Landesbeauftragter kontra Regierung Kritik an DDR-Aufarbeitung

Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, hat die bisherige Arbeit der Landesregierung auf diesem Gebiet kritisiert.

Vor allem die Zwangsausgesiedelten seien enttäuscht, denen eine Entschädigung über den Weg einer Bundesratsinitiative in Aussicht gestellt worden sei. Bei der Aufarbeitung könne die Landesregierung noch keine nennenswerten Erfolge vorweisen. "Wenn es um die DDR geht, so ist oft eine Tabu-Zone zu spüren", sagte Dietrich. Es werde in der rot-rot-grünen Koalition zu wenig über die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit gesprochen. Vor der Regierungsbildung seien diese Gespräche intensiver gewesen.

Nötig seien außerdem mehr Mittel und auch mehr Zeit für Aufarbeitung an den Schulen. "Es reicht nicht, anderthalb Stunden in eine Gedenkstätte zu fahren. Es braucht auch eine Vor- und Nachbereitung", sagte Dietrich.

Regierung verteidigt sich

Gedenkstätte Point Alpha in Rasdorf
Gedenkstätte Point Alpha an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen Bildrechte: IMAGO

Die Landesregierung wies die Vorwürfe zurück. Zwar sei nicht auszuschließen, dass sich einzelne Menschen aufgrund ihrer Vita enttäuscht fühlten, doch habe Rot-Rot-Grün schon einiges auf den Weg gebracht, sagte die für Aufarbeitung zuständige Staatssekretärin Babette Winter.
Unter anderem seien die Etats für Gedenkstätten und Einzelprojekte erhöht und entsprechende Programme für Lehramtsstudenten in Erfurt und Jena auf den Weg gebracht worden.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26.03.2017 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2017, 14:42 Uhr

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12 Kommentare

27.03.2017 17:56 Fuchs 12

@10 Pattel - Der Ossi, der ist schlau,
er stellt sich dumm.
Beim Wessi ist es andersrum

Volksmund

27.03.2017 11:19 Geschwätz entlarven 11

"Die Geschichtsaufarbeitung in der heutigen Bundesrepublik ist geprägt durch vereinfachte westliche Erfolgsgeschichten auf der einen und durch ostdeutsche Horrorgeschichten auf der anderen Seite. Geschichtsbetrachtung wird von aktuellen Westnormen bestimmt, ostdeutsche Erfahrungen werden marginalisiert. Der Einigungsprozess wird dadurch stark belastet."

(Prof. Andrew H. Beattie in "Learning from the Germans? History and Memory in German and European Projects of Integration", University of Technology Sydney, 2007)