Umweltministerium : Jahressoll an Erdlöchern bereits erfüllt
In Thüringen hat der Boden in diesem Jahr ungewöhnlich häufig nachgegeben. Wie Umweltminister Jürgen Reinholz am Mittwoch mitteilte, wurden seit dem 1. Januar 40 sogenannte Tagesbrüche in ehemaligen Bergbaugebieten des Freistaats gezählt. Normal seien 30 in einem ganzen Jahr. Zudem habe es in den ersten beiden Monaten bereits 20 Erdfälle gegeben. Hier würden normalerweise fünf bis 25 pro Jahr auftreten.
Steigendes Grundwasser spült Boden aus
Reinholz erklärte, es sei allein glücklichen Umständen zu verdanken, dass keine Personen zu Schaden gekommen seien. Wie hoch die Gesamtschadenssumme der Erdeinbrüche ist, konnte der Minister nicht sagen. Reinholz sieht die Ursache für die vermehrten Einbrüche vor allem im Wetter. Das Hochwasser und der heftige Niederschlag im Januar hätten den Grundwasserspiegel ansteigen lassen. Dadurch sei der Boden stärker ausgewaschen worden und alte Bergbaustollen häufiger eingestürzt. Allerdings, so der Minister, sei die Bevölkerung nach der Kraterbildung in Schmalkalden auch stärker sensibilisiert und melde den Behörden schon kleinere Mulden. In der südthüringischen Stadt hatte sich Anfang November ein Loch von 40 Meter Durchmesser und 20 Meter Tiefe aufgetan. Mehrere Häuser mussten geräumt werden.
3.000 Alt-Bergwerke erfasst
Bei Erdeinbrüchen unterscheiden die Fachleute zwischen Tagesbrüche und Erdfällen. Tagesbrüche werden grundsätzlich durch die Folgen des Bergbaus verursacht, Erdfälle haben ausschließlich natürliche Ursachen wie poröse und ausgelaugte Böden. Den Behörden zufolge lagen die örtlichen Schwerpunkte der Tagesbrüche in diesem Jahr im Osten des Freistaats, konkret bei Ruhla im Thüringer Wald sowie in der Region Altenburg-Meuselwitz. Erdfälle traten verstärkt im Südharz, im Saale-Orla-Kreis und südlich des Thüringer Waldes auf. Nach Angaben des Landesbergamtes gibt es vor Tagesbrüchen und Erdfällen keinen hundertprozentigen Schutz. Das Amt hat Unterlagen über rund 3.000 Alt-Bergwerke ohne Rechtsnachfolger. Es gebe aber vermutlich viele weitere alte Stollen, die in keinem Archiv verzeichnet seien.
