Berliner Mauer : Gedenken im ehemaligen Todesstreifen
Als am 13. August 1961 der Mauerbau begann, wurde das geteilte Deutschland endgültig Wirklichkeit: Die Mauer trennte Familien und Freunde. Die DDR-Führung stilisierte sie zum "antifaschistischen Schutzwall". 155 Kilometer war das Bollwerk lang, das mehr als 28 Jahre Berlin und Deutschland teilte. Mindestens 136 Menschen kostete die Mauer das Leben.
Deutschlandweit ist am Montag mit Veranstaltungen der Opfer des Mauerbaus gedacht worden. In Berlin fand eine Andacht in der Kapelle der Versöhnung im ehemaligen Todesstreifen statt. Dabei erinnerte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, an die Verantwortung der Deutschen für die Menschenrechte. Der Tag sei Mahnung, sich gegen heutige Mauern wie die Ausgrenzung von Minderheiten einzusetzen, sagte der FDP-Politiker. Anschließend legte er gemeinsmam mit dem Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), Kränze am Mauermahnmal nieder.
Ort des Gedenkens war die Bernauer Straße – ein Brennpunkt der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Dort verlief die Grenze an Ostberliner Wohnhäusern entlang, aus denen sich viele noch abseilten, um in den Westen zu gelangen. Neben der Bernauer Straße gab es Gedenkveranstaltungen an der Glienicker Brücke, vor dem Reichstag und am Brandenburger Tor.
Thüringer Politiker: Erinnerungskultur von unten
Politiker aus Thüringen hatten bereits am Sonntag zum Gedenken aufgerufen. CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nannte die Mauer "ein schreckliches Symbol für die Unterdrückung der Menschenrechte". Die Thüringer Grünen-Bundestagsabgeordnete, Katrin Göring-Eckardt, forderte eine zivile und intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Es brauche Initiativen und Orte, um die Erinnerungskultur von unten zu unterstützen. SPD-Landeschef und Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie mahnte, dass das Thema nicht aus der öffentlichen Debatte verschwinden dürfe. Es gehöre vielmehr auch in Schulen und Familien.
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"
In einer Blitzaktion hatte die DDR-Staatsführung am 13. August 1961 mitten in Berlin mit dem Bau der Mauer beginnen lassen. Binnen weniger Monate wurde daraus ein gigantisches Bauwerk aus Beton. Zwar stand ein solcher Bau bereits seit 1952 zur Diskussion, als die Staatsgrenze zwischen beiden deutschen Staaten gezogen wurde. Doch hatte die sowjetische Führung den Bau zunächst nicht erlaubt, um sich nicht vollständig isoliert zu geben. Doch bis 1961 war rund ein Sechstel der DDR-Bevölkerung in den Westen abgewandert, jeden Tag gab es weitere Flüchtlinge über Berlin - dem letzten Schlupfloch in den Westen. Noch im Juni 1961 erklärte der damalige Staatsratsvorsitzender der DDR, Walter Ulbricht, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten. Am 13. August 1961 machte die DDR die Grenze jedoch vollständig dicht.
Mehr als 28 Jahre teilte das Bollwerk Ost- und West-Berlin. Jährlich investierte die DDR-Führung rund 500 Millionen DDR-Mark in die Grenz- und Selbstschussanlagen. Die Mauer wurde zum Todesstreifen. Mindestens 136 Menschen kamen dort ums Leben - bis am 9. November 1989 die Mauer fiel.
2 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.
