Kritik an Personalplänen Solarworld will in Arnstadt Leiharbeiter einstellen

von Wolfgang Hentschel

Ein halbes Jahr ist es her, dass der Photovoltaik-Hersteller Solarworld AG Insolvenz anmelden musste. Monatelang wurde um eine Rettung des Unternehmens gerungen. Im August gab es dann einen Neustart mit dem alten Chef Frank Asbeck. Verbunden damit war ein drastischer Personalabbau.

Eine Frau kommt aus dem Werk von Solarworld in Arnstadt (Thüringen).
Das Solarworld-Werk in Arnstadt Bildrechte: dpa

Allein am Standort Arnstadt verloren 500 der 700 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Sie wurden in einer Transfergesellschaft untergebracht. Von dort aus sollen sie wieder in Jobs vermittelt werden - auch bei der neuen Solarworld Industries GmbH. Deren Geschäftsführung hatte im August dem Arnstädter Betriebsrat eine entsprechende Zusage gemacht. Schriftlich wurde erklärt:

Hiermit möchten wir Ihnen bestätigen, dass die NewCo sich verpflichten wird, bei weiterem Personalbedarf sich vornehmlich aus der Transfergesellschaft zu bedienen. Dies gilt für die Laufzeit der Transfergesellschaft.

Wir verpflichten uns ferner die Mitarbeiter, die wir aus der Transfergesellschaft übernehmen zu deren aktuellen Konditionen bei der Solarworld Industries Thüringen, in der NewCo einzustellen.

Tatsächlich wurden dann im September in den Solarworld-Werken Arnstadt und Freiberg 77 Mitarbeiter eingestellt, die zuvor noch in der Transfergesellschaft untergekommen waren. Inzwischen plant das Unternehmen aber, auch auf Zeitarbeit zu setzen.

Einsatz von Leiharbeitern vorbereitet

Nach Angaben von Kirsten Joachim Breuer von der IG Metall in Erfurt verdichten sich die Anzeichen, dass Solarworld in Arnstadt Leiharbeiter einstellen will. Auf dem Gelände stehe seit zwei Wochen der Dienstwagen der Leiharbeitsfirma Trenkwalder. Zudem sei Schutzkleidung für Leiharbeiter angeschafft worden, berichtet Breuer. Der Gewerkschafter spricht daher von einem Skandal. "Ich verlange, dass Solarworld zu seinem Wort steht und die Leute aus der Transfergesellschaft zurückholt."

Mitarbeiter des insolventen Solartechnik-Herstellers Solarworld gehen am 07.08.2017 zu einer Betriebsversammlung in ihr Werk in Arnstadt (Thüringen).
Laut IG Metall steht auf dem Werksgelände ein Auto einer Leiharbeitsfirma gesehen worden Bildrechte: dpa

Laut Breuer betreibt das Unternehmen hier Lohndumping. Ein Leiharbeiter verdiene pro Monat rund 800 Euro weniger als ein fest angestellter Beschäftigter. Wie viele Leiharbeiter genau Solarworld in Arnstadt einstellen will, ist noch offen. Breuer liegen aber Informationen aus einer Betriebsversammlung im Solarworld-Werk Freiberg vor. Dort sei die Zahl 75 genannt worden, so Breuer. Am Standort Arnstadt sind zurzeit knapp 200 Menschen beschäftigt. Etwa 275 ehemalige Mitarbeiter sind noch in der Transfergesellschaft und warten auf eine neue Anstellung.

Unternehmen spricht von Ergänzungen

Milan Nitzschke, Sprecher der Solarworld Industries GmbH, räumt ein, dass Leiharbeiter eingestellt werden sollen. Es gehe aber um Ergänzungen. Nitzschke verweist auf die 77 Neueinstellungen im September. "In den nächsten Wochen werden die Festanstellungen auch durch Überlassungen von Leiharbeitern ergänzt. Daran hat sich (…) nichts geändert. Heißt: Keine Entlassungen sondern Einstellungen, ergänzt um zusätzliche Leiharbeiter", so der Sprecher.

Bei den Beschäftigten, die zurzeit noch in der Transfergesellschaft auf eine Anstellung warten, sorgen die Personalpläne der Solarworld-Geschäftsführung für Enttäuschung. Viele von ihnen hoffen eigentlich darauf, bei dem Solarzellenhersteller wieder eine Stelle zu bekommen. "Wir werden betrogen", sagt eine 51-jährige Frau. "Ein Angebot für eine Anstellung als Leiharbeiterin werde ich auf keinen Fall annehmen. Die Lohnvorstellungen der Leiharbeitsfirma halte ich für eine Frechheit. Damit kann man nicht leben und nicht sterben."

Um Leiharbeiter am Standort Arnstadt beschäftigen zu können, braucht die Solarworld-Geschäftsführung die Zustimmung des Betriebsrates. Diese Entscheidung steht noch aus. Allerdings hat nach Informationen von MDR THÜRINGEN eine Leiharbeitsfirma bereits ehemalige Solarworld-Beschäftigte angerufen und ihnen eine Tätigkeit als Leiharbeiter in dem Werk angeboten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 03. November 2017 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2017, 18:26 Uhr

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14 Kommentare

04.11.2017 19:53 Erna 14

Warum Insolvenz? Weil PV nicht wie vom Sonnenkönig und der Politik behauptet Hightech sondern Lowtech ist. Da spielen u. a. Umweltstandards, Energiekosten und Personalkosten eine entscheidende Rolle. Weshalb das Ganze in Asien (wie z. B. eben auch bei Fahrrädern alla Mifa) eben wesentlich billiger hergestellt werden kann. Sowas nennt man eben Globalisierung.


Die Zukunft Deutschlands steckt in Entwicklung und Forschung. Da wir aber bereits in der Schulpolitik jämmerlich rot/grün versagen, sieht die Zukunft ganz düster aus.

04.11.2017 18:08 Udo 13

Der alte ist wieder der neue Chef. Einfach Insolvenz beantragen, Staat (die Bürger) bezahlen lassen, fertig. Um die Sache abzurunden, müssen nur noch die Normalverdiener gegen Billigarbeitskräfte ausgetauscht werden. Aber hey, als Manager muss man knallhart und assozial sein, sonst ist man nicht der richtige Mann für so eine Firma.

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