Erfurt
Stasi-Opfer beenden Besetzung von Gefängnis
Die Besetzung des ehemaligen Stasi-Gefängnisses in Erfurt durch einstige DDR-Regimegegner ist beendet worden. Der Vorsitzende des Vereins Freiheit e.V., Joachim Heise, sagte dem MDR THÜRINGEN JOURNAL, es habe in Gesprächen mit dem Bildungsministerium eine Annäherung gegeben. Der Verein erhalte ein entscheidendes Mitspracherecht bei der Bestimmung der Leitung der Gedenk- und Bildungsstätte, die in dem Gebäude geschaffen werde solle.
Mehrere Mitglieder des Vereins - ehemalige Insassen des Stasi-Untersuchungsgefängnisses - hatten Anfang Januar die Besetzung begonnen, um ein Mitspracherecht bei der Gedenkstättengestaltung zu erzwingen.
Heise sagte weiter, der Verein dürfe außerdem durch eigene Aktivitäten in der Gedenk- und Bildungsstätte mitwirken und erhalte dafür ein eigenes Budget im Wirtschaftsplan der Gedenkstätte. Nach seinen Worten will der Verein trotz des Endes der Besetzung weiter in dem Gebäude präsent sein - um "Sanierungsverluste" zu verhindern.
Das Gebäude des ehemaligen Gefängnisses in der Erfurter Andreasstraße steht seit Ende 2002 leer. Der Verein "Freiheit e.V." hatte sich bereits erfolgreich gegen einen Abriss des Hauses eingesetzt und bietet seit 2005 Ausstellungen und Führungen durch die Räumlichkeiten an. Nun soll das einstige Hafthaus zum Gedenk- und Lernort ausgebaut werden. Dazu wurde vom Land die "Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" gegründet. Unter ihrem Dach sollen neben dem Aufbau der Gedenkstätte auch die Arbeit von drei Grenzlandmuseen und sowie weiteren Gedenkstätten konzentriert werden.
Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) begrüßte das Ende der Besetzung. "Die Gespräche mit Freiheit e.V. und anderen Aufarbeitungsinitiativen gehen weiter", sagte er dem THÜRINGEN JOURNAL. Diese würden aktiv in die konzeptionelle Arbeit der künftigen Gedenk- und Bildungsstätte eingebunden.
Matschies Staatssekretär Thomas Deufel erklärte, in den nächsten Tagen würden Kooperationsvereinbarungen mit dem Verein und anderen Opferverbänden unterzeichnet.
Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2010, 19:29 Uhr

