Pfefferminzbahn in Anfahrt
Die Thüringer Pfefferminzbahn zwischen Sömmerda und Großheringen. Teile der Strecke sollen eingestellt werden. Bildrechte: MDR/Secilia Pappert

Petitionsausschuss im Landtag Pfefferminzbahn-Freunde wollen Politik überzeugen

Die historische Thüringer Pfefferminzbahn soll eingestellt werden - wegen Kostengründen und schwacher Auslastung. Dagegen stemmen sich zahlreiche Menschen. Am Dienstag trugen einige von ihnen Argumente im Landtag vor.

von Conny Mauroner

Pfefferminzbahn in Anfahrt
Die Thüringer Pfefferminzbahn zwischen Sömmerda und Großheringen. Teile der Strecke sollen eingestellt werden. Bildrechte: MDR/Secilia Pappert

Der Erhalt der Pfefferminzbahn im Weimarer Land und Kreis Sömmerda ist am Dienstag Thema im Petitionsausschuss des Thüringer Landtags gewesen. Das Land Thüringen will die 19 Kilometer lange Strecke mit Fahrplanwechsel im Dezember einstellen. Dagegen wehren sich tausende Menschen. Sie haben sich an einer Online-Petition und einer Unterschriftenaktion beteiligt. Rund 4.000 stimmten für den Erhalt der Bahn.

Vor dem Ausschuss haben die Initiatoren nun ihre Argumente vorgetragen. Unterstützt von mehr als 80 Gästen legten sie etwa eine Stunde Gründe dar, warum die Bahn nicht eingestellt werden sollte. So würde beispielsweise der Tourismus in der Region, auch um die Kurstadt Bad Sulza, leiden. Außerdem würden Menschen nicht mehr leicht auf Arbeit kommen und der ländliche Raum würde abgeschnitten werden, hieß es.

"Pfefferminzbahn viel zu wenig beworben"

Menschen in einer Traube diskutieren auf einem Platz
Diskussion am Landtag: Menschen für den Erhalt der Pfefferminzbahn Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Das Land Thüringen hält die Fahrgastzahlen für zu niedrig. Das aber sei ein hausgemachtes Problem, trugen die Befürworter vor. Die Pfefferminzbahn sei viel zu wenig beworben worden. Außerdem habe es an vernünftigen Anschlüssen gefehlt. Seit vielen Jahren bemühe man sich beispielsweise um eine Anbindung an die Saalebahn. Würden beide Strecken verknüpft, könnte sehr einfach der gesamte Ostthüringer Raum erschlossen werden. Sinnvoll wäre es, die Bahn in Richtung Camburg zu verlängern, statt einzustellen. Auch der benachbarte Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt sei ohne die letzten 19 Kilometer Pfefferminzbahn nur schwer erreichbar. Der Nachbarkreis unterstützt den Erhalt der Bahn ebenso. Ein Vertreter des Landratsamtes des Burgenlandkreises demonstrierte dies, der wie viele Bürgermeister der Region angereist war.

Auch Buttstädts Bürgermeister Hendrik Blose (CDU) forderte eine Perspektive für die Pfefferminzbahn. Allerdings müsse man ihre Stärken besser herausarbeiten. So plädierte er für gute Anschlusszüge und ein attraktives Angebot für Reisende, beispielsweise ausgebaute Radwege für Touristen. Auch sie machten einen großen Teil der Fahrgäste aus.

Keiner wagt, Prognosen abzugeben

Menschen in einem großen Saal auf Stühlen
Diskussion im Landtag: Dutzende Gäste beim Petitionsausschuss. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Wann sich der Petitionsausschuss zum Thema weiter äußert, bleibt offen. Landtagspräsident Christian Carius verwies vor Beginn der Sitzung auf aktuell laufende Gespräche. Momentan werde der neue Nahverkehrsplan ausgearbeitet. Man werde sehen, ob die Pfefferminzbahn dabei eine Rolle spiele oder nicht. Prognosen wagte am Abend keiner der Teilnehmer abzugeben.

Der Streckenbetreiber, die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen, gibt finanzielle Gründe für die geplante Einstellung an. So würden Fördergelder des Bundes nicht wie erhofft fließen, außerdem sei die Strecke wenig ausgelastet. Die Pfefferminzbahn ist eine historische Thüringer Verbindung. Im August ist sie 143 Jahre alt geworden. Im Jahr 2007 wurde schon eine Teilstrecke der Pfefferminzbahn eingestellt. Zwischen Straußfurt und Sömmerda rollen seit Jahren nur noch Güterzüge.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Oktober 2017 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2017, 19:46 Uhr

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7 Kommentare

25.10.2017 17:24 Jürgen Reinhardt 7

Unser Gedanke geht stark in eine Durchbindung der SPNV-Leistungen in Richtung Jena oder gar bis Pößneck. Jena bietet sich deshalb an. Da der Bahnhof Jena-Göschwitz nach der anstehenden Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung vsl. bis 2023 eine zentrale Bedeutung bekommen soll. Pößneck hätte den Vorteil, dass man Züge bündeln und flügeln könnte. Da die Stadt an das sog. Dieselnetz Ostthüringen angebunden ist. Welches ebenfalls bis zum Jahre 2024 von der Erfurter Bahn betrieben wird.

25.10.2017 15:40 pn 6

Die Mobilitätsherausforderungen des 21. Jahrhunderts sind nur mit einem in die Zukunft gerichteten Verkehrskonzept zu lösen. Die Politik versagt auf Ebene der EU, des Bundes und der Länder. Weichen werden in die falsche Richtung gestellt. Es wird an bekannten Verkehrskonzepten festgehalten. Anstatt Infrastruktur von Ressourcen schonenden Verkehrsmitteln auszubauen, wird maximal erhalten oder gestrichen. Künftigen Generationen wird das auf die Füße fallen, denn Mobilität, wie wir sie heute kennen, wird in wenigen Jahren wegen fehlender Ressourcen so nicht mehr möglich sein. In dem großen Ganzen ist die Pfefferminzbahn nur ein kleiner, trauriger Baustein, der zeigt, dass es an Visionen und am Willen zur Gestaltung fehlt. Egal ob Blau, Rot oder Grün.

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