Außenansicht eines unsanierten Plattenbaus.  Es ist das inzwischen geschlossene Hotel Schöne Aussich in Schmiedefeld.
Das inzwischen geschlossene Hotel "Schöne Aussicht" war äußerlich vielleicht nie schön. Mit Bar, Sauna und Schwimmbad ausgestattet, wuchs es den Schmiedefeldern trotzdem bald ans Herz. Heute ist es eine Ruine. Bildrechte: Bert Weber/MDR

Ferienorte früher und heute Schandfleck "Schöne Aussicht": Die FDGB-Ruine in Schmiedefeld

Erst Wohnhaus, dann Gaststätte, später FDGB-Heim - Die "Schöne Aussicht" entwickelte sich jahrelang gut. Den Schmiedefeldern wuchs der "viereckige FDGB-Klotz" bald ans Herz. Doch nach der Wende ging alles schief.

Außenansicht eines unsanierten Plattenbaus.  Es ist das inzwischen geschlossene Hotel Schöne Aussich in Schmiedefeld.
Das inzwischen geschlossene Hotel "Schöne Aussicht" war äußerlich vielleicht nie schön. Mit Bar, Sauna und Schwimmbad ausgestattet, wuchs es den Schmiedefeldern trotzdem bald ans Herz. Heute ist es eine Ruine. Bildrechte: Bert Weber/MDR

Eigentlich fing es mit der "Schönen Aussicht" ganz gut an, erzählt Ortschronist Klaus-Dieter Völker: "Der Name ist schon von 1928, als aus einem Wohnhaus eine kleine Gaststätte gemacht wurde."

Zu DDR-Zeiten stand die Gaststätte schon in Diensten des FDGB und wurde in den 60er-Jahren erweitert. Doch in Schmiedefeld fehlte es weiter an Gaststätten und Betten. Im Jahr 1985 baute deshalb das Wohnungsbaukombinat Suhl das Ferienheim "Schönen Aussicht": "Die haben einfach einen viereckigen Klotz in eine Ecke reingeknallt. Wie in Oberhof, einfach unschön", sagt Klaus-Dieter Völker.

Knapp 500 Gäste konnten betreut werden, 130 Mitarbeiter arbeiteten im Haus. Den Schmiedefeldern wuchs die "Schöne Aussicht" schnell ans Herz, denn es war ein Haus für alle. "Es war ja eine Bar drin, es gab eine Kegelbahn und eine Sauna. Im zweiten Bauabschnitt kam ein Hallenbad hinzu. Das war besonders für die Kindergartenkinder schön", erinnert er sich.

Ferienorte früher und heute in Bildern

Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwas abseits vom Ort entstand am Waldrand ein langgezogener Bau. So sehen die Zimmer des heutigen Tagungshotels aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Rezeption damals und heute: Zu DDR-Zeiten erholten sich in Tabarz auch viele ausländische Gäste. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Das Ferienheim in Tabarz nach der Erweiterung von 1974: Der Eingang im neuen Zwischentrakt zwischen Alt- und Neubau. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Diese Archiv-Aufnahme des Speisesaales im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" stammt aus den 1950er-Jahren. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwa um die gleiche Zeit wurde die Bar im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" fotografiert. Bildrechte: Archiv
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Das FDGB Heim "August Bebel" in Friedrichroda war mit rund 1.500 Betten das größte in Thüringen. Es eröffnete 1980. Bildrechte: Berghotel Betriebs GmbH und Co.
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Schon Ostern 1991, also nach nur rund drei Monaten Schließzeit, konnte das FDGB Heim "August Bebel" als "Berghotel Friedrichroda" wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Aufgrund seiner Bauweise und der exponierten Lage erhielt das FDGB-Heim "August Bebel" in Friedichroda schnell Spitznamen wie "Maya-Tempel" oder "Bienenkorb". Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Blick auf ein Plattenbau-Hotel 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
1960 trainierte hier Täve Schur mit der Nationalmannschaft der Friedensfahrt, heute ... Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Eine Hotel-Rezeption im Stil des Jahres 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
... ist aus dem FDGB-Ferienheime "Frankenwald" in Wurzbach das Familienhotel "Aparthotel am Rennsteig" geworden. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick auf eine Hotelanlage mit Treppe,Spielplatz, Gebäude. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach im jahr 1996, heute Aparthotel am Rennsteig
Das einstige Wurzbacher FDGB-Heim "Frankenwald“ bis heute ein Urlaubshotel geblieben. Diese Aufnahme stammt von 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick in eine Hotelzimmer im jahr 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Das "Frankenwald" in Wurzbach war das letzte FDGB-Heim, das in der DDR gebaut und 1985 eröffnet wurde. Hier: Ein Blick in ein Hotelzimmer im Jahr 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Weiß bezogene Betten auf rotem Teppich in einem Hotelzimmer. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig.
So sehen die Zimmer im heutigen "Aparthotel am Rennsteig" in Wurzbach aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
Blick in den Speisesaal eines Hotels 1996.  Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Der Speisesaal des früheren FDGB-Heims in Wurzbach 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Der moderne Speisesaal eines Hotels mit Roten Stühlen und weißen Tischdecken. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Nach und nach modernisierte die Familie Neubeck aus Bayern das Hotel in Wurzbach. So sieht der Speisesaal des "Aparthotel am Rennsteig" heute aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
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Doch die Freude währte nicht lange. Nach der "Wende" wurde der FDGB abgewickelt. Beschäftigte taten sich zusammen und betrieben das Haus zunächst als Sporthotel weiter. Doch dann kam die Treuhand und übergab das Haus an die "Euromill-Hotelgruppe". "Die gab nach fünf Jahren auf, dann kamen mehrere windige Firmen, doch alles ging schief", lautet das Fazit des Ortschronisten: "Also wir haben bis dahin einen Millionär gesucht. Es kamen viele, aber die hatten kein Geld."

Das Haus sei inzwischen ein Schandfleck und eine Lösung nicht in Sicht, sagt der Schmiedefelder Bürgermeister Reinhart Pulvers: "Bei der ,Schönen Aussicht‘ haben wir die Situation, dass hier Gebäude auf Grundstücken stehen, wo die Grundstückseigentümer nicht Eigentümer des Gebäudes sind."

46 Grundstückseigentümer gibt es, viele sind nicht auffindbar. Außerdem gehört das Haus einer Firma, die es nicht mehr gibt. Und so wird die "Schöne Aussicht" noch über Jahre eine Ruine bleiben.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN | Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 03.07.2017 | 5.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2017, 19:41 Uhr

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