Stasi-Unterlagen Weniger Anträge auf Akteneinsicht in Thüringen

In Thüringen geht das Interesse an persönlicher Einsicht in Stasi-Akten zurück. Wie der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, in seinem aktuellen Jahresbericht mitteilt, haben im vergangenen Jahr rund 8.000 Menschen Einsicht in Unterlagen beantragt, die die Stasi über sie angelegt hatte. Im Jahr 2015 waren es rund 10.000 Anträge gewesen. Auch bundesweit sank die Zahl der Anträge - von 62.000 auf 48.000.

Backsteingebäude - Andreasstraße in Erfurt
Heute Gedenkstätte: das ehemalige Stasi-Gefängnis in Erfurt Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Laut Tätigkeitsbericht haben die drei Thüringer Außenstellen in Erfurt, Gera und Suhl im vergangenen Jahren auch weitere Aktenbestände für die wissenschaftliche Nutzung verfügbar gemacht. Von den rund 12.000 laufenden Metern Akten sind mittlerweile rund 95,5 Prozent erschlossen worden - darunter beispielsweise eine Wehrüberprüfungskartei der früheren Stasi-Kreisdienststelle Erfurt. Außerden haben die drei Außenstellen im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Vorträgen angeboten, etwa im April anlässlich des 35. Todestages des Jenaers Matthias Domaschk. Der Bürgerrechtler war am 12. April 1981 in Stasi-Haft in Gera unter ungeklärten Umständen ums Leben.

Jahn sprach sich bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts am Dienstag in Berlin auch dafür aus, Anträge von Opfern von DDR-Unrecht auf Rehabilitierung länger zu ermöglichen. Laut derzeit geltender Rechtslage sind solche Anträge nur noch bis 2019 möglich. Dieser "Fehler im System" müsse politisch korrigiert werden, forderte er. Aufarbeitung von Unrecht dürfe kein Verfallsdatum haben.

Jahn forderte zudem Investitionen in die Standorte seiner Behörde. "Es geht jetzt darum, die Standorte so zu ertüchtigen, dass wir dauerhafte Lagerung, dauerhafte Nutzung möglich machen", sagte er. Keines der Archive in den ostdeutschen Ländern sei dafür derzeit geeignet, weil sie nicht alle Kriterien für archivgerechte Lagerung erfüllten.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 16:57 Uhr

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6 Kommentare

23.03.2017 10:28 V2Knut 6

@5. [Richard Rumbold]: Was meinen Sie mit "BK"? Etwas "Bundeskabinett"? Oder gar "Bundeskanzler"? Ich habe mal gelernt, daß es in dieser sogenannten Demokratie Gewaltenteilung gibt (Legislative, Exekutive, Judikative). Für die Gesetzgebung ist ausschließlich die Legislative zuständig, auf Deutsch "Gesetzgeber"! Und das ist das Parlament und nicht irgendein "BK". Merken Sie eigentlich, merken die Schreiberlinge selbst, was hier von sich gegeben wird? Das Wort "Gewaltenteilung" nimmt sogar selbst diese Regierung ständig in den Mund, aber nur, um andere oberlehrerhaft zu belehren!

22.03.2017 10:54 Richard Rumbold 5

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zum Thema passt: Heute wird das BK ein Gesetz für die Rehabilitierung der Opfer des § 175 StGB beschließen. Als Hetero kann ich nur formulieren: Endlich, diese Unrechtspraxis war eine Schande, die Endlosigkeit bis zur Beseitigung des § 175 StGB und zur Rehabilitierung auch. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass es einen Bundesbeauftragten für die Belange der Opfer des kalten Krieges in Ost und West bedarf. Die Stasiunterlagenbehörde sollte dort integriert werden oder als Grundstock dienen.