Teilnehmer einer Mai-Kundgebung (2015) werden in Weimar von Rechtsextremisten bedrängt. Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD, Mitte blaues Sakko) geht dazwischen.
Die Rechtsradikalen griffen in Weimar brutal an, es kam zu Rangeleien. Oberbürgermeister Stefan Wolf (Mitte, im blauen Sakko) versuchte dazwischenzugehen. Bildrechte: dpa

Randale bei Demo Rechtsextreme überfallen Mai-Kundgebung in Weimar

In Weimar haben Neonazis eine Mai-Kundgebung angegriffen. Die überwiegend dunkel gekleideten Männer stürmten laut Augenzeugen blitzartig die friedliche Demonstration. Auch in Erfurt und Saalfeld marschierten Rechte durch die Innenstädte. Hunderte Gegendemonstranten machten deutlich, dass sie Fremdenfeindlichkeit nicht dulden wollen.

Teilnehmer einer Mai-Kundgebung (2015) werden in Weimar von Rechtsextremisten bedrängt. Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD, Mitte blaues Sakko) geht dazwischen.
Die Rechtsradikalen griffen in Weimar brutal an, es kam zu Rangeleien. Oberbürgermeister Stefan Wolf (Mitte, im blauen Sakko) versuchte dazwischenzugehen. Bildrechte: dpa

Rechtsextreme haben eine friedliche Mai-Kundgebung in Weimar gestürmt. Bei dem Angriff gab es vier Verletzte, teilte die Polizei MDR THÜRINGEN mit. Ein Besucher der Veranstaltung sei ins Krankenhaus gebracht worden. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Versammlungsrecht. Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger kündigte eine rasche Aufklärung an. Der Angriff auf friedliche Bürger stelle eine neue Qualität der Gewalt dar, die selbst vor dem Oberbürgermeister der Stadt und einem Abgeordneten des Bundestages keinen Halt mache. Es sei der Versuch, die Zivilgesellschaft einzuschüchtern.

Die Angreifer hatten auch SPD-Oberbürgermeister Stefan Wolf und den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider bedrängt, der eine Rede halten wollte. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, die Rechten hätten dem Politiker das Mikrofon entrissen. Dann hätten sie rechtsradikale Parolen gerufen. Schneider selbst twitterte:

"Ich bin noch etwas unter Schock, aber nicht verletzt", sagte Schneider nach dem Vorfall. Die Polizei sprach von 29 Festnahmen. Oberbürgermeister Stefan Wolf kündigte an, er werde Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch erstatten. Eine Reporterin des MDR THÜRINGEN berichtete, die etwa 30 schwarz gekleideten Rechtsextremen seien blitzartig aufgetaucht. Sie hätten Trillerpfeifen, fremdenfeindliche Plakate und Flugblätter mitgebracht. Es habe daraufhin Rangeleien gegeben, berichtete die Augenzeugin. Die Angreifer gaben sich ihr zufolge auf einem Plakat als "Junge Nationaldemokraten" aus - die Jugendorganisation der rechtsextremen NPD.

An der Mai-Kundgebung des DGB hatten sich rund 200 Personen beteiligt. Im Anschluss war eigentlich ein Kinder- und Familienfest geplant.

Dieser Brutalität der Rechtsradikalen müssen sich alle Demokraten unserer Stadt entgegenstellen. Es ist unsere Pflicht, deutlich zu machen, dass Gewalttäter hier keine Chance haben.

Stefan Wolf, Oberbürgermeister der Stadt Weimar

Angriff auf Gegendemonstranten in Saalfeld

Teilnehmer einer Demonstration der rechtsextremen Gruppe
In Saalfeld hatte sich die rechte Organisation "Der Dritte Weg" zu einem Umzug getroffen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

In Saalfeld gab es Übergriffe rund um eine Demonstration gegen Fremdenhass. Mutmaßliche Neonazi-Schläger griffen drei Demonstranten auf dem Heimweg an. Wie eine Sprecherin der Opferberatung ezra mitteilte, wurden zwei Personen schwer verletzt. Sie kamen mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus. An der Demonstration hatten sich 500 Menschen beteiligt. Auch eine Demonstration aus dem rechten Lager zog durch die Stadt. Laut Polizei wurde eine Beamtin sei leicht verletzt, nachdem eine Reizgasbombe geworfen worden war. Die Polizei griff außerdem ein, als Neonazis das Jugendklubhaus in Saalfeld angreifen wollten.

Bereits während der ersten Proteste gegen den rechten Aufmarsch kam es zu Zwischenfällen: Die Polizei setzte Schlagstöcke gegen Demonstranten ein. Wie die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, waren zuvor Beamte angegriffen worden. Einzelne Teilnehmer einer spontanen Gegendemonstration hatten demnach versucht, eine Absperrung der Polizei zu durchbrechen. Es seien auch Steine geworfen worden. Wie die Polizei mitteilte, waren aber nur wenige gewaltbereite Personen unter den Anti-Neonazi-Demonstranten. Der Großteil habe sich friedlich verhalten.

Sitzblockaden stoppen NPD-Anhänger in Erfurt

In Erfurt stellten sich Hunderte Menschen am Freitag einem Aufmarsch von Rechtsradikalen entgegen. Laut Polizei gab es Sitzblockaden, um die rund 180 NPD-Anhänger zu stoppen.

Demonstranten hätten außerdem mit Gegenständen nach Beamten geworfen. Die Polizei rief daher alle Parteien dazu auf, friedlich zu bleiben. Der NPD-Aufmarsch ging am Nachmittag ohne größere Vorfälle zu Ende. Die Rechtsextremisten konnten ihren Demonstrationsweg allerdings nicht wie geplant gehen, weil sie am Leipziger Platz von zwei Sitzblockaden gestoppt wurden. Die NPD-Anhänger mussten daraufhin eine schnellere Route zurück zum Hauptbahnhof nehmen.

Das Oberverwaltungsgericht Weimar hatte den von der NPD angemeldeten Aufzug am Donnerstagnachmittag über eine kürzere Strecke in Erfurt erlaubt. Die ursprüngliche Wegstrecke konnte dem Gericht zufolge nicht ausreichend mit Polizeikräften abgesichert werden. Zwei Gegendemonstranten wurden in Gewahrsam genommen, weil sie im Stadtpark Steine gesammelt hatten. Ein Demonstrant wurde laut Polizei beim Sturz von einem Baum verletzt.

Zuletzt aktualisiert: 01. Mai 2015, 21:28 Uhr

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28 Kommentare

02.05.2015 01:33 Bescheidene Meinung 28

@ Nr. 27 der- Grenzgänger : Von welchen Weihnachtsmann haben sie wohl geträumt? Sie sind ja von der Realität total entfernt. Von wegen Sozialstaat, leider sieht die Wahrheit anders aus als ihre Darstellung. Besuchen sie einmal die Ämter und Einrichtungen die für die Ärmsten der Armen angepriesen werden oder Kindereinrichtungen, sogar für Staatsbeamte abgewiesen werden. Als Grenzgänger wäre dies eigentlich vorab ratsam ehe man einen bescheidenen Kommentar hier abgibt, der nichts im Geringsten mit der Realität zu tun hat.

02.05.2015 17:56 der_grenzgänger 27

@ Bescheidene Meinung. Wollen Sie mich gerade auf den Arm nehmen? Deutschland ist der Sozialstaat schlechthin. Schauen Sie doch mal in andere Länder. Und Hartz4 stellt ein Existenzminimum dar. Und Hungern tut in Deuschtland keiner. Zudem sind die Lebensmittelpreise extrem billig! Zudem sollte sich jeder Mensch informieren, aber manche denken, die Infos sollten aus dem Fernseher bei Ihnen auf dem Schoß landen. Und ganz ehrlich: jeder junge Mensch bekommt heuzutage eine Ausbildung hinterher geschmissen, also hören sie auf so zu pauschalisieren. Zudem ist jeder krankenversichert. Immer diese deutsche Meckerei. mimimi.