Christopher Street Day in Weimar : Homosexuelle demonstrieren für Gleichberechtigung
Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend in Weimar zum Christopher Street Day gegen Diskriminierung von Homosexuellen demonstriert. Die Teilnehmer des Umzugs unter dem Titel "Mensch sein" forderten unter anderem die Gleichstellung von homosexuellen und heterosexuellen Menschen in Fragen des Partnerschaftsrechts. Zugleich kritisierten sie die Stadtverwaltung von Weimar, die eine Beschallung des Umzugs mit Musik nicht genehmigt hatte.
Jenny Renner vom Vorstand des Lesben- und Schwulen-Verbandes Thüringen sagte, man sei heute noch weit davon entfernt, "dass Schwulsein zur Normalität gehört". Zwar könnten seit Anfang des Jahres nun auch in Thüringen Homo-Ehen im Standesamt geschlossen werden und nicht wie bisher nur im Ordnungsamt. Doch seien gleichgeschlechtliche Partner etwa bei der Hinterbliebenen-Rente von Beamten benachteiligt. Als diskriminierend werde auch empfunden, dass schwule Männer nicht zur Blutspende zugelassen seien. Auch in Schulbüchern müssten gleichgeschlechtliche Lebensweisen stärker beachtet werden, etwa bei der Formulierung von Sachaufgaben im Mathematik-Unterricht, sagte Renner.
Immer noch viele Vorurteile
Nach ihren Worten gibt es in der Gesellschaft weit verbreitete Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen. Dies zeige sich auch daran, dass gerade in Fußballstadien und auf Schulhöfen die Bezeichnung "Schwuchtel" ein beliebtes Schimpfwort sei. Generell hätten es homosexuelle Männer schwerer als Frauen. Zudem hätten es Schwule und Lesben auf dem Land oftmals schwerer als in der Stadt. Nicht nur, dass Homosexualität dort meist stärker geächtet werde. Auch fehle es in ländlichen Regionen meist an Beratungsangeboten und Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu finden. Viele Schwule und Lesben kehrten daher dem Landleben den Rücken zögen in die Stadt.
Kritik übten die Organisatoren des Umzugs an Auflagen der Stadt Weimar. So musste der mitgeführte Lautsprecher-Wagen, der die Teilnehmer mit Musik beschallen sollte, stumm bleiben. Mitorganisator Matthias Gothe sagte, es sei unverständlich, warum solche Auflagen erteilt würden.
