SED-Unrecht? DDR-Grenzsoldat nach 38 Jahren exhumiert

In Erbenhausen in Südthüringen ist am Mittwoch das Grab des DDR-Grenzsoldaten Hans-Jürgen Neuber geöffnet worden. Nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei sollen mehr als 38 Jahre nach dem Tod die genauen Todesumstände des damaligen Stabsfeldwebels der DDR-Grenztruppen aufgeklärt werden. Ziel sei es, auch unabhängig juristischer Fragen zu den bis heute als widersprüchlich zu bezeichnenden Ermittlungsergebnissen der Stasi ein "Mehr an Überzeugungsgewissheit"  hinsichtlich der wahren Todesumstände zu gewinnen.

Neuber war am 2. Februar 1977, wenige Wochen vor seinem Dienstzeitende, tot in der Unterkunft der Grenztruppen aufgefunden worden. Laut damaligen Untersuchungen soll er sich mit seiner Dienstwaffe erschossen haben. Diese Version bezweifelt die Witwe. Seit der friedlichen Revolution von 1989 setzt sie sich für eine Klärung der Todesumstände ein. Beantragte Wiederaufnahmeverfahren, diverse Beschwerden und letztendlich auch eine Landtagspetition blieben allerdings bisher erfolglos. Die jetzige Ausgrabung und Untersuchung leitet Professor Dr. Michael Tsokos vom Institut für Rechtsmedizin der Charité in Berlin.

Die rot-rot-grüne Thüringer Landesregierung hatte bei ihrer Amtseinführung versprochen, SED-Unrecht konsequent aufzuklären. Unter anderem sollen die bislang ungeklärten Todesfälle von Matthias Domaschk und Hans-Jürgen Neuber untersucht werden. Dazu wurden zwei Arbeitsgruppen eingesetzt. Der Jenaer Domaschk war 1981 in Stasi-Haft unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2015, 20:41 Uhr

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2 Kommentare

12.09.2015 20:00 Steve Kadisha 2

Die Aufklärung eines tragischen Todesfalles ist nicht der Zeitpunkt, mit Häme und Boshaftigkeit sein politisches Mütchen an Landtagsabgeordneten zu kühlen und seine politischen Meinungsrechnungen zu begleichen, man kann das Auskübeln auf andere Gelegenheiten vertagen. Es geht ausschließlich darum, den Hinterbliebenen Gewissheit über die Todesumstände eines Familienmitgliedes zu verschaffen. Und das ist ein höchst moralisches Anliegen. Erstaunlich, dass sich die Vorgängerregierungen in Thüringen nicht darum scherten und auch die Bürgerrechtler nicht.

11.09.2015 08:28 M.W. 1

Als Aufklärer dieses Todesfalles schlage ich die Landtagsabgeordneten Kuschel und Leukefeld vor. Die können dann konspirativ den Fall lösen.Das ist dann DDR
Aufarbeitung nach Lesart der Linken.