Mitte/West-Thüringen

Christopher Street Day in Weimar : Homosexuelle demonstrieren für Gleichberechtigung

Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend in Weimar zum Christopher Street Day gegen Diskriminierung von Homosexuellen demonstriert. Die Teilnehmer des Umzugs unter dem Titel "Mensch sein" forderten unter anderem die Gleichstellung von homosexuellen und heterosexuellen Menschen in Fragen des Partnerschaftsrechts. Zugleich kritisierten sie die Stadtverwaltung von Weimar, die eine Beschallung des Umzugs mit Musik nicht genehmigt hatte.

Bei einer Demonstration von Schwulen und Lesben gegen Diskriminierung beginnt am Samstag (16.07.2011) das Straßenfest zum Christopher Street Day in Thüringen.
Mehrere Hundert Menschen nahmen an dem Umzug teil.

Jenny Renner vom Vorstand des Lesben- und Schwulen-Verbandes Thüringen sagte, man sei heute noch weit davon entfernt, "dass Schwulsein zur Normalität gehört". Zwar könnten seit Anfang des Jahres nun auch in Thüringen Homo-Ehen im Standesamt geschlossen werden und nicht wie bisher nur im Ordnungsamt. Doch seien gleichgeschlechtliche Partner etwa bei der Hinterbliebenen-Rente von Beamten benachteiligt. Als diskriminierend werde auch empfunden, dass schwule Männer nicht zur Blutspende zugelassen seien. Auch in Schulbüchern müssten gleichgeschlechtliche Lebensweisen stärker beachtet werden, etwa bei der Formulierung von Sachaufgaben im Mathematik-Unterricht, sagte Renner.

Immer noch viele Vorurteile

Nach ihren Worten gibt es in der Gesellschaft weit verbreitete Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen. Dies zeige sich auch daran, dass gerade in Fußballstadien und auf Schulhöfen die Bezeichnung "Schwuchtel" ein beliebtes Schimpfwort sei. Generell hätten es homosexuelle Männer schwerer als Frauen. Zudem hätten es Schwule und Lesben auf dem Land oftmals schwerer als in der Stadt. Nicht nur, dass Homosexualität dort meist stärker geächtet werde. Auch fehle es in ländlichen Regionen meist an Beratungsangeboten und Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu finden. Viele Schwule und Lesben kehrten daher dem Landleben den Rücken zögen in die Stadt.

"Wenn sich zwei Frauen küssen, findet man das noch toll und sexy. Wenn das zwei Männer tun, dann finden das die meisten Menschen eklig."

Jenny Renner, Lesben- und Schwulenverband Thüringen

Kritik übten die Organisatoren des Umzugs an Auflagen der Stadt Weimar. So musste der mitgeführte Lautsprecher-Wagen, der die Teilnehmer mit Musik beschallen sollte, stumm bleiben. Mitorganisator Matthias Gothe sagte, es sei unverständlich, warum solche Auflagen erteilt würden.

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2011, 14:24 Uhr

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK