oben offen) auch aus wirtschaftlichen Gründen hier bleiben will. Das bedeutet, wie ich schon im Kommentar 85 erwähnte, das Ersetzen der wegen des demografischen Wandels fehlenden deutschen Bevölkerung durch Flüchtlinge.

10.02.2016 16:05 Riesebos 106

@ 102 Hallo Herr Ralf meier. Sie haben recht!! Leider kommt bei vielen Menschen nur Wut hoch weil die Wut basiert ist auf mangelhafte Information, Kentnisse oder bestimmte Vorurteile? Schade. Inhalt wird dann eigentlich zur Nebensache?! Besser wäre es viellecht in diesen Fällen die Werte zu diskutieren? Selbstverständlich muss die Regierung etwas unternehmen um die Diskrepanz zwischen was ´man´ will, wünscht und was tatsächlich geschieht wegzunehmen.
Anders gesagt: Offenheit, Ehrlichkeit un Rücksprache in der Kommuniation, aber und aber und leider und leider ;-)

10.02.2016 15:23 Diddy 105

@101. Stefan (Der):
Mich stören im Grunde genommen die Asylanten auch nicht besonders, nur die, die sich absolut nicht benehmen können. In Meiner Gegend auch nicht gerade wenig, aber egal. Das die Arbeitslosenzahlen sinken, oder weniger geworden ist, ist nicht ganz richtig. Zur Versorgung, Betreuung, auch Sicherheitsdienste, Polizei usw. der Asylanten werden ja Leute neu eingestellt. Ohne die Flüchtlinge nicht nötig. Die vielen Kurzzeitarbeitsplätze usw. zählen auch nicht rein, diese Leute erhalten teilweise noch Auffüllbeträge vom AA. Für mich, da ich da etwas Einblick habe, nur Schönrederei. Wenn es um die Ärmsten der Armen in Deutschland geht ist komischer weise nie Geld da gewesen, da wurde nur gejammert. Die, die heute wenig verdienen werden im Alter so gut wie keine Rente bekommen. Plötzlich kommen Unmengen von Asylanten, da sind plötzlich Gelder da (50 Milliarden).

10.02.2016 14:28 AnneE 104

Wen wundert es eigentlich, dass diese Studie aus dem Dunkelroten Jena kommt? "Mehr Gefahr von Rechts als von Links" das ich nicht lache. Die vermummten Steinwerfer, die die Polizisten in Weimar verletzt haben und in Berlin, wie schon so oft, mal wieder Autos abgebrannt und randaliert haben waren Linksextremisten. Aber von denen geht natürlich keine Gewalt aus. Die wollen doch nur spielen.... Bitte immer schön bei der Wahrheit bleiben. Die Linksextremen sind genauso gefährlich wie die Rechtsextremen. Aber aus einer Linken Hochburg wie Jena kann man nichts anderes erwarten....

10.02.2016 14:05 REXt 103

Das dritte Reich habe ich Gott sei Dank nicht erleben müssen 40Jahre DDR Kommunismus leider,deswegen will ich keine LINKE u. RECHTE Politik,die führt nur ins Chaos! Aber brauchen wir jetzt ISLAMISTEN,SALAFISTEN u. TERRORISTEN,um mit (GELD) und Programme diese Leute zu Kultivieren.Brauchen wir das wirklich als BEreicherung? Solche Menschen gehören sofort ausgewiesen,eine Klare unmißverständliche Antwort des Rechsstaates!

10.02.2016 13:59 ralf meier 102

@100. Riesebos: Gestatten sie eine etwas eitle Erwiederung. Es sind nicht ' Angst, Vorurteile und Verunsicherung, die mich gegen die deutsche Asylpolitik hier auftreten läßt. Es ist die ganz rationale Überlegung, dass jede Gesellschaft überfordert ist, wenn eine Regierung in diesem Tempo eine Einwanderung forciert und auch noch jede Obergrenze ablehnt. Ich bin mir übrigends sehr sicher, daß Sie auch mit Ihrer holländischen Kultur in Thüringen viel Sympathie gewinnen können.