Mitte/West-Thüringen

Arnstadt : Solarsparte bringt Bosch Milliardenverlust

Die in Arnstadt sitzende Solartochter von Bosch hat einen Millionenverlust eingefahren und den Gewinn des Konzerns damit deutlich reduziert. Bosch kündigte eiserne Sparbemühungen an, ohne schon ins Detail zu gehen. Thüringens Wirtschaftsminister Machnig forderte die Bundesregierung auf, endlich mit China wegen dessen Billigpreiskampf zu verhandeln.

Der Technologiekonzern Bosch hat in seiner Solarsparte im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust eingefahren. Bosch-Chef Volkmar Denner teilte am Mittwoch mit, neben einem operativen Verlust von etwa 450 Millionen Euro habe es ungeplante Sonderabschreibungen von rund 600 Millionen Euro gegeben. Der Gewinn des Gesamtkonzerns sei dadurch von 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 auf etwa eine Milliarde Euro im Jahr 2012 gesunken.

2.000 Mitarbeiter am Firmensitz in Arnstadt

Bosch Solar Energy beschäftigt 3.200 Mitarbeiter, 2.000 davon an seinem Firmensitz in Arnstadt. Denner kündigte eiserne Sparbemühungen an. 2013 werde ein hartes Jahr der Kosten- und Prozessarbeit. Erste entscheidende Schritte habe Bosch mit den Vertretern der Arbeitnehmerschaft schon im Dezember abgestimmt. Dazu zählten Regeln für eine flexiblere Reduzierung von Arbeitszeit und Einkommen im Falle spürbarer Auftragseinbrüche. In Arnstadt wird bereits kurzgearbeitet. Das Erfurter Solarwerk mit 130 Beschäftigten wurde zum Jahresende 2012 dichtgemacht.

Noch keine Entscheidung zu Konsequenzen

Denner erklärte, alle Standorte müssten Vorschläge zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit einbringen. Konkrete Sparvorgaben gebe es jedoch nicht. Auch ließ der seit Mitte 2012 amtierende Unternehmenschef offen, welche Szenarien wie Verkauf oder Einstieg eines Partners theoretisch infrage kämen und ob auch eine Schließung dazu gehöre.

Machnig fordert Bund zu Verhandlungen mit China auf

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig zeigte sich besorgt. Das Jahr 2013 werde ein entscheidendes Jahr für die deutsche und damit auch für die Thüringer Solarindustrie. Angesichts des massiven Preiskampfs asiatischer Hersteller forderte der SPD-Politiker die Bundesregierung auf, endlich Verhandlungen mit China über faire Wettbewerbsbedingungen für die Solarwirtschaft aufzunehmen. Zudem seien aber auch die deutschen Unternehmen gefordert, trotz des schwierigen Marktes mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Bosch-Chef glaubt trotz Preisverfall an Perspektive für Solarenergie

Europas Solarbranche kämpft seit längerem mit Billigkonkurrenz aus Fernost. Laut Bosch gab es in den zwei vergangenen Jahren jeweils einen Preisverfall von 40 Prozent. Die zugehörigen Kosten wie etwa für Personal seien bei weitem nicht im selben Maße beweglich. Siemens hatte angesichts ähnlicher Probleme sein Solargeschäft vor kurzem komplett aufgegeben. Ungeachtet dessen glaubt Denner aber an die langfristigen Möglichkeiten der Sonnenkraft: "Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass die Energieerzeugung aus Licht für die Menschheit von enormer Bedeutung sein wird."

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2013, 21:30 Uhr

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