runder Kaktus auf Rasen-Würfel
Vom Gelände der Landesgartenschau in Apolda gestohlener Kaktus Bildrechte: Galabau Kromsdorf

Seltene Pflanzen Kakteen, Yuccas und Buchs bei Dieben besonders beliebt

Vom dem am 9. Oktober vom Gelände der Landesgartenschau in Apolda gestohlenen Goldkaktus fehlt weiter jede Spur. Experten gehen nicht davon aus, dass Amateure am Werk waren. Für die Szene hat der geraubte "Echinocactus grusonii" nämlich einen hohen Wert, ideell und materiell. Längst ist der Diebstahl wertvoller Pflanzen auch in Thüringen keine Seltenheit mehr.

runder Kaktus auf Rasen-Würfel
Vom Gelände der Landesgartenschau in Apolda gestohlener Kaktus Bildrechte: Galabau Kromsdorf

Fast 150 Tage zierte er das Gelände der Landesgartenschau in Apolda, überstand selbst die Frostnächte des Aprils unbeschadet. Jetzt ist er spurlos verschwunden: ein – inklusive Topf - etwa 15 Kilo schwerer, kugelrunder und rund 40 Jahre alter Goldkaktus, Leihgabe eines bekannten Sukkulentenzüchters aus Erfurt.

Erst beim Abbau der Gartenbaukunstwerks "Pianist und grüner Flügel" am Ende der Landesgartenschau wurde der Raub überhaupt entdeckt. Kein spontaner Diebstahl, ist sich Gartenbauexperte Bernhard Tschada sicher. Denn der Kaktus wisse sich von Natur aus zu wehren. "Wir mussten ihn zu zweit tragen und sehr vorsichtig sein, denn die acht Zentimeter langen Stacheln brechen nicht ab", sagt Tschada und beziffert den Wert der im Volksmund "Schwiegermutterstuhl" genannten Pflanze auf rund 250 Euro.

Schadenshöhen, die auch schon dem Botanischen Garten der Universität Jena entstanden sind. Langfinger und Vandalen vergingen sich in den vergangenen Jahren sowohl an Jungpflanzen als auch an bis zu 80 Jahren alten Säulenkakteen. Und richteten dabei Schäden im dreistelligen Bereich an. "Ein nicht nur materieller Verlust, sondern oft auch ein großer ideeller Schaden, gerade, wenn die Pflanzen Teil der wissenschaftlichen Forschung waren", sagt Stefan Arndt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Botanischen Gartens.

Legaler und illegaler Handel

Unauffällig und gewinnbringend verkaufen lassen sich geschützte Pflanzen wie der "Schwiegermutterstuhl" derzeit nur privat über das Internet. Laut Experten bringe ein solches Exemplar in Sammlerkreisen dreistellige Beträge. Für professionelle Händler sei ein An- oder Verkauf schwierig, weil man im Laden die Herkunft der Pflanze dokumentieren müsse. Mit wenigen Ausnahmen sind alle Kakteen nämlich im Washingtoner Artenschutzübereinkommen erfasst, viele Arten sind durch Aufnahme in den Anhang I sogar vollständig geschützt.

Auch Yucca-Pflanzen im Visier

Yucca gloriosa
Yucca gloriosa Pflanzen, ähnlich den aus Schloss Belvedere in Weimar Gestohlenen Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar


In wessen Garten die beiden Buchsbaum-Hochstämmchen, die Pfingsten 2016 im Schlosspark Belvedere in Weimar gestohlen wurden, jetzt stehen, ist nicht bekannt. Dass die rund einen Meter hohen Pflanzen aber sehr wertvoll und rund 40 Jahre alt waren, dagegen schon. Rund zweitausend Euro hätte die Klassik Stiftung Weimar investieren müssen, um nur "in etwa vergleichbare Baumschulware" zu kaufen. Und die Buchsbäume blieben im vergangenen Jahr nicht die einzige Beute unbekannter Diebe. Schon im Juli verschwanden wieder wertvolle Pflanzen: zwei Kerzen-Palmlilien samt ihren schweren Eichenholzkübeln im Gesamtwert von über 600 Euro.


Die Strafen für illegalen Pflanzenhandel sind in Deutschland vergleichsweise hoch. "Grundsätzlich können Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro oder mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren geahndet werden", teilte der Zoll zuletzt 2016 nach der Beschlagnahme lebender Kakteen am Frankfurter Flughafen mit. Der kontrollierte Besitzer hatte die nötigen Papiere nicht dabei.

Zoll fischt geschützte Pflanzen aus der Post

Kaktuspflanze liegt auf Tisch
Vom Zoll in Suhl sichergestellte Kaktuspflanze Bildrechte: Hauptzollamt Erfurt

Auf dem Postweg sollten dagegen 2011 zehn geschützte Kakteen in Suhl den Besitzer wechseln. Der Zoll kam dem Schmuggel aber auf die Spur, beschlagnahmte die Pflanzen und gab sie in gute Hände. Kein Einzelfall. "Im Jahr 2012 [haben wir, Anm. d. Red.] acht Stück Pflanzenteile von Kakteen [...], im Jahr 2013 drei Wurzeln von Erdorchideen und im Jahr 2015  sechs Orchideen eingezogen", bilanziert Holger Giersberg vom Hauptzollamt Erfurt.

Dem egapark in Erfurt sind größere Diebstähle hingegen fremd. Ab und zu werde versucht, den einen oder anderen Absenker einzustecken. "Bei uns kommt aber selten etwas weg, schon wegen der Aufsicht in den Schauhäusern", sagt Christine Karpe von den Stadtwerken Erfurt. Und das bei über einer halben Million Besuchern im Jahr, über 800 ausgestellten Kakteen- und über 300 Orchideenarten. Trotzdem ist man vorbereitet: Der Diebstahl und die Beschädigung von Pflanzen auf dem Gelände wird mit 50 Euro bestraft.

Den Tätern von Apolda haben der Gartenbauer und der Besitzer indes ein großzügiges Angebot gemacht. Sollten sie den "Echinocactus grusonii" anonym zurückgeben werde keine Anzeige erstattet. "Ich denke nicht, dass die Täter den Kaktus verkaufen wollen", sagt Besitzer Ulrich Haage. "Es ist zwar schade und es gab traurige Reaktionen, aber wenn der Diebstahl ein Herzenswunsch war, dann sollen sie damit glücklich werden."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Oktober 2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 12:46 Uhr

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