Landtagswahl SPD-Chef Bausewein verzichtet auf Spitzenkandidatur

von Matthias Thüsing

SPD-Landeschef Andreas Bausewein verzichtet überraschend auf die Spitzenkandidatur seiner Partei zur Landtagswahl in zwei Jahren. Der Erfurter Oberbürgermeister will sich stattdessen stärker auf die Kommunalpolitik konzentrieren.

Andreas Bausewein, Erfurter Oberbürgermeister
Andreas Bausewein, Erfurter Oberbürgermeister und Thüringer SPD-Chef Bildrechte: dpa

Andreas Bausewein kennt den Wahlkampf. Der Erfurter Oberbürgermeister ist lange genug im politischen Geschäft. Er war Vorsitzender der Thüringer Jungsozialisten, zog 2004 in den Thüringer Landtag ein; es folgten 2006 die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Erfurt, 2014 die Wahl zum Thüringer SPD-Landeschef. Aktuell stellt sich die Frage, wohin die zukünftige Reise geht. Stadt oder Land? Bausewein muss sich entscheiden. Denn unmittelbar nach der OB-Wahl 2018 beginnt der Wahlkampf für die Landtagswahl 2019.

Da Wählern kaum vermittelbar ist, dass nach einer denkbaren Wiederwahl zum Oberbürgermeister jemand in ein anderes Amt strebt, hat Bausewein heute einen Schritt getan: Er teilte am Mittwochmittag den 3.000 Mitarbeitern der Stadtverwaltung mit, sich für die Stadt entschieden zu haben:

Ich werde im kommenden Jahr als Oberbürgermeister kandidieren und im Falle einer Wahl auch bis 2024 in dem Amt bleiben. Ich bin seit elf Jahren Oberbürgermeister. Die Stadt wird jedes Jahr schöner. Und in der Zeit habe ich Dinge angestoßen, die ich noch zu Ende führen will.

Bausewein hat Gefallen an der Kommunalpolitik gefunden. Er nennt das Schulsanierungsprogramm, den Bau von Kindergärten, die Haushaltskonsolidierung und - die Bundesgartenschau 2021. Schon öfters hat der gebürtige Erfurter bekannt: "Die will ich gerne eröffnen."

Bauseweins Wunschkandidat ist Innenminister Georg Maier

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD)
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) steht für eine Kandidatur zur Verfügung. Bildrechte: dpa

Mit Bauseweins Schritt ist klar, dass die Thüringer SPD einen anderen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl küren muss. Wenn es nach Bausewein, dem SPD-Landeschef geht, soll es Georg Maier werden.

Der noch frisch amtierende Innenminister komme gut an bei den Leuten, sei kompetent und volksnah. Selbst die Kommunen lobten, bei aller Kritik an der laufenden Gebietsreform, dass sich der Ton aus dem Innenministerium zum Besseren gewandt habe. In Ministerien ist Maier einige Jahre unterwegs - aber in einem Partei-Apparat wie der bisweilen komplizierten SPD Thüringen? Maier ist erst 2010 in die SPD eingetreten.

"Ich freue mich über das Vertrauen und stehe für die Spitzenkandidatur zur Verfügung" sagt Maier MDR THÜRINGEN. Entscheiden wird darüber die Parteibasis. Rein taktisch, ist dem SPD-Chef Bausewein im Kampf um Einfluss und Posten mit dem Schritt ein Coup gelungen: Andere SPD-Granden werden es schwer haben, ihren Hut überhaupt noch in den Ring zu werfen. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee soll Ambitionen für das Spitzenamt haben, ist aus der SPD immer wieder zu hören.

Bausewein will sich also auf seine OB-Wiederwahl konzentrieren. Den Vorsitz in der Thüringer SPD aber will er vorerst gerne behalten. Auch das ist quasi eine Entscheidung für die Stadt Erfurt. Denn für die Landeshauptstadt kann sich der Posten auszahlen: Als Parteivorsitzender einer Koalitionsfraktion kann Bausewein bei den anstehenden Beratungen zum Thüringer Doppelhaushalt im Landtag für seine Stadt einige Millionen mehr herausholen. Das geht auch ohne Ansprüche auf den Spitzenplatz 2019.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Oktober 2017 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 13:15 Uhr

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22 Kommentare

26.10.2017 11:18 Martin Vomberg 22

Nach u.a. der Pleite mit der Gebietsreform wundert mich diese Entscheidung von Herrn Bausewein nicht wirklich. Nach dem verheerenden Wahlergebnis der SPD bei der Bundestagswahl in Thüringen schwante ihm wohl bereits, dass für seine Partei im Freistaat nichts zu holen ist! Da könnte er nur verlieren! Da behalte ich doch lieber den Spatz in der Hand, hat er sich Bausewein wohl gedacht!

26.10.2017 10:58 JUSOS 21

Die Jusos haben zu Recht diese Woche den Rücktritt von Bausewein gefordert!

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