Mitte/West-Thüringen

Holocaust-Gedenktag : Früherer Häftling hält Gedenkrede in Buchenwald

Der KZ-Überlebende Ivan Ivanji und seine Frau Dragana laufen am 27.01.2013 in Buchenwald bei Weimar (Thüringen) über den Appellplatz des früheren Konzentrationslagers, im Hintergrund das Lagertor.

Mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Buchenwald haben Vertreter von Politik und Gesellschaft in Thüringen am Sonntag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Der Schriftsteller Ivan Ivanji, der als Jugendlicher das Vernichtungslager Auschwitz und das KZ Buchenwald überlebt hat, äußerte in seiner Rede Zweifel, dass sich ein Massenmord wie der der Nationalsozialisten nicht wiederholen könne. Mit Blick in die jüngere Vergangenheit und unter anderem auf Kambodscha, Dagestan, Tschetschenien, Ost-Timor und Ruanda falle es ihm schwer, die Überzeugung aufrechtzuerhalten, sagte Ivanji.

Geboren 1929 im früheren Jugoslawien, wurde der Sohn jüdischer Eltern als 15-jähriger nach Auschwitz verschleppt und dort von einem Arzt, den er selber "Todesengel" nannte, als arbeitsfähig eingestuft. Er kam nach Buchenwald und musste in einem Außenlager Zwangsarbeit leisten.

Ivanji ging in seiner Rede auch auf die aktuelle Antisemitismus-Debatte in Deutschland ein. Er sagte: "Kritik an der einen oder anderen israelischen Regierung ist kein Antisemitismus, kein Leugnen des größten Verbrechens in der Geschichte der Menschheit". Die Debatte hatte sich an der Kritik des Journalisten Jakob Augstein entzündet, der sich zur Politik der israelischen Regierung geäußert hatte.

Lieberknecht: Am Stammtisch Unrecht widersprechen

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht rief die Thüringer auf, im Alltag jeder Form von Rassismus und Diskriminierung entgegenzutreten. Die Würde des Menschen dürfe nie wieder infrage gestellt werden. Das sei die erste Voraussetzung, um auch in Zukunft in Frieden und Freiheit zusammenleben zu können. Es gelte, auch im Beruf, Verein oder am Stammtisch Unrecht zu widersprechen und Diskriminierung und Rassismus nicht zu akzeptieren.

Landtagspräsidentin Birgit Diezel erinnerte daran, dass Antisemitismus und Rassismus bis heute nicht in Deutschland und Europa vollständig überwunden seien. Die Tage des Erinnerns an die Nazi-Gräuel seien vor diesem Hintergrund kein Selbstzweck. "Die lebendige Erinnerung an die Opfer mahnt uns zu Wachsamkeit und Konsequenz bei der Bewahrung und dem Schutz der Menschlichkeit", sagte die Landtagspräsidentin.

Der 27. Januar gilt seit 1996 in Deutschland als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Datum soll an die Befreiung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 erinnern.

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2013, 10:40 Uhr

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